Wegner: Keine Alternative zu Twitter

Im Mittelpunkt der Kritik: Mit der Entscheidung, für die Amoklauf-Berichterstattung einen eigenen Twitter-Ticker einzurichten, gelang Focus Online-Chefredakteur Jochen Wegner ein umstrittener Scoop. Die Leser haben FocusLive gut angenommen, zahlreiche Medienkritiker nicht. Zur deren Vorwürfen sagt Wegner im MEEDIA-Interview: „Ich kann verstehen, dass Einträge zum Entstehen einer Geschichte von manchen in dieser Situation als pietätlos empfunden werden, ich selbst habe dies nicht so empfunden.“

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Wurde die Idee zu FocusLive extra für den Amoklauf kreiert?
Wir haben bereits sehr lange diskutiert, einen zusätzlichen Redaktions-Account bei Twitter einzurichten. Die gestrigen Ereignisse waren nur der Anlass, dies zu tun.

Haben die Nutzer das neue Twitter-Feed angenommen?
Ganz offensichtlich, das Interesse scheint groß.

Wer hat unter FocusLive dort alles getwittert?
Gestern hat sich ein Twitter-erfahrener Kollege um @FOCUSlive gekümmert.

Brauchen Redaktionen klare Twitter-Regeln?
Ja. Diese Regeln werden von Redaktion zu Redaktion variieren, und sie müssen immer wieder hinterfragt und angepasst werden.
Sind Sie bei Ihrer Live-Berichterstattung zum Teil pietätlos vorgegangen?
Wir haben zum Fortgang der Ereignisse getwittert, auf neue Beiträge bei FOCUS Online hingewiesen, und die Reporter vor Ort haben einige Details zu ihrer Arbeit und ihren Erkenntnissen eingestreut. Ich kann verstehen, dass Einträge zum Entstehen einer Geschichte von manchen in dieser Situation als pietätlos empfunden werden, ich selbst habe dies nicht so empfunden. Einen allzu launigen Beitrag nehme ich davon explizit aus – den haben wir gelöscht.

Ist die aktuelle Kritik an Twitter nicht der beste Beweis dafür, dass der Microblogging-Dienst auf dem besten Weg ist, ein vollwertiger Medienkanal zu werden?
Twitter ist eben kein klassischer Medienkanal, sondern ein soziales Netzwerk. Redaktionen, die sich auf Twitter einlassen, wandeln grundsätzlich auf einem schmalen Grat – genau deshalb haben wir sehr lange gezögert, obwohl wir als erstes deutsches Medium bereits vor etwa zwei Jahren unsere Feeds auch über Twitter publiziert haben. Wer sich an Neues wagt, macht hin und wieder Fehler. Die Alternative, weiterhin nichts zu machen, sehe ich langfristig nicht und auch Standards lassen sich vorab nicht beliebig fein definieren.

Werden Sie den FocusLive Krisenticker weiter einsetzen?
Ja, wir werden FocusLive auch für andere Themen nutzen.

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