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NYTimes.com vs. Newser: Kleinkrieg 2.0

Auch das ist das Internet: Aus einem Nonevent um einen Buchstaben wird eine rechtliche Auseinandersetzung. Passiert ist dies: Newser, der News-Aggregator des renommierten US-Journalisten Michael Wolff, hat - wie durchaus branchenüblich - einen Artikel der "New York Times" unter Verwendung des "T-"Logos verlinkt. Das hatte jedoch überraschenderweise eine Abmahnung der renommierten US-Verlags zur Folge. Wolff wundert sich – und überzieht die "Gray Lady" mit Spott. "Vielleicht die Times ihr Geld für andere Probleme vielleicht sinnvoller einsetzen", fragt sich Wollf.

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Es klingt wie ein schlechter Scherz: Ein Link, ein Logo, ein Teaser – eine Abmahnung. Das ist das Ergebnis eines eigentlich eher harmlosen Artikels namens „Recession may kill pricey death penalties„. Eine Geschichte auf den Nebenschauplatz der Wirtschaftskrise, geschrieben von Ian Urbina, veröffentlicht in der Online-Ausgabe  der „New York Times“ vom 24. Februar.

Eine lesenswerte Geschichte: Das dachte sich auch der renommierte US-Journalist Michael Wolff, der nicht nur im letzten Jahr eine umfassende Biographie über Medientycoon Rupert Murdoch veröffentlicht hat („The man who owns the news„), sondern auch seit Mitte 2007 den News-Aggregator Newser betreibt.

Problemzone Aggregieren: Wo fängt der Content-Klau an?

Newser macht das, was die Erfolgsstory Huffington Post auch tut:  News aggregieren – also: lesenswerte Geschichten aufspüren, sie mit Bild und Headline anreißen, um sie dann zu verlinken. Eine News-Übersicht für alle also.

So weit, so nachvollziehbar. Danach jedoch fängt die Problemzone an. Der nächste Klick landet sowohl bei Newser als auch bei der HuffingtonPost auf der eigenen Seite – und erst dann per Quellenangabe beim originären Anbieter. Bis heute ist nicht wirklich klar, ob diese From des News-Agreggierens juristisch bedenkenfrei ist – oder eine Rechtsverletzung vorliegt.

Ärger um ein „T“: New York Times stört sich an Logo-Verwendung

Für die New York Times war das Maß schon bei Verwendung des Logos überschritten. Ein schlichtes „T“ in gotischer Schrift, das für „Times“ steht, war für die vielleicht „beste Zeitung der Welt“ schon zu viel.  Es folgte noch am selben Abend die Abmahnung seitens der „Times“.

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Für den Alpha-Journalisten Michael Wolff, der als Lautsprecher gerne mal über das Ziel hinausschießt („Niemand mit einem höheren Bildungslevel als der eines Achtklässlers treibt sich auf MySpace herum. Es ist eine Seite für zurückgebliebene Leute“), könnte die Steilvorlage damit größer kaum sein.

„Vielleicht sollte die Times ihr Geld für andere Probleme vielleicht sinnvoller einsetzen“

In seiner jüngsten Medien-Kolumne „Off the grid“ schießt sich Wolff mit gesammelter Munition auf den kriselnden US-Verlagsriesen ein. „The New York Times Is Falling Down, Falling Down…„, lautete das scharfzüngige Pamphlet von vorgestern, in dem es mächtig zur Sache geht.

Auszug: „Es scheint, als wollte die Times nicht, dass wir ihr winzig-kleines „T“ als Logo verwenden, das sie als Quelle identifiziert. Von den Hunderten anderen Medien-Organisationen, die  wir verlinken, sind sie die einzige, die daraus eine Sache machen. Angesichts der finanziell angespannten Lage sollte die Times ihr Geld für andere Probleme vielleicht sinnvoller einsetzen.“

Dennoch gibt Wolff vorläufig nach – wenn auch nicht ohne einen letzten Seitenhieb.  „Ihr Logo könnte mir egaler kaum sein“, gibt sich Wolff nassforsch. „Sehr gerne  ersetze ich das Logo auch mit einem Totenkopf“. Autsch.

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