Relaunch: „Monopol“ wird erwachsen

Ringiers Kunstmagazin „Monopol“ gönnt sich pünktlich zum fünften Geburtstag im Mai ein „frisches Design“ – schreiben die Herausgeber. Uns erscheint es eher wie eine Entschlackungskur, die sich Florian Illies und Amélie von Heydebreck verordnet haben. Alles wirkt aufgeräumter, ernsthafter – und „erwachsener“, wie auch Chefredakteur Cornelius Tittel feststellt. Hat der Crash des Kunstmarkts die Kunstmagazine erreicht? Immerhin das neue Hochglanz-Cover versucht, dem zu widersprechen.

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Die neue „Monopol“ ist in erster Linie kompakter als der Vorgänger. Die im alten Layout oft zu verortende Unordnung, das Kleinteilige vieler Seiten, sind verschwunden. Dafür ist alles etwas ruhiger, gesetzter. Der eigene Anspruch des Titels, sich an Condé Nasts Architektur-Schwergewicht „AD“ zu orientieren, scheint durch. Doch mehr noch, so wirkt es, will man sich der Branchenbibel „Kunstforum“ annähern. Denn das neue Layout wirkt vor allem – gewichtiger. Weniger ausschweifend, weniger mäandernd, dafür konzentrierter.

Abgesehen vom neuen Layout sind auch neue Inhalte ins Heft gewandert. Zuallererst die umfangreiche Fotostrecke, in der regelmäßig wichtige Fotokünstler mit ihrem Werk vorgestellt werden. Angelika Taschen verrät in einer Kolumne ihre „Lieblingsadressen aus den Kunstmetropolen der Welt“. Außerdem werden zeitgenössische Künstler zu Werken alter Meister pilgern und Experten aus den Bereichen Literatur, Pop und Kino – darunter „Spex“-Chefredakteur Max Dax – in der Rubrik „Das Leben der anderen“ aus ihren Disziplinen berichten.

Vor allen Dingen der Wechsel vom matten Cover, das ohne Rahmen auskam und stets ein Werk abbildete, hin zur UV-lackierten, gerahmten Titelseite, die ein nüchternes Künstler-Foto zeigt, ist ein klares Statement: Das „lifestylige“ Kunstmagazin wandelt sich zum Beobachter. Mancher wird „Monopol“ vorwerfen, mit der Entscheidung, die Künstler aufs Cover zu heben und nicht mehr die Kunst selbst, nur dem Personality-Kult unserer Zeit zu huldigen. Doch man kann es auch anders lesen: das Magazin wendet sich dem „Verursacher“ der Kunst zu, ihn gilt es in Zeiten des Werteverfalls am Kunstmarkt zu untersuchen.

„Unter Art Direktor Hans Löffler ist ein Layout entstanden, das klarer, eleganter und (nach fünf Jahren ein bisschen frühreif) auch erwachsener geworden ist“, schreibt Chefredakteur Tittel in der Jubiläums-Ausgabe. Doch die Änderungen seien nicht aus einer Modelaune heraus entstanden. „Wir wollen das Heft optisch mit einer neuen Redaktion und einer anderen Zeit in Einklang bringen“, schreibt Tittel weiter.

Und was ist das für eine Zeit? Der Kunstbranche geht es schlecht, die Party der vergangenen Jahre und die Unsummen, die für Werke über den Tisch gingen, sind in Zeiten der Wirtschaftskrise passé. Viele sprechen davon, dass die Kunstszene (wie etwa auch die Modebranche), sich in der Krise nun selbst reinigen müsse, ganz nach dem Motto „Gott sei dank, der Hype ist vorbei, lasst uns weiterarbeiten.“ Das scheint auch bei „Monopol“ zu greifen.

Das überarbeitete Magazin liegt ab dem 23. April an den Kiosken. Der Preis von 7,50 wird beibehalten; ebenso die Druckauflage von 45.000 Exemplaren. Titelgeschichte der Mai-Ausgabe ist ein umfangreiches Interview mit dem „berühmtesten und meistgehassten“ Künstler der Welt, Damien Hirst, über Gier, Liebe und „das Leben nach dem Crash“.

www.monopol-magazin.com

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