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Gratis-Sites bedrängen Porno-Industrie

Eigentlich sollte man denken, in wirtschaftlich unsicheren Zeiten müsste doch wenigstens das Porno-Geschäft prima laufen. Aber weit gefehlt. Im vergangenen Jahr verzeichnet die Branche ein Minus von 22 Prozent. Vor allem der DVD-Verkauf brach ein. Grund: Kostenlose YouTube-Klone für Hardcore-Clips wie YouPorn und Redtube bedrohen das Geschäftsmodell der Sex-Industrie. Jetzt fordert Larry Flint sogar einen staatlichen Schutzschirm, wie für die amerikanischen Banken und Autobauer.

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Eigentlich sollte man denken, in wirtschaftlich unsicheren Zeiten müsste doch wenigstens das Porno-Geschäft prima laufen. Aber weit gefehlt. Im vergangenen Jahr verzeichnet die Branche ein Minus von 22 Prozent. Vor allem der DVD-Verkauf brach ein. Grund: Kostenlose YouTube-Klone für Hardcore-Clips wie „YouPorn“ und „Redtube“ bedrohen das Geschäftsmodell der Sex-Industrie. Jetzt fordert Larry Flint sogar einen staatlichen Schutzschirm, wie für die amerikanischen Banken und Autobauer.
Letzte Woche fand in Woodland Hills, einem Vorort von Los Angeles die XBiz 2009 statt, die „Adult Entertainment Industry’s Trade Conference“. Dort diskutierten Vertreter der Sex-Branche drei Tage lang über „The State of the Industry“. Dabei hat Altmeister Larry Flint, Herausgeber vom „Hustler“-Magazin – mal wieder – gefordert, Pornographie brauche ein 5 Milliarden Dollar „Bailout“-Programm. Also eine Staatshilfe wie die amerikanischen Banken und Autobauer. 

Nach den jüngsten Zahlen hat die Porno-Branche 2008 einen 22% Umsatz-Rückgang verzeichnen müssen. Vor allem der DVD-Verkauf ist eingebrochen. Als Hauptgrund gelten die vielen kostenlosen Online-Plattformen, die sich in den letzten 2 Jahren nach dem Muster von „YouTube“ etabliert haben. Sie heißen „YouPorn“, „Redtube“, „Xtube“,„Pornotube“ oder auch „PornHub“.  

Hier lädt der User Ausschnitte aus Pornofilmen hoch, die er illegal aus dem Netz kopiert oder nicht minder illegal von einer DVD überspielt. Über 70% der Ausschnitte bei YouPorn dürften Raubkopien sein. Sehr beliebt sind auch „home made-Videos“, die Amateur-Pornographen mit einer Digitalkamera aufgezeichnet haben. „Die Illusion, dass hier echte Menschen im Internet ihre Freundinnen oder Exfreundinnen vorführen, kann ein professioneller Porno nie bieten. Das ist ein Kick ohnegleichen“, erklärt ein Insider der Neue Züricher Zeitung. Dass manche Amateure in Wirklichkeit Professionelle sind, dürfte die Millionen Internet-User weltweit kaum stören. Hauptsache, für diesen „user generated content“ müssen sie keinen Cent zahlen. 
Der Branchendienst The Wrap zitiert einen Porn-Unternehmer: “The people stealing this stuff should be brought out to the back room and shot,” he said. “I mean, who wouldn’t want to watch free porn? I don’t think people are that picky about their masturbation habits. So every year that goes by now, there are new people – especially younger people – watching adult content who think that porn is free. And it’s not good.”  
Wie popular diese Sites sind, für die man keinerlei Altersnachweis benötigt, kann man bei Alexa sehen. Pornhub steht bei den beliebtesten Sites der USA auf Platz 29, RedTube auf Platz 44, YouPorn auf Platz 45. Zum Vergleich: die Website der New York Times landet auf Platz 25, die der Washington Post auf Platz 69 und das Wall Street Journal gar nur auf Platz 99. Und ein Blick zur Alexa-Konkurrenz Compete bestätigt, dass alle drei Sex-Sites über die letzten Monate kräftig an Traffic gewonnen haben. 

Interessant ist, dass bisher noch kein Journalist herausbekommen hat, wer eigentlich hinter YouPorn steht. Das US-Wirtschaftsmagazin “Portfolio berichtete im November 2007 über dubiose Hintermänner aus Malaysia und Deutschland. 

Dabei entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass die Betreiber von YouPorn & Co kaum Geld verdienen dürften. Sie leiden nämlich unter den enormen Bandbreiten-Kosten, die laut Insidern kaum von den Werbeerlösen gedeckt werden. Viele Sites bemühen sich deshalb darum, auf ein Pay-Modell umzuschwenken und bieten “Premium”-Service an. Bisher allerdings nur mit geringem Erfolg. 

Also nicht nur für Zeitungs-Webseiten, auch für Pornosites scheint zu gelten: kostenlos ist auf Dauer kein Geschäftsmodell. 

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