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US-Zeitungskrise (2): Die Wackelkandidaten – Überleben ungewiss

Im ersten Teil der Bestandsaufnahme vom US-Zeitungsmarktes haben wir die drei überregionalen Tageszeitungen vorgestellt, die trotz Krise alle Chancen haben zu überleben. In Teil zwei stellen wir Platz 4 - 6 der größten Zeitungen des Landes vor – und bei ihnen erscheint das Überleben eher unsicher. Besonders erschreckt der Niedergang der einst so stolzen “Los Angeles Times”. Aber es ist auch überraschend, dass ein renommiertes Quality-Paper wie die “Washington Post” zum Sorgenkind geworden ist.

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Im ersten Teil der Bestandsaufnahme vom US-Zeitungsmarktes haben wir die drei überregionalen Tageszeitungen vorgestellt, die trotz Krise alle Chancen haben zu überleben. In Teil zwei stellen wir Platz 4 – 6 der größten Zeitungen des Landes vor – und bei ihnen erscheint das Überleben eher unsicher. Besonders erschreckt der Niedergang der einst so stolzen “Los Angeles Times”. Aber es ist auch überraschend, dass ein renommiertes Quality-Paper wie die “Washington Post” zum Sorgenkind geworden ist.
 
4) Los Angeles Times (739.000 Verkauf): insolvent 
Die 1881 gegründete “LA Times” ist die viertgrößte Tageszeitung der USA. Sie hat etliche Pulitzer-Preise gewonnen und war lange Zeit eine der angesehendsten Presse-Institutionen des Landes.. 
Bis zum Jahre 2005 war für die “LA Times” die Welt noch in Ordnung. Sie hatte 1 Mio. verkaufte Auflage, beschäftigte 1200 Redakteure und bescherte der Tribune Company einen ordentlichen Gewinn. Aber dann ging es steil bergab. Die Auflage bröckelte, Herausgeber und Chefredakteur mussten gehen, in der Redaktion wurden Stellen abgebaut. 
Im August 2007 wurde die Tribune Gruppe, zu der auch die “Chicago Tribune” gehört, schließlich an den Multimilliardär und Immobilienunternehmer Sam Zell verkauft. Er zahlte auf dem Papier 8,2 Milliarden Dollar, brachte aber das Kunstück fertig, davon selbst nur 300 Mio. Dollar beisteuern zu müssen. Den Rest lud er einfach den Angestellten auf, die mit ihren Pensionskassen bürgen mussten.  
Weil die Zeiten für Zeitungen immer schlechter wurden, musste Zell ein rigides Sparprogramm durchziehen: die Redaktion wurde nochmal um 30% verkleinert und der Umfang der LA Times deutlich zurückgefahren. Aber all das reichte nicht: im Dezember letzten Jahres musste die Tribune Company schließlich Insolvenz anmelden. Unter dem Gläubigerschutz nach “Chapter 11” geht der Zeitungsbetrieb zwar vorerst weiter, aber manche Beobachter sehen die LA Times in diesem Jahr endgültig in den Konkurs gehen. Für die 660 Redakteure gibt es seit letzter Woche eine neue Hoffnung: Gerüchteweise hört man, dass Rupert Murdoch Interesse hat, die einst große Zeitung aus Los Angeles zu übernehmen. 
Recht erfolgreich hat sich die Website entwickelt, die mit 11 Mio. Unique Visitors nach der “New York Times” die Nummer 2 im Land ist. Manche Leute aus dem Umfeld vom Verlag behaupten, die Werberlöse der LA-Times-Website würden sogar ausreichen, die Redaktionskosten für Print und Online zusammen zu decken. Unsinn, sagen US-Mediendienste und sprechen von einem “Newspaper Online Fairy Tale.
 
 
5) The New York Daily News (703.000 Verkauf): hohe Verluste 
Die 1919 gegründete Zeitung war das erste Tabloid der USA. Sie gehört Mort Zuckerman, einem Immobilien-Tycoon, der lange zu den reichsten Männer der USA zählte. Ob er allerdings noch immer so gut bei Kasse ist, daran gibt es Zweifel. Es heisst nämlich, Zuckerman sei eines der größten Opfer im Berni Madoff-Skandal.  
Neben den “Daily News” besitzt Zuckerman “US News & World Report, das drittgrößte Nachrichten-Magazin des Landes, das er vor kurzem von Wochen- auf Monatserscheinen zurückgestuft hat. Dafür konzentriert sich Zuckerman mit seiner Zeitschrift inzwischen mehr aufs Internet, wo er ein “Digital Magazine” herausbringt – eine Wochenausgabe der Monatszeitschrift, die nur im Web erhältlich ist. 

