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Das Comeback des Paid Contents

Willkommen zurück im Jahr 2001: Die Medienbranche ist in der Krise und die Manager sind auf der Suche nach Einnahmequellen, um die wegbrechenden Print-Erlöse und viel zu geringen Web-Werbe-Einnahmen zu kompensieren. Mögliche Lösung: Paid Content. Doch wie soll solch ein Bezahlmodell aussehen? Springer-Chef Mathias Döpfner denkt über eine Art Gema für journalistische Inhalte an. Der US-Verlag Hearst plant dagegen ein Freemium-Modell. MEEDIA stellt alle neuen Zahl-Varianten vor.

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Willkommen zurück im Jahr 2001: Die Medienbranche ist in der Krise und die Manager sind auf der Suche nach Einnahmequellen, um die wegbrechenden Print-Erlöse und viel zu geringen Web-Werbe-Einnahmen zu kompensieren. Mögliche Lösung: Paid Content. Doch wie soll solch ein Bezahlmodell aussehen? Springer-Chef Mathias Döpfner denkt über eine Art Gema für journalistische Inhalte an. Der US-Verlag Hearst plant dagegen ein Freemium-Modell, also einen Mix aus gratis und kostenpflichtig.
Seinen Freemium-Plan erklärt Steven Swartz in einer langen Mail an seine Mitarbeiter. Die tagesaktuellen Nachrichten und Breakingnews sollen kostenlos bleiben, für Reportagen, Hintergrundberichte und Analysen will der Zeitungs-Manager jedoch ein Abo-Modell einführen, dass auch für iPhone, Kindle oder andere E-Reader gilt. Die Chefredakteure sollen bei jeder Story neu entscheiden, ob sie im freien Bereich der Webseite oder im Bezahl-Ressort veröffentlicht wird.

Swartz sieht keine Alternative: „Eine unausweichliche Schlussfolgerung unserer Analyse ist, dass unsere Kostenstruktur erheblich von dem heutigen Umsatzpotential unserer Branche abweicht“, schreibt der Chef in der Mail. In den USA kosten Zeitungen mittlerweile einfach mehr, als sie einbringen. Hearst gehört zu den großen US-Medienkonzernen und gibt über 16 Zeitungen, wie die „Houston Chronicle“ oder die „Seattle Post- Intelligencer“ heraus.

Swartz ist sich jedoch im Klaren darüber, dass ein – wie auch immer gestaltetes – Abo-Modell auf Kosten vieler Klicks und Besucher geht. Eine schmerzhafte Erfahrung, die auch Focus Online Anfang des Jahrzehnts machen musste. Bis 2001 waren die Münchner Marktführer unter den deutschen Nachrichten-Seiten, doch dann stellte das Portal auf ein Paid Content-Modell um. Die Folge: Die Besucherzahlen brachen ein und der kostenlose Konkurrent Spiegel Online wurde immer mächtiger, überholte Focus Online und hat mittlerweile einen fast uneinholbaren Vorsprung.

Die Angst in der einheimischen Branche dürfte deshalb auch extrem groß sein, als erster den Schritt hin zu Bezahlinhalten zu machen. Beste Lösung: die wichtigsten Großverlage schließen sich zu einer News-Flatrate zusammen. Für einen übersichtlichen Monats-Beitrag, beispielsweise 9,90 Euro, wären die Inhalte aller Portale von G+J, Spiegel, Springer, Bauer, Madsack & Co. zu lesen. Braking-News und Agenturmaterial würde einer abgespeckten Kostenlosvariante trotzdem auf den Seiten geben. Ein solches Modell funktioniert jedoch nur, wenn wirklich alle wichtigen Angebote mitmachen.

Für ein weiteres Modell tritt Mathias Döpfner ein. Der Springer-Chef sieht die Gefahr, dass sich zu viele Dritt-Anbieter und Suchmaschinen „lau“ an den Inhalten der Verlage bereichern. „Ein gesetzlich zu schaffendes Leistungsschutzrecht muss künftig dafür sorgen, dass die Mehrfachverwertung professionell erstellter Inhalte auch bezahlt wird. Der Copypreis der Zukunft ist das Copyright“, sagt Döpfner dem „Spiegel“. Damit spielt der Verlagsmanager auf die Schaffung einer Art Gema für journalistische Inhalte an. Um das Inhalte-Inkasso soll sich nach Döpfners-Vorstellung am besten der Gesetzgeber kümmern.

Weitere kostenpflichtige Szenarien wär eine Micro Payment-Lösung, bei der für jeden gelesen Artikel ein Cent-Beitrag fällig wird, oder eine Kuturflatrate. In diesem Fall sollen Anbieter von Internetzugängen verpflichten werden, auf die Gebühren, die sie ihren Kunden berechnen, einen Betrag aufzuschlagen, der dann wiederum an die Content-Produzenten verteilt wird.

Als Außenseiter-Ideen gelten Lösungsvorschläge wie ein verstärktes Mäzenatentum für investigativen Journalismus und freiwillige Gebühren, bei denen die Leser ihre Lieblings-Nachrichtenseite mit einer selbstbestimmten Abgabe unterstützen.

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