Bild.de-Chef: „Google ist unser Kiosk“

Premiere: Als erste Nachrichtenseite in Deutschland ist Bild.de jetzt Mitglied im exklusiven Klub der Klick-Milliardäre. Innerhalb eines Jahres steigerte das Boulevard-Portal seine Page Impressions um 81 Prozent. Jetzt soll auch der Angriff auf den deutschen Besucher-König Spiegel Online folgen. Wie die SpOn-Attacke gelingen soll und warum Videos, Userbeteiligung und Regionalkompetenz immer wichtiger werden, verrät Chefredakteur Manfred Hart im MEEDIA-Interview.

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Gratulation zur Milliarde. Bei den Klicks konnten Sie innerhalb eines Jahres um 81 Prozent zulegen. Wie haben Sie das gemacht?
Vor einem Jahr ist BILD.de neu durchgestartet – mit einer innovativen, optisch opulenten Website, die schnell neue User angezogen hat. Wir sind seitdem schneller, übersichtlicher, vielseitiger und bewegter geworden. Unser großes Ziel ist das multimediale Storytelling: Jedes Thema soll künftig mit exzellent recherchierten Texten, ausdrucksstarken Fotos und Bewegtbild erzählt werden.

Setzen Sie stärker als die Konkurrenz auf Klickshows oder PI-intensive Gewinnspiele?
Ganz im Gegenteil: Unsere Klickzahlen generieren sich fast ausschließlich über Content, denn das ist unsere Kompetenz! Bei den redaktionellen Page Impressions haben wir T-Online, Yahoo und Spiegel.de hinter uns gelassen. Unsere Devise lautet klar Inhalt, Inhalt, Inhalt – und das multimedial und in bester Qualität!

Bei den Klicks sind sie schon länger die Nummer Eins unter den deutschen Nachrichten-Portalen. Haben sie Hoffnung, den Visit-Marktführer Spiegel Online noch einmal angreifen zu können? Wenn ja, wie?
Das ist keine Frage der Hoffnung. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass das relative Wachstum der Visits von BILD.de in den letzten Jahren sehr viel größer war und wir den Abstand zu Spiegel Online verringern konnten. Deshalb sind wir ganz sicher, dass wir weiter aufholen werden…

Was interessiert die User bei Bild.de am meisten? Klatsch, Politik oder der Sport?
Die Geschichten auf der Startseite haben immer die größte Magnetwirkung – ganz unabhängig vom Thema. Ob Politik, Sport oder Unterhaltung, unsere User wissen, dass sie auf BILD.de am schnellsten die aktuellsten Nachrichten finden. Zudem ist unser riesiges Bewegtbildangebot sehr beliebt, wie wir an den Abrufzahlen sehen.

Vor knapp einem halben Jahr machten wir schon einmal ein Interview. Damals sagten Sie: „Aus Bild wird Bewegtbild“. Wie weit sind Sie in diesem Prozess?
Bei den Videoabrufen haben wir durch unsere Bewegtbildoffensive rasant zugelegt und erreichen bis zu 20 Millionen im Monat. Damit liegen wir sogar vor Online-Portalen großer TV-Sender. Unsere Strategie verfolgen wir weiterhin beispiellos: Wir haben eine höchst professionelle Videoredaktion und bieten unseren Usern immer mehr exklusive Inhalte, beispielsweise von aktuellen Bundesliga-Spielen, vom Bundesliga-Training oder von Boxkämpfen. Zudem startete mit „Deer Lucy“ vor wenigen Wochen die erste Web-Serie auf BILD.de. Und nicht zu vergessen unsere User Generated Videos: Die Aktion mit der Kamera von Vado, mit integrierter Upload-Funktion zu Bild.de, läuft sehr gut. Aus ganz Deutschland erhält Bild.de seither Videos von den Usern. Wir sind erst am Anfang, da ist noch sehr viel Entwicklungspotenzial drin.

Liegt, trotz des schwierigen Werbeumfeldes, noch immer die Netz-Zukunft im Bewegtbild?
Das ist keine Frage des Werbeumfeldes. Hier geht es vor allem um redaktionelle Inhalte und um das sich verändernde Mediennutzungsverhalten. Wie bereits gesagt, wir sehen die Zukunft unserer Berichterstattung im multimedialen Storytelling. Und der Erfolg bestätigt uns darin!

Hat Bild.de auch mit der Anzeigen-Krise zu kämpfen?
Das müssen Sie schon die Vermarktungsexperten fragen. Wir als Redaktion konzentrieren uns auf den Content.

