WAZ-Kahlschlag: 300 Stellen fallen weg

Die WAZ macht Ernst: 300 Stellen werden nach Angaben des Konzerns bei den Zeitungen eingespart, externe Quellen sprechen sogar von 330. Dabei drohen auch betriebsbedingte Kündigungen, denn bislang haben weitaus weniger Mitarbeiter Aufhebungsangeboten oder vorgezogenen Alterteilzeitregelungen zugestimmt. Bildredakteure sollen künftig als Freiberufler für die WAZ-Titel arbeiten. Dutzende von Lokalredaktionen werden geschlossen. Einziger Lichtblick: das News-Portal DerWesten stellt 20 Onliner ein.

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Mit dem historischen Sanierungsprogramm will die WAZ-Gruppe 32 Millionen Euro einsparen und die zuletzt defizitären Blätter „Westfälische Rundschau“, „NRZ“ und „Westfalenpost“ wieder in die Gewinnzone bringen. Nach Darstellung von Geschäftsführer Bodo Hombach werde der Konzern durch die drastischen Maßnahmen „gestärkt aus der Krise hervorgehen.“

Ab Mai soll eine Zentralredaktion den Mantelteil der Zeitungen beliefern. Dann wird zudem in den Städten, die bislang mehrere WAZ-Lokalressorts haben, nur noch eine Lokalredaktion übrig bleiben. Kritiker sehen darin einen Angriff auf die Pressevielfalt in der Region. Alle Bildredakteure und Fotografen, die bislang Redakteursverträge haben, sollen als Freiberufler zu wohl reduzierten Bezügen tätig werden. Diese Maßnahme betrifft offenbar 55 Stellen, die in der bisherigen Statistik nicht auftauchten.
Am Content-Desk arbeiten nach Darstellung des Verlags künftig 83 Redakteure – die größte Mantelredaktion einer Regionalzeitung in Deutschland. Die Hagener WP, die nicht an den Content-Desk angebunden ist, wird soll das „Konzept einer Heimatzeitung“ umsetzen. Nachdem es zunächst hieß, 200 Mitarbeiter hätten Vorruhestandsregelungen oder Abfindungsangeboten zugestimmt, ist in einer am Mittwoch verbreiteten Erklärung lediglich davon die Rede, dass diese Zahl von Angestellten Angebote für gütliche Einigungen erhalten hätten. Es zeichnet sich ab, dass der Verlag um „harte“ Kündigungen wohl nicht herumkommen wird.

Mit der Verlagsmitteilung sind nach monatelangen Spekulationen nun Fakten geschaffen. Die Hamburger Medienberatungsagentur Schickler hatte dem Konzern Ende vergangenen Jahres empfohlen, 269 Stellen abzubauen und die vier Zeitungen unter Führung der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ am Standort Essen bei überregionalen Themen eng zu verzahnen. Mit der am Dienstagabend veröffentlichten Erklärung geht die Geschäftsführung noch über die Agenturempfehlung hinaus.

Nach Angaben des zweiten WAZ-Geschäftsführers Christian Nienhaus werde aber weiter versucht, den Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen zu erreichen. Zu diesem Thema verhandeln die Manager seit Wochen intensiv mit dem Betriebsrat. Ausgebaut werden soll das Online-Portal DerWesten, das 20 zusätzliche Stellen erhält und damit die Zahl der Redakteure verdoppelt. Im gleichen Zug soll das Prinzip „Online First“ konsequent verfolgt werden.

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