Clay Shirky über die Medienkrise

Ob Verlagsmanager, Unternehmensberater oder Internet-Begeisterte: Wenn Clay Shirky spricht hören alle zu. Der US-Amerikaner gehört zu den prominentesten Gästen auf der diesjährigen CeBIT. Jeder Journalist, der mit dem Professor, Unternehmensberater und Buchautoren sprach wollte im Grunde nur eines wissen: Was ist die beste Strategie für die großen Medienhäuser, um die Krise zu meistern. Shirky glaubt, […]

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Ob Verlagsmanager, Unternehmensberater oder Internet-Begeisterte: Wenn Clay Shirky spricht hören alle zu. Der US-Amerikaner gehört zu den prominentesten Gästen auf der diesjährigen CeBIT. Jeder Journalist, der mit dem Professor, Unternehmensberater und Buchautoren sprach wollte im Grunde nur eines wissen: Was ist die beste Strategie für die großen Medienhäuser, um die Krise zu meistern.

Shirky glaubt, dass die gegenwärtige Krise enorme Umwälzungen im Web und im Medienbusiness zur Folge haben wird. „Die Leute entdecken jetzt erst die Möglichkeiten des Internets“, sagte er in einem Podiumsgespräch. „Wenn in der Wirtschaft alles gut läuft, werden die Menschen faul und zufrieden. In einer Rezession fangen sie jedoch an, sich für Neues zu interessieren.“

Eine weitere Folge der Krise wird sein, dass die Print-Einnahmen der großen Zeitungen immer weiter zurückgehen. Doch was machen diese riesigen Redaktionen mit ihren hunderten von Redakteuen, Reportern und Ressortleitern, wenn das Geld immer knapper wird? „Ich glaube, die wird man nicht alle weiterhin halten können. Die Zeitungen werden sich weiter spezialisieren. Man muss sich fragen. Braucht die „New York Times“ einen Sportteil? Die Leute kaufen nicht die „NY Times“, um zu erfahren, wie die Yankees gestern gespielt haben“, sagte Shirky in einem Interview mit „Handelsblatt“-Reporter Thomas Knüwer. „In dem Wechsel von Print-Only zu Print plus Web zu Web-Only werden sich viele Zeitungen fragen müssen was ist unser Kernangebot?, und sich dann darauf konzentrieren.“

„Bezahlinhalte sind für die Verlage kein realistisches Szenario. Sie wandeln zwischen 1 und 10 Prozent ihrer Online-Leser in Abonnenten um, verabschieden sich aber vom Wachstum. Und die Möglichkeit, eine große Story zu haben, die um die Welt geht, können sie dann vergessen. Hinter einer Paid-Content-Mauer sinkt die Relevanz des Mediums“, sagte wiederum Shirky in einem „FAZ“-Interview.

Wenn die Zeitungen anfangen, sich hinter einen Bezahl-Wand zu verstecken, verlieren sie also zwangsläufig immer mehr an Relevanz. Das ist die große Chance für Start-ups. Deshalb glaubt Shirky, dass das Online-Nachrichten-Geschäft in fünf Jahren von Unternehmen beherrscht wird, die zur Jahrtausendwende noch gar nicht existierten. „Nachrichten lassen sich nicht exklusiv verstecken und verkaufen. Wenn ich wissen will, wie es gerade in Gaza aussieht, dann würde ich gerne den „NY Times“-Artikel dazu lesen. Wird er jedoch im abgeschlossenen Paid-Content-Bereich versteckt, dann surfe ich einfach zur BBC und lese dort alle Gaza-News“, zitiert das „Handelsblatt“ den Web-Denker.

Das einzige realistische Geschäftsmodell für die Verlage sieht der New Yorker auch weiterhin im Verkauf von Werbeplätzen. „Die Werbung kommt zurück, wenn die Krise vorbei ist. Geschäftsmodelle im Internet ändern sich schnell. Als Google angefangen hat, hat auch niemand geglaubt, dass sich mit Textwerbung so viel Geld verdienen lässt.“
 

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