In dem damaligen Interview sagten sie auch, dass der Ausbau der Bild-Regionalportale ein wichtiges Projekt sei. Im Moment sieht es so aus, als ob die drei Lokalplattformen fast ausschließlich mit Print-Inhalten befüllt werden. Trügt der Eindruck? Haben Sie den Ausbau der Regionalportale ein wenig zurückgestellt?
Die regionalen Portale werden wie bisher mit Inhalten aus der integrierten Redaktion gefüllt. Wir planen außerdem, demnächst weitere Regionalportale an den Start zu bringen.

Wie wichtig ist für Bild.de mittlerweile eine aktive User-Einbringung?
Für uns ist der sogenannte User Generated Content schon lange Realität. Wir öffnen uns immer weiter. Es gibt die 1414-Leser-Reporter, die Videoreporter, die Kommentarfunktionen, das Umfrage-Tool „Deutschlands schnellste Meinung“, Foren. Ganz neu sind die Verlinkungen zu Blogeinträgen bei verschiedenen Artikeln.

Wie gehen Sie auf die Wünsche Ihrer User ein?
Das ist streng genommen unser Haupt-Job. Wir müssen und wollen unseren Usern jeden Tag aufs Neue am schnellsten die aktuellsten Informationen, die besten Geschichten und viele Services aus allen Bereichen bieten. Deshalb kommen sie immer wieder. Sonst wären wir nicht Deutschlands größtes News- und Infotainment-Portal.

Mit welchen Innovationen der vergangen Monate waren Sie besonders zufrieden?
Erst vor kurzem haben wir die Bundesliga-Anwendung „Mein Klub“ für Facebook und iPhone entwickelt. Fußballfans erhalten darüber die aktuellsten Nachrichten, Hintergrundinformationen und Videos zu ihrem Verein direkt auf ihr Profil oder Mobiltelefon. Nach nur zwei Monaten waren wir damit erfolgreichstes Sport-Tool im deutschen Ableger von Facebook und mit der Weiterentwicklung für das iPhone waren wir zwischenzeitlich sogar auf Platz zwei der Downloads im iPhone-Store.

An welchen Fronten muss noch nachgebessert werden?
Endlich sind bei uns alle Print- und Online-Ressorts miteinander verzahnt. Nicht nur inhaltlich, auch räumlich. Die Power des Netzwerks von mehr als 800 Redakteuren, 33 Ausgaben und unendlich vielen Kontakten müssen wir natürlich noch viel stärker für BILD.de nutzen. Zusätzlich arbeiten wir auch an unseren Archiven. All die Geschichten, all die Ratgeber und Service-Themen von BILD sollen für die User leicht zu finden und dauerhaft nutzbar sein. Da liegt noch ein schier unerschöpfliches Potenzial. Das Schöne am Internet: Die digitale Welt ist so wunderbar dynamisch, täglich gibt es neue Tools und Gadgets. Die Website von Bild.de wird ständig optimiert.

Wagen Sie doch einen Blick in die Zukunft. Mit welchen Neuerungen ist in den nächsten Monaten zu rechnen?
Wir werden noch mehr Bewegtbild einbinden. Noch mehr Grafiken. Noch mehr interaktive Möglichkeiten für die Nutzer. Wir glauben fest daran, dass im Internet all diese Erzählformen miteinander verschmelzen. Da wollen wir Vorreiter  sein. Wir glauben auch, dass man verschiedene Themen unterschiedlich aufbereiten kann. Eine Mode-Strecke darf bei BILD.de sicher anders aussehen als die aktuelle Berichterstattung aus dem Bundestag. Da werden wir uns mehr Freiheiten gönnen. Wenn wir in einem Jahr noch einmal miteinander sprechen, wird BILD.de an vielen Stellen anders aussehen als heute. Unsere User werden sich 2009 ganz sicher nicht langweilen.

Wie sehen Sie die Google-Diskussion: Ist die Suchmaschine ein Freund oder ein Feind der Verlage?
Ach, im Print kämpft der Vertrieb jeden Tag an 119.000 Kiosken um eine gute Platzierung der Zeitung. So gesehen ist Google unser Kiosk und wir müssen als BILD.de dafür sorgen, auch dort mit unseren Themen gut sichtbar zu sein. Google ist für uns also auch eine große Chance, neue User zu gewinnen und von unserem Angebot zu überzeugen. Und wenn man auf die überragenden Nutzungszeiten von BILD.de blickt, kann man nur sagen: Bisher funktioniert das auch sehr, sehr gut!

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