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Brender verteidigt sich gegen Koch-Kritik

Kaum hat der hessische Ministerpräsident und stellvertretende Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrates, Roland Koch, in der „FAZ“ scharfe Kritik an ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender geübt, da wehrt sich dieser via Interview in der „Süddeutschen". Kochs Kritik an den Quoten der „heute“-Nachrichten mit Verweis auf „Tagesthemen“ und RTL-Nachrichten sei ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, so Brender. Unterdessen entdecken viele Medien eine neue Liebe zum sonst gerne verspotteten ZDF.

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„Tagesthemen“ und das von Koch herangezogene „Auslandsjournal“ haben ihre Sendeplätze und Konzepte verändert, man könne sie darum gar nicht korrekt vergleichen, so Brenders Argumentation. Der ZDF-Chefredakteur verweist zudem darauf, dass die Quoten des „heute-journals“ dauerhaft über denen der ARD-“Tagesthemen“ liegen (siehe auch die MEEDIA-Analyse der ZDF-Nachrichten-Quoten).

Hintergrund des öffentlich via Zeitungsinterviews ausgetragenen Streits ist die Forderung des konservativen Teils des ZDF-Verwaltungsrates, Brenders Vertrag als ZDF-Chefredakteur nicht über 2010 hinaus zu verlängern. Getrieben wird diese Forderung offenbar von Roland Koch. Brender argumentiert in seiner Verteidigung klugerweise weniger mit den Quoten, sondern mit Qualität. „ Das ,heute-journal‘ hat den höchsten Anteil aller Nachrichtenmagazine an Politik-, Wirtschafts- und Kulturthemen. Das gleiche gilt für die ,heute‘-Sendung im Vergleich zu ,RTL aktuell‘“, sagte Brender in der „Süddeutschen“ und nimmt der Koch‘schen Kritik damit einigen Wind aus den Segeln. Auch den Vorwurf Kochs, unter Brender habe sich die Info-Sparte des ZDF nicht kreativ genug gezeigt, kann Brender parieren. Er verweist auf Online-TV-Sendungen bei der Wahl des US-Präsidenten und der Hessen-Wahl. Außerdem sei die ZDF-Mediathek Vorbild für andere TV-Sender, womit er nicht unrecht hat.

Einen weiteren Prominenten Fürsprecher hat Brender in dem ehemaligen WDR-Intendanten und Grand-Seigneur des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, Fritz Pleitgen. Der schreibt in einem Gastbeitrag bei „Sueddeutsche.de“ leicht polemisch: „Wenn es eine Diskussion Brender gibt, muss es nach diesen Erklärungen auch eine Diskussion Koch und seine Rolle im öffentlich-rechtlichen Rundfunk geben.“

Kochs Hinweis, dass Personal-Entscheidungen auf Führungsebene zu den Aufgaben des Verwaltungsrats gehören, wird indes nicht von Brender oder Pleitgen, sondern ausgerechnet von „Spiegel Online“ entkräftet. „SpOn“-Autor Christian Stöcker weist darauf hin, dass der Verwaltungsrat lediglich über die Position des Intendanten zu bestimmen hat. In Paragraf 27 des ZDF-Staatsvertrages heißt es, dass der Intendant den Verwaltungsdirektor, den Programmdirektor und den Chefredakteur beruft. Allerdings „im Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat“.

ZDF-Intendant Markus Schächter hat sich bereits öffentlich für eine Vertragsverlängerung für Brender ausgesprochen. So ziemlich alle Argumente wurden öffentlich ausgetauscht und viele Medien, die sich sonst gerne auch mal über den „Kukident“-Kanal ZDF lustig machen, haben in der Solidarität mit dem bedrängten Kollegen Brender ihre Liebe zu den Mainzelmännchen entdeckt. Am 27. März soll auf einer Sitzung des Verwaltungsrats eine Entscheidung fallen. Kaum vorstellbar, dass der ZDF-Verwaltungsrat trotz CDU/CSU-Mehrheit einer Verlängerung für Brender nicht zustimmt. ZDF-Intendant Schächter, der Verwaltungsrat, Brender und sein Nachfolger – sie ständen allesamt blamiert da.

Roland Koch hat Recht, wenn er sagt, man muss über Probleme beim ZDF diskutieren dürfen. Das wird nun intensiv getan. Mit seinem Interview in der „FAZ“ hat Koch dafür gesorgt, dass Nikolaus Brender wohl noch einige Zeit ZDF-Chefredakteur bleibt. Auch wenn diese Schützen-Hilfe ganz und gar unfreiwillig war.

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