Die Lehren aus dem Wiki-Schwindel

Der Wikipedia-Fälscher hat es inzwischen zu einiger Berühmtheit gebracht. Schade nur, dass ihn keiner kennt. