Zeit Online zieht den Stecker beim Zünder

Zuender, der oft gelobte Jugend-Ableger von Zeit Online, wird aufgelöst. Das bestätigte Zeit-Online-Chef Wofgang Blau gegenüber MEEDIA. Neue Inhalte werden seit Freitag bereits nicht mehr online gestellt. Entlassungen gibt es allerdings nicht, die verantwortlichen Redakteure haben das Haus bereits verlassen und sind in das Online-Wahlkampf-Team der Grünen gewechselt. Zuender-Inhalte sollen künftig bei Zeit Online veröffentlicht werden, auch Kolumnist Markus Kavka soll gehalten werden.

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Zuender hatte vor allem bei Kritikern immer wieder für positive Reaktionen gesorgt, 2007 war die Website u.a. für einen Grimme-Online-Award nominiert. Geld verdient wurde mit dem Angebot aber nicht viel. So wurden die Zuender-Inhalte in der jüngeren Vergangenheit auch nicht gerade ausgebaut. „Gerade weil diese jüngeren Inhalte bisher nur auf einer separaten Plattform mit komplett anderer Navigation veröffentlicht wurden, haben sie selten die Reichweiten erzielt, die sie verdient hätten und waren damit auch nie umsatzstark.“, sagt Zeit-Online-Chef Wolfgang Blau gegenüber MEEDIA.

Für Blau ist das Zuender-Aus aber eher ein Wechsel als eine Einstellung: „So sehr dies in die allgemeine Krisenstimmung der Branche passen würde, kann man hier nicht von einer Schließung sprechen. Niemand verliert dadurch einen Job. Mit vielen freien Autoren des Zuender werden wir auch weiterhin arbeiten. Erwähnenswert ist auch, dass einige Kollegen, die den Zuender im letzten Jahr noch betreut haben, in diesem Jahr Internet-Wahlkampf für die Grünen betreiben und deshalb aus der Redaktion ausgeschieden sind. Eine andere ehemalige Zuender-Kollegin hat im Herbst ein Print-Magazin gegründet.“

Ganz auf Zuender-artige junge Inhalte verzichten will Blau aber nicht, sie sollen stattdessen bei Zeit Online stattfinden. „Der Zuender stammt aus einer Zeit, als die Hauptseite von Zeit Online noch kein so eigenständiges Profil hatte wie heute. Damals benötigten wir eine separate Spielwiese, um ungewöhnlichere Themen und journalistische Herangehensweisen ausprobieren zu können. Inzwischen fragen wir uns aber bei vielen sehr guten Zuender-Geschichten immer öfter, weshalb wir diese eigentlich nicht gleich auf der Hauptseite von Zeit Online veröffentlichen, wo sie viel mehr Leser erreichen können.“, sagt Blau. Auch das Zuender-Aushängeschild Markus Kavka, jahrelang als Kolumnist für die Website tätig, soll gehalten werden. „Ich hoffe, dass wir auch mit Markus Kavka in Zukunft neue Projekte starten können“, so der Zeit-Online-Chef.

Die Meldung des Zuender-Endes kommt ausgerechnet an dem Tag, an dem auch ein anderes junges Holtzbrinck-Netz-Projekt beerdigt wird. Mit der Headline „Zoomer.de – Wir verabschieden uns“ sind am Freitag die letzten Stunden der Nachrichten-Website Zoomer.de angebrochen.

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