News Corp: Murdochs Nummer zwei geht

Es ist die Überraschung des Tages: Peter Chernin, bislang News Corp.–COO, verlässt nach zwanzig Jahren das Unternehmen. Offenbar konnten sich Chernin und Murdoch nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen. Chernin galt als rechte Hand des Medientycoons, der nun vorerst selbst Chernins Aufgaben übernehmen wird. Ob Murdochs Sohn James schon bereit für die Nachfolge ist, wird von Experten indes bezweifelt. Murdoch jr. verantwortet derzeit die Geschäfte in Europa und Asien.

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Der Zeitpunkt hätte nicht schlechter gewählt sein können: Die jüngst vermeldeten Quartalszahlen fielen noch schlechter aus als erwartet.  Die News Corp.-Aktie befindet sich auf einem 17-Jahrestief. Und nun noch das: Peter Chernin, seit 20 Jahren im Unternehmen und seit 12 Jahren Vize, verlässt das Medienkonglomerat überraschend zum 30. Juni dieses Jahres.

Der Vizechef, der im letzten Jahr 28,8 Millionen US-Dollar  – und damit sogar mehr als Murdoch selbst – verdiente, galt lange Zeit als aussichtsreichster Kandidat auf die Nachfolge des Medientycoons, zumal er als COO das Tagesgeschäft mitverantwortete. Inhaltlich war Chernin in erster Linie für den Erfolg der Filmproduktionssparte Fox verantwortlich, der er als CEO vorstand.  

Zweite Karriere: Chernin wird Filme produzieren, News Corp. sie abbnehmen

In dieser Richtung wird sich Chernin nun auch orientieren: Der 57-Jährige verlässt das Unternehmen mit einer beachtlichen Abfindung – nämlich einer sechsjährigen Film- und Fernseh-Kooperation. Das Abkommen verpflichtet News Corp, mindestens zwei Filme pro Jahr von Chernin anzunehmen, der nun neue Herausforderungen in Hollywood sucht.



„Peter ist ein geschätzter Kollege und ein zuverlässiger Freund“, erklärte Murdoch in der begleitenden Mitteilung zu Chernins Abgang. „Ich werde ihn vermissen.“

Folgt Murdochs Sohn James auf seinen Vater?

Dennoch wirft Chernins Abgang viele Fragen auf: Ist Murdochs Sohn James mit 36 Jahren bereits reif für die Leitung eines Milliarden-Imperiums? Und was wird aus der ebenfalls von Chernin verantworteten Internet-Sparte Fox Interactive Media (FIM), zu der auch MySpace gehört?

Und vor allem: Warum erfolgt der Abgang ausgerechnet jetzt, da News Corp. wie viele Medienunternehmen schwer unter der Werbeflaute leidet – und warum: so spät? Fest steht: Ein von langer Hand geplanter Abschied – geschweige denn: eine glückliche Nachfolgeregelung – sieht anders aus.

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