Schon im letzten Jahr soll die “The Daily News” zwischen 15 – 20 Mio. Dollar Verlust gemacht haben. Darauf strich der Verleger die Pensionszahlungen für Redakteure, um so 1 Mio. Dollar sparen zu können. In diesem Jahr dürften die Verluste aufgrund der Rezession noch deutlich höher ausfallen. Beobachter halten es deshalb für möglich, dass Zuckerman mit seiner Zeitung bald einen ähnlichen Weg geht wie mit seinem Nachrichten-Magazin: weniger Print, mehr Internet. 
 
 
6) Washington Post (666.000 Verkauf): rote Zahlen 
Die 1877 gegründete “Washington Post” ist eine der renommiertesten Zeitungen des Landes – und das, obwohl sie im Gegensatz zur “New York Times” oder zum “Wall Street Journal” keine nationale Ausgabe publiziert. Ihr Verbreitungsgebiet beschränkt sich ausschließlich auf den Großraum Washington. 

Berühmt wurde die Zeitung durch ihr investigatives Reporting. Höhepunkt war 1972 die Aufdeckung des Watergate-Skandals durch Bob Woodward and Carl Bernstein unter Chefredakteur Ben Bradlee. Verlegerin war damals Katharine Graham, eine der großen Damen des amerikanischen Journalismus. Ihr Sohn Donald steht heute an der Spitze des Verlages, der legendäre Großinvestor Warren Buffett sitzt im Aufsichtsrat. 
Buffett, der mit der Familie Graham eng befreundet ist, hat sich 1973 in die Washington Post Company eingekauft und hält heute noch einen großen Anteil der Shares. Von ihm stammt die Feststellung: „Newspaper readers are heading into the cemetery, while nonnewspaper readers are just getting out of college. It’s hard to make money buying a business that’s in permanent decline.“ 

Der Washington Post geht es inzwischen nicht besser als den meisten anderen Zeitungen des Landes: sie schreibt rote Zahlen und hat schon mehr als 100 ihrer 785 Redakteure entlassen müssen. Die Newspaper-Division des Konzerns wies im vierten Quartal letzten Jahres einen Verlust von 14 Mio. Dollar aus, nachdem sie im Jahr zuvor im Vergleichsquartal noch einen Gewinn von 25 Mio erzielen konnte. Jetzt sucht die Washington Post ihr Heil in einer Kooperation mit der “Baltimore Sun”. Seit Januar tauscht man Fotos und Artikel aus. 
Dabei ist der Konzern, die Washington Post Company noch gut in den schwarzen Zahlen. Dazu muss man aber wissen, dass die Zeitung und das “Newsweek”-Magazine, das ebenfalls zum Verlag gehört, gerade einmal 20% vom Umsatz dieser Aktiengesellschaft ausmachen. Den Hauptteil erzielen ein sehr erfolgreicher “Academic testing service” mit Namen Kaplan Inc, einige regionale Fernsehsender (in Denver, Houston, Miami) und die Kabelgesellschaft Cable One. Der Erfolg dieser Nicht-Zeitungsaktivitäten spiegelt sich auch in der verhältnismäßig guten Aktienentwicklung der Washington Post Company wieder. Im 5-Jahresvergleich fielen die Aktien “nur” von 760 auf 360 Dollar. 

Man braucht kein Prophet sein, die Frage wird kommen: wielange kann sich eine Aktiengesellschaft wie die Washington Post Company, die ihren Shareholdern verpflichtet ist und unter dem Druck der Börse steht, eine Zeitung leisten, die nur Verluste produziert – ohne große Aussicht auf Besserung? 

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Am Mittwoch im dritten Teil der Serie schauen wir auf Platz 7 – 10. Dort befindet sich u.a. ein Tabloid, das in den Jahren 2005 – 2007 fast 800 Millionen Dollar Verlust gemacht hat und trotzdem dann für 650 Mio Dollar verkauft wurde…
Update: Aus aktuellen Anlass wurde der dritte Teil auf Donnerstag verschoben.

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