Warum es „Nido“ schwer haben wird

Jetzt hat der Süddeutsche Verlag bei dem jungen Elternmagazin „Wir“ schon nach der ersten Ausgabe den Stecker gezogen. Kein gutes Zeichen für das für Mitte April angekündigte junge Elternmagazin „Nido“ der „Neon“-Macher bei Gruner + Jahr. Klar, „Wir“ hatte sicher so einige Probleme, die hausgemacht waren, ich persönlich glaub aber, dass diese ganze Idee des […]

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Jetzt hat der Süddeutsche Verlag bei dem jungen Elternmagazin „Wir“ schon nach der ersten Ausgabe den Stecker gezogen. Kein gutes Zeichen für das für Mitte April angekündigte junge Elternmagazin „Nido“ der „Neon“-Macher bei Gruner + Jahr. Klar, „Wir“ hatte sicher so einige Probleme, die hausgemacht waren, ich persönlich glaub aber, dass diese ganze Idee des jungen oder irgendwie „anderen“, „lifestyligen“ Elternmagazins nicht aufgeht. Dafür gibt es eine Reihe von triftigen Gründen, die Peter Turi bei Turi2 bereits angerissen hat. Grundsätzlich ist es natürlich zu loben, dass G+J das „Nido“-Projekt auch in schwerem Fahrwasser vorantreibt. Die „Neon“-Macher haben zudem gezeigt, dass sie qualitativ, hochwertigen und modernen Magazin-Journalismus beherrschen und so wird „Nido“ ganz sicher ein schönes Heft mit tolle Geschichten werden, dem der Erfolg zu wünschen ist.

Trotzdem, will ich mal aus meiner, natürlich rein subjektiven, Sicht formulieren, warum es „Nido“ womöglich trotz der vermuteten Qualität im Markt schwer haben wird.

1. Eltern brauchen keinen auf sie zugeschnittenen Lifestyle-Journalismus.

Junge Eltern haben beide Hände voll damit zu tun mit dem geschätzten Nachwuchs klarzukommen. Wenn Sie Infos brauchen, sind das handfeste Ratschläge wie das Kind einschlafen kann, was tun, wen es brüllt usw. Solche Infos gibt es in der Regel von Freunden, aus der Krabbelgruppe, von Eltern, sonstiger Familie und gezielt aus dem Internet gefischt. Sollte das junge Elternpaar dann tatsächlich mal Muße haben für den Genuss einer Zeitschrift, halte ich es für fraglich, ob man in den wenigen freien Minuten dann auch gleich wieder ein Magazin konsumieren möchte, das sich explizit an „Eltern“ richtet. Ich glaube, sollte der junge Vater oder die junge Mutter mal kurz Zeit zum Zeitschriften lesen haben, gucken die vielleicht lieber in den „Spiegel“, die „InTouch“ oder in die „Neon“. Eben in jene Zeitschrift, die sie schon vor der Geburt des Kindes gelesen haben.

2. Wiederholungen von Erfolgsstories sind heikel

„Neon“ ist unbestreitbar ein großer publizistischer und wahrscheinlich auch wirtschaftlicher Erfolg für Gruner + Jahr. Die Zeitschrift entstand, weil der Süddeutsche Verlag, seinerzeit etwas kurzsichtig, die Jugendbeilage „jetzt“ der „Süddeutschen Zeitung“ eingestampft hat. Die Macher Timm Klotzek und Michael Ebert bohrten die authentische „jetzt“-Ansprache zur Magazin-Idee von „Neon“ auf und trafen damit den Nerv einer neuen Zielgruppe. Bei „Nido“ hat man das Gefühl, dass hier nun mit Gewalt versucht wird, den „Neon“-Erfolg zu wiederholen. Erfolgsgeschichten lassen sich aber nicht am grünen Tisch planen.

3. „Nido“ riecht entfernt nach „Mom“

Erinnert sich noch jemand an „Mom“? Das war ein Entwicklungsprojekt des heutigen „Brigitte“-Chefredakteurs Andreas Lebert für Gruner + Jahr. Lebert wollte mit „Mom“ Ende 2001 eine neue, lifestylige Elternzeitschrift, ok eine Mütter-Zeitschrift machen. Ein Heft für die Mutter, die urban und cool ist und sich nicht alleine über ihre Mutterrolle definiert. Der Versuch ging ziemlich in die Hose. Das Heft wurde in Hessen getestet, kam dann aber nie bundesweit auf den Markt. Davon abgesehen, dass „Nido“ sicher eine ganz andere Themensetzung, Optik und Sprache pflegen wird als „Mom“, so erinnert die Grundidee doch daran. Und die Gründe, warum „Mom“ damals scheiterte, waren im wesentlichen die unter Punkt 1 genannten. Es wird spannend zu sehen, ob sich die Zeiten inzwischen geändert haben.

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