Döpfner: „Deutsche Blätter sind besser“

Kurz bevor er auf seiner Bilanz-Pressekonferenz Rekordzahlen präsentiert, macht Mathias Döpfner, Vorstandschef bei Axel Springer, sich und seinen Verleger-Kollegen via „Spiegel“-Interview Mut. Viele würden mit ihren apokalyptischen Einschätzungen übertreiben, sagt er. Bei Journalisten diagnostiziert er eine masochistische Ader, die eigene Zunft schlechtzureden. Deutsche Zeitungen seien einfach besser als die in den USA, sagt er. Döpfner: „Ich habe mich noch nie so wohl gefühlt wie jetzt.“

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Der Springer-Boss kann sein strotzendes Selbstbewusstsein mit Zahlen untermauern. Gerade hat er für die Axel Springer AG mitten in der Medien- und Wirtschaftskrise ein Rekordergebnis (EBITDA) von rund 486 Millionen Euro vorgelegt, der Umsatz ist 2008 um knapp sechs Prozent gestiegen und die Dividende mit 4,40 Euro pro Aktie die höchste aller Zeiten. Das freut Springer-Aktionär Döpfner und Mehrheitseignerin Friede Springer auch für ihren persönlichen Geldbeutel. Die „Bild“-Gruppe, so Döpfner weiter, erwirtschafte eine Rendite, „da müsste man rot werden, wenn es das Logo nicht schon wäre.“ Auch die „Welt“-Gruppe habe im vergangenen Jahr ihren Gewinn gesteigert.

Einigen Branchen-Kollegen dürfte die Prahlerei des großen Vorsitzenden aus Berlin auf die Nerven gehen, aber Döpfner hatte offenbar nichts weniger im Sinn als einen Mut-Appell für die Branche. Hört auf zu jammern und macht eure Arbeit, so die Botschaft. Dass der eine oder andere Verleger Zuflucht beim Staat suchen könnte, will Döpfner nicht ausschließen, verurteilt solche Ansinnen aber schon mal im Vorfeld: „Das wäre ein rabenschwarzer Tag für die Pressefreiheit in diesem Land und ein wahrer Tabubruch.“ Bürgerjournalismus? Blogs? „Großartige Bereicherungen“, meint Döpfner, aber mit Journalismus habe das nichts zu tun und für die Werbung sei das auch uninteressant. Thema abgehakt.

Dass die Zeitungskrise hierzulande Ausmaße wie in den USA annimmt, fürchtet er nicht. Die deutschen Blätter seien in Summe besser gemacht, die Verlage nicht auf bloße Rendite fixiert und die Unternehmen hätten sich größtenteils schnell ans Internet angepasst. Döpfner appellierte für mehr Selbstbewusstsein von Verlegern und Journalisten. Für den Springer-Konzern erklärte er, dass er derzeit keine harten Einschnitte plane und in der aktuellen Krise durchaus handlungsfähig sei. „Wir haben kaum Schulden und ein hohes Ergebnis. Das versetzt uns in die Lage, von den niedrigen Unternehmensbewertungen zu profitieren“, so Döpfner, der damit Spekulationen für Zukäufe die Türen weit aufmacht.

Eine Prognose für das laufende Jahr wagt Döpfner allerdings nicht. 2009 sei absolut unberechenbar. Er glaube aber, dass Springer am Ende zu den Gewinnern gehören werde. Am 11. März kann er sich dann erst einmal für die Gewinne der Vergangenheit auf der Bilanz-Pressekonferenz feiern lassen, bevor er am 23. April auf der Hauptversammlung die Huldigungen der Aktionäre entgegennimmt. So schön kann das Leben als Medien-Manager sein. Auch in der Krise.

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