Döpfner: Investieren statt Jammern

Der Himmel war ein Grau in Grau, die Silhouette der Hauptstadt hinter den Panoramafenstern schien fern und konturlos. Im grauen Anzug trat Springer-Chef Mathias Döpfner ans Rednerpult und – Stopp, hier endet die Tristesse! – verhielt sich antizyklisch. „Meine Damen und Herren“, begann er seine Rede zur Bilanzpressekonferenz für 2008, „es ist manchmal schwieriger, in schlechten Zeiten gut zu sein als in guten Zeiten besser.“ Bilanz in Kürze: Wir waren nicht nur besser, wir waren die Besten.

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Der Himmel war ein Grau in Grau, die Silhouette der Hauptstadt hinter den Panoramafenstern schien fern und konturlos. Im grauen Anzug trat Springer-Chef Mathias Döpfner ans Rednerpult und – Stopp, hier endet die Tristesse! – verhielt sich antizyklisch. „Meine Damen und Herren“, begann er seine Rede zur Bilanzpressekonferenz für 2008, „es ist manchmal schwieriger, in schlechten Zeiten gut zu sein als in guten Zeiten besser.“ Bilanz in Kürze: Wir waren nicht nur besser, wir waren die Besten.

Was folgte waren eine Menge Zahlen, das übliche Wirtschaftsdenglisch von Umsatz, EBIT, EBITDA, Überschuss, Ergebnis, Profit, Rendite und Dividende, oft gekoppelt an ein stolzes Wort: Rekord. Die Zahlen sind längst über die Nachrichtenticker gelaufen, wurden kommentiert und analysiert. Doch obwohl sich an diesem Mittwochmorgen in Berlin scheinbar alles um Zahlen drehte, ging es im Kern doch um etwas Anderes.

So beindruckend die Eckdaten waren (und hier und da vielleicht auch nicht, wie Wirtschaftsexperten später erklärten), so sensationell das Konzernergebnis als Ganzes vor dem Hintergrund eines in der zweiten Jahreshälfte trüben Marktumfeldes ausfällt – das Bemerkenswerte an der Rede von Mathias Döpfner war die psychologische Leistung. Der Vorstandschef redete die Angst weg. Was der 46-Jährige flankiert von 34 Powerpoint-Charts zu sagen hatte, war nicht der Abgesang auf die Medienbranche, sondern geriet beinahe zum Hohelied auf die Krise.

„Wir sind überzeugt, dass wir Marktanteile gewinnen werden“, sagte Döpfner, „und dadurch strategisch gestärkt aus der Krise hervorgehen werden.“ Für den grassierenden „Skeptizismus“ der Branche bringt er wenig Verständnis auf: „Ich prophezeie: Die Welt wird nicht untergehen. Und die Zeitung vorerst auch nicht.“ Der Springer-Boss als Motivationskünstler. Ein Blick in die Runde der versammelten Medienjournalisten verriet, dass es nicht jedem leicht fiel, seinen Optimismus zu teilen.

Doch Döpfner beließ es nicht beim Formelhaften; er führte Argumente an: Springer gehe mit niedriger Schuldenlast, einer auf Jahre abgesicherten hohen Kreditlinie und mit strenger Kostendisziplin in die Krisenzeit. Das Medienhaus profitiere zudem von der konsequenten Marktführer-Strategie und sei deshalb in der Lage, einen Betrag von „300, 400 oder 500 Millionen Euro“ zu investieren, um „attraktive Assets zu sehr günstigen Bewertungen zu erwerben“. Das Augenmerk gilt dabei dem Digitalgeschäft, „aber auch im Print geht noch was.“ Dies sei eine „vermutlich einmalige Chance“, so der Vorstandschef, „und die werden wir gezielt und nach genauer Prüfung nutzen.“ Den Verlag sieht er im „Spirit der Angriffslust“.

Und er war noch nicht fertig. Hatte bis dahin der Unternehmer Döpfner gesprochen, so folgte jetzt der Verleger und ehemalige Chefredakteur: „Die Grundlage unseres Geschäfts sind Inhalte, guter Journalismus. Wir leben von harten Rechercheuren, begnadeten Sprachvirtuosen, provokationsfreudigen Leitartiklern und leidenschaftlichen Geschichtenerzählern.“ Diesen versprach er: „Wir wollen mittel- und langfristig Wert schaffen. Und wir wollen auch nach der Krise noch Zeitungen, Zeitschriften und Websites anbieten, die mit exzellentem Journalismus ihre Leser begeistern.“

Das hörte sich so ganz anders an als die jüngsten Verlautbarungen der Manager anderer großer Medienhäuser, wo Einstellungsstopp, Stellenstreichungen oder betriebsbedingte Kündigungen gemeint sind, wenn von „Qualitätsoffensive“ die Rede ist. Der Zukunftsentwurf von Mathias Döpfner ist ein im Kern journalistischer. Allein dafür möchte man dem Springer-Chef in diesen Zeiten zurufen: Danke, Mann.

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