„NY Post“: rassistische Obama-Karikatur

In den USA erregt eine Karikatur der „New York Post“ die Gemüter. Gezeigt wird ein toter Affe, augenscheinlich erschossen von einem Polizisten. Dazu der Spruch „Jetzt müssen sie sich jemand anderen suchen, der das nächste Konjunkturpaket entwirft.“ Ist das lustig? Nein, sagen viele US-Journalisten, Bürgerrechtler und Politiker. Sie werfen dem Murdoch-Blatt vor, Obama, der das Konjunkturpaket gerade in Kraft gesetzt hat, mit einem tollwütigen Schimpansen zu vergleichen – der gerade erschossen wurde.

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Die Liste der Beleidigungen, die Obama sich im Laufe seiner politischen Karriere anhören musste, ist lang. Ihn aber mit einem Affen zu vergleichen, das hat bisher noch niemand gewagt. Denn diese Art der Verhöhnung – das Gleichstellen afroamerikanischer Bürger mit Affen – hat eine lange und bittere Tradition in den USA. Eine Tradition, die mit der Wahl des ersten afroamerikanischen Präsidenten eigentlich zu Ende sein sollte. So titelte etwa die „New York Times“ am Tag nach der Obama-Wahl: „Racial barrier falls in decisive victory.“ So ganz scheinen diese Grenzen doch noch nicht überwunden zu sein.

Die „NY Post“, die zu Rupert Murdochs Medien-Imperium gehört, hatte in den Vorwahlen Obama zwar einer Präsidentin Hillary Clinton vorgezogen, am Ende aber doch eine Wahl-Empfehlung für John McCain ausgegeben. Während des Wahlkampfes hatte sie einmal Barack Obama als Barack „Osama“ bezeichnet, entschuldigte sich aber sofort für den Lapsus und ordnete ihn als Druckfehler ein.

Doch die Karikatur in der Ausgabe vom 18. Februar ist kein Druckfehler. Sam Stein, Reporter der Huffington Post, schreib dazu: „Wenn man den Cartoon freundlich interpretieren will, legt er nahe, dass das Konjunkturpaket so schlecht ist, dass es genauso gut ein Affe hätte entworfen haben können. Andere Interpretationen legen nahe, die Karikatur vergleiche den Präsidenten mit einem tollwütigen Schimpansen.“

Noch unangenehmer wirkt die Zeichnung, wenn man sich die Ausgabe der „NY Post“ im Gesamten anschaut: Auf Seite 11 findet sich ein großformatiges Foto von Obama, wie er gerade das Gesetz zum In-Kraft-Treten des Konjunkturpakets unterschreibt. Auf Seite 12 dann die Karikatur des Schimpansen. Geschmacklos – und gleichzeitig so prominent in Szene gesetzt, dass sich der Verdacht aufdrängt, Chefredakteur Col Allan und sein Karikaturist Sean Delonas hätten den Skandal eiskalt kalkuliert.

Delonas, langjähriger Karikaturist bei der „New York Post“, hat schon oft derbe Späße mit seinen Zeichnungen getrieben. Vom Internetmagazin Gawker wurde er einst als der „Picasso des Vorurteils“ bezeichnet. Doch im aktuellen Fall sehen sich weder Delonas noch die Führungsriege der „New York Post“ in der Schuld. Die Karikatur beziehe sich erstens auf einen Vorfall vom Montag: In Conneticut hatte ein Schimpanse eine Frau mit Bissen ins Gesicht schwer verletzt; das wildgewordene Tier wurde daraufhin von Polizisten erschossen. Zweitens verweise die Karikatur höchstens auf die gesamte demokratische Riege in Washington. Schließlich habe Obama ja nicht alleine das Konjunkturpaket entworfen. Die Karikatur mache sich „über die allgemeinen Anstrengungen Washingtons, die Wirtschaft wieder anzukurbeln, lustig.“

Trotz vehementer Forderungen hat sich die „NY Post“ bisher nicht für die Veröffentlichung der Karikatur entschuldigt. Noch nicht einmal von der Homepage der Zeitung wurde sie zwischenzeitlich entfernt. Aufgebrachte Leser und große Teile der „NYPost“-Belegschaft, die sich über den Vorfall bestürzt zeigten, warten auf eine angemessene Reaktion von Chefredakteur Allan. Das kindische „war doch alles gar nicht so gemeint“ kann sich die Zeitung nicht länger leisten.

Vielleicht ist es ja kein Zufall, dass an Tag eins nach dem Sündenfall der Online-Aufmacher der „NY Post“ wiederum eine Affen-Geschichte war, die allerdings weniger krawallig rüberkam: „The happy couple: bizarre love of gal and ape“: die Geschichte von Schimpansen-Freundin Sandra Herold. Ihr gehörte der erschossene Affe von Conneticut.

UPDATE: Am Mittwochabend entschuldigte sich die „NY Post“ in einem offiziellen Statement bei allen „die die Karikatur als Ärgernis empfanden“. Der Cartoon sei nicht rassistisch gemeint gewesen. Dann legte das Blatt nach: „Dennoch gibt es Leute aus der Medienbranche und dem öffentlichen Leben, die in der Vergangenheit schön öfters Auseinandersetzungen mit der „NY Post“ hatten – und die den Vorfall nun als Vorwand nehmen, um es uns zurückzuzahlen. Diesen Kritikern sind wir keine Entschuldigung schuldig.“

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