Der Niedergang der Börsenportale

Des einen Freud ist des anderen Leid: Die globale Krise spaltet das deutsche Finanz-Web in zwei Lager. Auf der Verliererseite stehen Börsenportale wie OnVista oder Wallstreet Online. Diese Experten für Kurse und Datenkurven verloren innerhalb eines Jahres fast ein Viertel ihrer Klicks. Auf der Gewinnerseite finden sich die redaktionelle Sites wie Handeslblatt.com oder Börse Online. Nicht nur die Krise befeuerte diese Entwicklung: Einige Verlage investieren auch massiv in ihre Datencenter.

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Die Klick-Entwicklung bei den klassischen Börsenportalen innerhalb der vergangenen zwölf Monate ist eine Katastrophe. Hier eine Auswahl der Verluste bei den Page Impressions:

  • Wallstreet Online minus 23 Prozent
  • Finanztreff minus 31 Prozent
  • OnVista minus 23 Prozent
  • Cortal Consors minus 22 Prozent
  • Ad hoc News minus 36 Prozent

 
„Für den Rückgang der Klicks gibt es eine einfache und logische Erklärung: Es gibt einen Zusammenhang zwischen monatlichen Börsenumsätzen und den Klicks auf datengetriebenen Finanzportalen wie OnVista“, erklärt die OnVista-Sprecherin Sabine Herr gegenüber MEEDIA. „Immerhin verlaufen die Umsatz- und Klick-Kurven nicht parallel. Im Februar brachen die Börsenumsätze dramatisch ein, wogegen wir im Vergleich zum Januar nur 7,8% an Klicks verloren haben.“ Ein gewisser Februar-Rückgang ist für die Börsenportale normal. Kein Monat hat so wenige Handelstage, und das schlägt sich wiederum negativ auf die Page Impressions nieder.
 
Experten wie Sabine Herr unterteilen die Branche in redaktionelle und datengetriebene Finanzportale wie Onvista, Cortal Consors oder Wallstreet Online, weil diese Angebote vor allem Zahlenmaterial wie Kurse und Charts liefern. Das ist in der aktuellen Situation ein Nachteil: „Von diesen Krisenzeiten profitieren die Finanzportale mit großen Redaktionen und eingeführten Medienmarken im Rücken“, sagt Herr.

Dieser Sichtweise stimmt Sven Scheffler, Chefredakteur von Handelsblatt.com, ohne Abstriche zu: „In solch turbulenten Zeiten suchen die Nutzer die Einordnung von Kursen. Die Abfrage reiner Finanzdaten zu Aktien oder Anleihen reicht nicht mehr aus.“

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die redaktionellen Finanzangebote in den vergangenen zwölf Monaten massiv zulegen konnten. Eine Auswahl der Gewinner bei den Page Impressions:

  • Börse Online plus 60 Prozent
  • Handelsblatt.com plus 43 Prozent
  • Ftd.de plus 56 Prozent
  • Finanzen.net plus 79 Prozent
  • Manager-Magazin.de plus 15 Prozent

Ein weiterer Erfolgsgrund der redaktionellen Angebote hat wenig mit der Krise zu tun, sondern ist eine logische Folge eines massiven Ausbaus der Verlagsangebote. „Die großen redaktionellen Portale haben kräftig investiert und ihre Angebote erweitert“, sagt Scheffler gegenüber MEEDIA. „Wir haben die Redaktion um fast 50 Prozent aufgestockt und zudem stark in unser Finanzportal mit Daten und Tools investiert. Entscheidend ist, dass wir auch die Print-Reporter mit der Online-Redaktion verzahnt haben.“ Darüber hinaus hat Handelsblatt.com aber auch seine Datencenter kräftig ausgebaut und stellt dort nun eine echte Konkurrenz für Onvista & Co. dar.

Die Zeiten, in denen die redaktionellen und datengetriebenen Finanzportale friedlich koexistierten, sind vorbei. Projekte wie die neue FAZ-Plattform Fazfinance.net machen den klassischen Börsenportalen gezielt Konkurrenz. Dazu verfügt – zumindest Handelsblatt.com – über die passenden Insider, um ihre Zahlensammlungen weiter auszubauen. So arbeitete der Düsseldorfer Objektleiter Arnd Winkelnkempe vor seiner Verlagskarriere bei OnVista.

Nach der reinen Klick-Masse gerechnet, haben Börsenportale wie OnVista aber noch immer einen großen Vorsprung vor den Redaktions-Sites. Im IVW-Ranking der größten Wirtschafts- und Finanzangebote liegt OnVista mit 63 Millionen Page Impressions auf Platz eins. Zweiter ist das T-Online-Geld-Angebot (44 Mio. PIs) vor Cortal Consors (35 Mio. PIs). Auf Rank vier liegt das Axel Springer-Portal Finanzen.net mit 31 Millionen Page Impressions. Diese Seite ist der wohl größte Aufsteiger des Jahres. Innerhalb von zwölf Monaten konnte die Plattform bei den Klicks um 79 Prozent zulegen. Die Visits steigerte Finanzen.net sogar um beeindruckende 119 Prozent.

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