Condé Nast stellt deutsche „Vanity Fair“ ein

Allen Dementis der jüngeren Vergangenheit zum Trotz hat Condé Nast am Mittwoch den Stecker gezogen: Die wöchentliche "Vanity Fair" wird nach Mitteilung des Verlags eingestellt. Das ambitionierte Magazin hatte auf dem deutschen Markt nie Fahrt aufgenommen und dem Verlag hohe Verluste beschert. Erst kürzlich hatte der inzwischen ausgeschiedene Europa-Chef Bernd Runge bilanziert, dass der Verlag für ein solches Großprojekt "noch nicht reif" gewesen sei. Was aus der Berliner Redaktion wird, ist unklar.

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Erst vor kurzem hatte Verleger Jonathan Newhouse eine Einstellung des Titels kategorisch ausgeschlossen und bei Besuchen in Berlin und München seine Solidarität mit der Redaktion bekundet. Gleichzeitig musste der Konzernerbe aber auch den Abgang von Chefredakteur Nikolaus Albrecht verkünden, der im Laufe des Jahres nach als Autor nach New York wechseln wird.
Albrecht kann seine Tätigkeit nun früher als geplant antreten. Der ehemalige „Glamour“-Chefredakteur hatte das Blatt vom glücklosen Gründungs-Chef Ulf Poschardt übernommen, der vor einem Jahr abgelöst wurde. „Vanity Fair“ wurde bei den Verkaufszahlen nie zur wirklichen Konkurrenz für wöchentliche Titel wie „stern“, „Bunte“ oder „Gala“. Zuletzt wurden im Einzelverkauf 75.828 Hefte pro Ausgabe verkauft – das war im Vergleich zum Vorjahresquartal IV/2007 sogar ein Minus von rund 16%. Abonnenten hatte das Magazin bei der letzten IVW-Messung 38.291, zusammen lag die harte Auflage aus Abos und Einzelverkauf also bei 114.119 – zu wenig für ein solch ambitioniertes Wochenmagazin.
Um 11.30 Uhr verbreitete der Verlag eine Erklärung von Jonathan Newhouse, unüblicherweise auf Englisch: „It is my sad duty to announce that Vanity Fair Germany will close after the current issue. It is a shock when an excellent magazine is closed and particularly so in the case of Vanity Fair Germany. Only eleven weeks ago I publicly vowed that Condé Nast would continue to publish Vanity Fair in spite of difficulties. But the world is changing rapidly and in ways for which no one can be truly prepared. The global economy has been plunged into a crisis of historic proportions. Media owners, such as the US based parent organisation of Condé Nast Germany, today face very serious business challenges – difficulties which could not have been foreseen even a short time ago. In a normal economic climate, we would have bravely carried on publishing Vanity Fair. In today’s bleak economic climate, it is impossible.“
Newhouse lobte die Redaktion für ihre Arbeit: „Vanity Fair Germany was an outstanding publication which made an important journalistic contribution, and the journalists and professionals who produced it can take pride in what they created. In business, as in life, there are victories and there are defeats. We did our best.“
Dass seine Statements noch vor wenigen Wochen ganz anders geklungen haben, dürfte nun zum Problem für Newhouse werden. Denn die Auswirkungen der Medien- und Anzeigenkrise für die wöchentlichen Magazine waren im Dezember und Januar bereits absehbar.

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