„ScienceBlogs steht für Qualitätsinternet“

Vor zwölf Monaten starte Burda seinen Deutschland-Ableger der US-Plattform ScienceBlogs. Das Netzwerk fasst die Inhalte von 36 Einzelblogs so zusammen, dass ein hochwertiges Wissenschaftsmagazin entsteht. Im MEEDIA-Interview zieht Burda-Geschäftsführer Marcel Reichart eine erste Bilanz: „ScienceBlogs ist ein Beispiel für Qualitätsinternet. Es geht nicht um die Masse, sondern die Qualität der Kontakte mit den Möglichkeiten des Internets aktuell, interaktiv, multimedial.“

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Ein Jahr Scienceblogs. Wie fällt das erste Fazit aus?
Das Fazit ist positiv. Wobei uns drei Dinge erst einmal besonders interessiert haben.
Welche waren das?
Erstens: Seit zweieinhalb Jahren gibt es bereits das US-Angebot. Wir waren wirklich gespannt, ob es auch in Deutschland funktionieren würde. Kann man ein solches Network-Konzept auch in andere Länder und Gesellschaften bringen? Zweitens: Nimmt die neue Zielgruppe der ‚„Leonardos“‘ ein solches Angebot des Qualitätsinternets überhaupt an? Und drittens: Funktioniert dieser Versuch des verteilten Publishings? Bei uns schreiben 36 Autoren, die selbstständig publizieren und von einem kleinen Team koordiniert werden. Das ist schon ein ganz besonderes Experiment.
Haben diese drei Aspekte denn funktioniert?
Ein klares Ja. Wir haben jetzt rund 100.000 Unique Visitors im Monat. Scienceblogs.de wächst ohne Werbung und ohne gekauften Traffic– langsam, aber stetig um rund 10 Prozent pro Monat. Auch wenn wir das mit anderen Netzwerken vergleichen, können wir zufrieden sein.
Der Kern der Scienceblogs ist weniger ein einzelnes Blog, als ein Netzwerk-Modell, dass die Inhalte vieler Blogs magazinartig zusammenfasst.
Das ist richtig. Wir verfolgen tatsächlich ein Network-Model. So haben wir 36 Autoren, deren Inhalte auch über andere Plattformen erreichbar sind.
Welche Plattformen sind das?
Neben Scienceblogs werden die Inhalte auch bei anderen Portalen wie Focus Online, Sueddeutsche.de oder Welt Online per Widgets eingebunden. So gelingt uns der Schritt vom Publisher zum Distributor. Es entstehen höchst interessante Netzwerkeffekte. Zum Teil gelingt es dadurch, die Reichweite um einen Faktor zwischen fünf und acht zu steigern. Ich glaube, so kann man eine reine Netz-Marke – ohne große Marketing-Aktivitäten entwickeln.
Lässt sich mit dieser Reichweite und solch einer reinen Netz-Marke denn überhaupt Geld verdienen?
Ja, das beweist Scienceblogs bereits, auch wenn die Marke noch jung ist. Zudem sind die Kostenstrukturen schlank, und Partner erkennen zunehmend das Potenzial von Qualitätszielgruppen im Internet.
Wie bezahlen sie die Autoren?
Nach einem Revenue-Share-Model. Sie werden an den Einnahmen der Seite beteiligt. Die meisten Autoren sind allerdings ‚Überzeugungstäter’“, die wissenschaftliche Themen in einem innovativen Kontext behandeln wollen. Dabei ist das Leser-Wachstum ein langer, stetiger Prozess. Am Anfang kamen auf jeden neuen Eintrag 0,5 Kommentare. Für das erste Jahr haben wir schon einen Schnitt von eins zu fünf, wobei wir in den letzten zwei Monaten schon einen Schnitt von eins zu fünfzehn erreichten.
Welche Themen interessieren die Leser am meisten?
Naturwissenschaften, Nachhaltigkeit, neue Medizin und Wissenschaftspolitik. Wobei gerade der politische Aspekt von Forschung hierzulande – im Gegensatz zu den USA – noch ein Randthema ist. Gerade in diesem Gebiet ist die US-Plattform schon journalistischer Agendasetter und kooperiert zB. mit der New York Times.
Gilt nicht generell, dass bei den Scienceblogs aus der Summe der einzelnen Blogbeiträge so etwas wie ein populäres Wissenschafts-Magazin entsteht?
Genau, das war das Ziel. ScienceBlogs ist ein Beispiel für Qualitätsinternet. Es geht nicht um die Masse, sondern die Qualität der Kontakte mit den Möglichkeiten des Internets aktuell, interaktiv, multimedial.
Sind die Scienceblogs dann so etwas wie eine deutsche Huffington Post für Wissenschaftsthemen?
Das ist ein schöner Vergleich. Bei der Huffington Post ist noch mehr die Marke der Star. Bei uns sind es die Autoren.

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