Grosso und Verlage rauchen Friedenspfeife

Der Grosso-Streit ist beigelegt. Zumindest zwischen den Grossisten und den Verlagen Axel Springer, Burda, Klambt, Spiegel Verlag sowie Premium Sales Germany, dem Vertrieb des Jahreszeiten Verlags. So gelten ab 1. März neue Konditionen, die die Umsätze der Zeitschriften stärker berücksichtigen. Außerdem erhält Springer eine Sonderregel für die besonders vertriebsstarke „Bild“-Zeitung. Keine Einigung gibt es nach wie vor mit dem Heinrich Bauer Verlag sowie mit Gruner + Jahr.

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Verleger Heinz Bauer hatte erst jüngst den Grosso-Streit angeheizt, indem er einen Brief an die medienpolitischen Sprecher der Parteien im Bundestag schrieb. Bauer wies in dem Schreiben den Vorwurf zurück, sein Verlag gefährde das etablierte Grosso-System und damit die Pressevielfalt in Deutschland und warf dem Presse-Grosso „verkrustete Strukturen“ vor. Hintergrund ist, dass Bauer zuvor Verträge mit diversen Grossisten gekündigt hat und stattdessen seine eigene Grosso-Tochterfirma Presse-Vertrieb Nord in Stellung bringt. Der Bauer Verlag fühlt sich vom bestehenden Grosso-System besonders benachteiligt, weil Bauer sehr vertriebsstarke Zeitschriften am Markt hat, seine Stellung aber durch den Vormarsch immer neuer Billig-Titel gefährdet sieht. Vom Pressegrosso werden die neuen Billigheimer genauso an Kiosken platziert, wie die Bauer-Zeitschriften.

Auch der Großverlag Gruner + Jahr liegt offenbar noch mit dem Grosso über Kreuz. Olaf Conrad, der Chef der G+J-Vertriebstochter Deutscher Pressevertrieb, erklärte jüngst, dass das bisherige Angebot des Grosso für eine Neureglung mit dem Marktverständnis von Gruner + Jahr nicht zu vereinbaren sei. Bei Gruner argwöhnt man, dass bei der vom Grosso anvisierten Neuregelung der Konditionen vor allem hochauflagige Wochentitel profitieren. Also gerade solche Zeitschriften, wie sie G+J nicht im Programm hat.

Die Grossisten dürfen für sich als Erfolg verbuchen, dass sie mit ihren neuen Konditionen vor allem die Schwergewichte Springer und Burda mit an Bord geholt haben. Auch wenn zwischen Bauer, G+J und den Grossisten nun noch einiges Tauziehen stattfinden wird – nach dieser ersten Einigung muss man sich kein echten Sorgen mehr um das deutsche Grosso-System machen. Kulturstaatsminister Bernd Naumann hat die beteiligten Verleger-Verbände und Grosso-Vertreter für Ende März zu einem klärenden Gespräch geladen. Gut möglich, dass danach auch Bauer und G+J mit dem Grosso die Friedenspfeife rauchen.

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