Anzeige

Drei deutsche Zeitungs-Aufsteiger

Eine Reihe von Groß-Deals hat die Machtverhältnisse auf der Zeitungslandkarte der Republik verschoben. Drei Verlage haben sich in der Bundesliga der Zeitungsverlage ganz nach oben gespielt: die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH) mit dem Kauf des Süddeutschen Verlags, DuMont mit dem Erwerb von „Berliner Zeitung“, „Hamburger Morgenpost“ und Co. und die Verlagsgruppe Madsack mit dem Kauf von Springers Regionalbeteiligungen. MEEDIA analysiert die Verschiebungen in der Zeitungs-Landkarte Deutschlands.

Anzeige

SWMH:

Die Südwestdeutsche Medienholding war lange Zeit ein stiller Riese in der deutschen Zeitungslandschaft. Spätestens seit dem Einstieg beim Süddeutschen Verlag („Süddeutsche Zeitung“) im Jahre 2002 ist das baden-württembergisch-rheinland-pfälzische Konglomerat aber auf dem Radar der professionellen Medienbeobachter aufgetaucht. Die Mehrheitsübernahme beim SV Ende 2007 besiegelte den Aufstieg der SWMH zum größten deutschen Regionalzeitungsverlag mit einem Marktanteil von 8,5 Prozent. Denn: Zum Süddeutschen Verlag gehört nicht nur die große „Süddeutsche Zeitung“, sondern auch die Zeitungsgruppe Hof/Coburg/Suhl mit Zeitungen wie „Frankenpost“, „Freies Wort“, „Neue Presse“, „Südthüringer Zeitung“ und „Meininger Tageblatt“. Im Jahr 2007 hat die SWMH bereits den „Schwarzwälder Boten“ und die „Lahrer Zeitung“ hinzugekauft. Über ihre Gesellschafter Medien-Union, Ludwigshafen, und die Gruppe Württembergischer Verleger (GWV) erstreckt sich das weitverzweigte Reich der SWMH über die „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“, die „Rheinpfalz“, die „Südwest-Presse“ bis hin zur „Märkischen Oderzeitung“ und zur „Freien Presse“ in Chemnitz. Durch die Mehrheitsübernahme am Süddeutschen Verlag schob sich die SWMH mit einer Gesamtauflage von 1,75 Mio. Exemplaren an dem langjährigen Regional-Primus WAZ-Gruppe vorbei, die nunmehr auf 1,24 Mio. Exemplare kommt.

M.DuMont Schauberg:

Platz zwei im Ranking der größten Abo-Zeitungsverlage nimmt mittlerweile der Kölner Traditionsverlag M. DuMont Schauberg ein. Lange Zeit waren die Kölner publizistisch dem Rheinland verhaftet. Mal abgesehen von der „Mitteldeutschen Zeitung“, die sich der Verlag 1990, kurz nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten einverleibte. Im Juli 2006 dann nutzte Verleger Alfred Neven DuMont die Schwäche der „Frankfurter Rundschau“ und kaufte der SPD-Medienholding DDVG die Mehrheit an dem leidenden Blatt ab. Zum Jahresbeginn 2009 schließlich kaufte DuMont für rund 152 Mio. Euro die deutschen Zeitungen des in Finanz-Nöte geratenen angelsächsischen Finanzinvestord David Montgomery, die „Berliner Zeitung“, den „Berliner Kurier“ und die „Hamburger Morgenpost“. Damit ist DuMont mit einer Gesamt-Auflage von 1,27 Mio. Exemplaren auf einen Schlag der zweitgrößte Regionalzeitungs-Verlag in Deutschland nach der SWMH und verdrängt die WAZ-Gruppe mit 1,24 Mio. Auflage auf Platz 3.

Verlagsgesellschaft Madsack:

Dritter Aufsteiger in Zeitungs-Deutschland ist die in Hannover beheimatete Verlagsgesellschaft Madsack. Mit dem Kauf der Regionalzeitungs-Beteiligungen der Axel Springer AG katapultiert sich Madsack in die Top 5 der Zeitungsverlage, Springer mit der „Bild“-Gruppe eingerechnet. Die Gesamtauflage der Madsack-Titel summiert sich nach dem Deal auf deutlich über eine Million Exemplare. Damit wäre die Gruppe nach der WAZ der viertgrößte Abo-Zeitungsverlag in Deutschland und platziert sich vor Branchengrößen wie Ippen („Münchner Merkur“, „tz“) und Holtzbrinck („Saarbrücker Zeitung“, „Lausitzer Rundschau“). Für rund 310 Mio. Euro hat Madsack der Axel Springer AG deren Beteiligungen an Regionalblättern in Nord- und Ostdeutschland abgekauft. Dazu gehören die „Kieler Nachrichten“ (24,5 Prozent), die „Lübecker Nachrichten“ (49 Prozent),, die „Leipziger Volkszeitung“ (50 Prozent) und 23 Prozent an der Holding Hanseatische Verlags-Beteiligung. Außerdem gingen noch 50 Prozent an der „Ostsee Zeitung“ von Springer an die „Lübecker Nachrichten“. Die anderen 50 Prozent der „Ostsee Zeitung“ gehörten ohnehin schon Madsack. „Ostsee Zeitung“, „Leipziger Volkszeitung“ und „Dresdner Neueste Nachrichten“ gehören nach dem Deal komplett zu Madsack.

Bei Springer freut man sich. Die Regionalzeitungs-Beteiligungen wurden im Konzern eher als Hindernis, denn als Bereicherung empfunden. Da der Konzern nirgends Mehrheitsgesellschafter war, konnten Synergie- und Kooperationspläne nicht ohne weiteres durchgesetzt werden. Bei Madsack wird man den Zukauf als strategische Investition sehen. Über kurz oder lang dürften die Hannoveraner versuchen, bei ihren Neu-Einkäufen in Mehrheitspositionen zu gelangen, um anschließend die berühmten Synergien walten zu lassen. Die Zeit spielt dabei für Madsack. Auf absehbare Zeit dürften die Kaufpreise für Zeitungsbeteiligungen eher nach unten zeigen und die Alt-Eigentümer werden es sich immer öfter überlegen, ob sie nicht verkaufen wollen, so lange sich noch ein attraktiver Preis erzielen lässt. Madsack hat sich mit dem Mega-Deal jedenfalls als der Zeitung-Verlag in Nord- und Ostdeutschland etabliert.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige