„Herr Kofler soll sein Geld rausrücken“

Gereizte Stimmung bei der Hauptversammlung von Premiere am Donnerstag. Gegen Abend winkten die Aktionäre zwar die Kapitalerhöhung von 412 Millionen Euro von Großaktionär Rupert Murdoch durch, vorher gab‘s aber dicke Luft. Selbst ein Video-Einspieler von „Kaiser“ Franz Beckenbauer („Die Vereine sind abhängig von dem Geld.“) konnte die Kleinanleger nicht beruhigen. „Herr Kofler soll sein Geld rausrücken“, rief einer. Premiere-Chef Mark Williams wurde aufgefordert, „den Saustall auszumisten.“

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„Herr Beckenbauer versteht von Aktienrecht vermutlich so wenig wie ich von Fußball, nämlich nichts“, schäumte ein anderer Kleinanleger. Hauptversammlungsschreck Matthias Gaebler sagte gar, die Anleger seien betrogen worden.“ Der Ruf nach der Staatsanwaltschaft wurde laut. Grund für den großen Zorn der kleinen Anleger sind die massiv nach unten korrigierten Abozahlen des Senders nach dem Abgang von Vorstandschef Michael Börnicke. Als Murdochs Mann Mark Williams den Chefposten bei Premiere einnahm, wurden die Abozahlen des Senders im Oktober 2008 um fast eine Million auf 2,4 Millionen nach unten korrigiert. Kurz davor hatte Börnicke noch die Fantasy-Prognose von 10 Millionen Abonnenten ausgegeben.

Premiere-Vorstandsmitglied Holger Enßlin stellte auf der Hauptversammlung jedoch klar, dass es deswegen keine rechtlichen Ansprüche gebe. Die Abozahlen seien wegen eines Strategiewechsels gesunken. Bestimmte Arten von Kundenbeziehungen würden seitdem nicht mehr als Abo gezählt, es gebe aber keinen festgelegten Abo-Begriff, der rechtlich verbindlich sei. Die unter Georg Kofler und Michael Börnicke verwendete Zählweise sei somit auch nicht falsch gewesen. Auf Umsatz und Gewinn, bzw. Verlust, habe die Zählweise der Abos ohnehin keinen Einfluss.

Mark Williams, der mit der Aufgabe angetreten ist, den angeschlagenen Sender zu sanieren, stellte auf der Hauptversammlung erstmals öffentlich sein Konzept vor. Mittelfristig will er die Abozahlen nach neuer Zählweise auf 3 bis 3,4 Millionen steigern. Dann könne Premiere profitabel arbeiten. Im zweiten Halbjahr will er deutlich mehr Geld für Marketing ausgeben und außerdem den Service auf Vordermann bringen. Künftig soll zudem ein Premiere-Basispaket das bisherige, verwirrende Abomodell ersetzen. Das Basispaket ist dann obligatorisch und kann um weitere Premium-Angebote, etwa Fußball, aufgestockt werden. Weitergehende Details gab Williams mit dem Verweis auf „Geschäftsgeheimnisse“ nicht bekannt. Auch zur Spekulation, dass Premiere in SkyPremiere umbenannt werden könnte, wollte er sich nicht äußern. Es wurde vom Vorstand aber darauf verwiesen, dass die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernest & Young Ende Dezember 2008 in einem Gutachten bestätigt habe, dass Premiere mit diesem Konzept saniert werden könne.

Die Wut der Aktionäre konnte dies naturgemäß nicht besänftigen. Trotzdem gaben sie grünes Licht für Murdochs Kapitalerhöhung von 412 Millionen Euro. 38 Millionen hatte „Rupe“ bereits im Januar in Premiere investiert. Nun werden auch die Banken weitere 525 Millionen Euro zuschießen und Murdochs Anteil dürfte auf über 50 Prozent steigen. Kaufangebote an die anderen Aktionäre muss der Tycoon nicht machen, davon hat er sich von der deutschen Finanzaufsicht BaFin vorab befreien lassen. Die Premiere Aktie kletterte nach der Hauptversammlung um 1,7 Prozent auf 1,79 Euro. Der Ausgabepreis beim Börsengang lag bei 28 Euro.

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