„Musikexpress“ wird jünger und trendiger

Der „Musikexpress“ hat sich einen neuen Look verpasst: Modifizierte Illustrationen, ein anderer Schrifttyp und mehr Lifestyle-Themen sollen Springers Musiktitel einen Schub am Kiosk geben. Der Verlag hat dafür eigens den Münchner Zeitschriftendesigner Tom Ising („Jetzt Magazin“, „Der Freund“) und den neuen Art Direktor Michael Gollong mit an Bord geholt. Gelungener Relaunch oder Copycat? MEEDIA hat die erste Ausgabe durchgeblättert.

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Der „Musikexpress“ ist jetzt endlich in der Gegenwart angekommen. Axel Springers immer leicht bieder wirkender Musiktitel befindet sich nach dem Redesign zumindest optisch auf Augenhöhe mit den Konkurrenten „Spex“, „Intro“ und „Visions“. Chefredakteur Christian Stolberg erklärt: „Der neue Look soll den Auftritt des „Musikexpress“ künftig auch am Kiosk noch wirksamer gestalten.“

Das hat das Magazin auch dringend nötig. Während die Abozahlen bei rund 8.000 Exemplaren relativ stabil blieben, sanken die Kioskverkäufe in den letzten fünf Jahren um gut 48 Prozent. Derzeit gehen durchschnittlich nur noch 17.500 Hefte über die Ladentheke, insgesamt werden ca. 50.000 Exemplare pro Ausgabe abgesetzt.

Auf den ersten Blick wirkt das neue Heft wesentlich stylischer als das alte. Schon das Cover zeigt an, in welche Richtung das Layout entwickelt wurde: eine puristische Farbgebung und ein neuer Schrifttyp verleihen dem Magazin einen edlen Look. Und der Punkt hinter dem Titel zeugt von Selbstbewusstsein. Als wolle man sagen: Musikexpress. Basta.

Die neuen Schriftarten auf dem Cover, besonders aber im Heftinneren wirken stimmig, erinnern allerdings stark an das Stadtmagazin „New Yorker“. Für eine schöne Dynamik sorgt das Verhältnis zwischen großen Weißflächen und relativ eng beschriebenen Spalten, Kurzsichtige werden bei der kleinen Schrift allerdings ihre Schwierigkeiten bekommen. Mit dem neuen Layout hebt sich der „Musikexpress“ jetzt nicht mehr wesentlich von anderen Titeln ab, dieser Umstand kann jedoch bei der bislang altbackenen Aufmachung als Fortschritt gewertet werden.

Doch nicht nur das äußere Erscheinungsbild wurde runderneuert, auch inhaltlich will sich der „Musikexpress“ scheinbar verjüngen. Nicht anders zu erklären ist ein neu beigelegtes Poster (in dieser Ausgabe: Mando Diao / Peter Fox) und die neue Rubrik „Hausbesuch“, die in Kooperation mit dem amerikanischem Magazin „Spin“ entsteht. Jeweils ein Popstar lässt sich in seinem Allerheiligsten fotografieren und erklärt dem Leser, was es mit seinen Schätzen auf sich hat. Fehlt eigentlich nur noch Dr. Sommer.

In dieser Denkweise ist es auch nur konsequent, verstärkt auf Lifestyle-Themen zu setzen. So gibt es im ersten Heftteil ab sofort mehr mode- und szeneaffine Texte. Die Artikel über die Kultmarke Chucks und die Kooperation zwischen Kanye West und Louis Vuitton wirken aber zwischen den sonst gut geschriebenen Musikreportagen etwas deplaziert. Auch die Modestrecke, in der Musiker ihre Sonnenbrillen präsentieren, ist im Grunde völlig überflüssig. Am besten ist und bleibt der „Musikexpress“ eben in seinen Kernbereichen. Spannende Musikreportagen, gute Plattenkritiken und gelungene Interviews. Eine optische Verschönerung hätte da vollkommen ausgereicht.

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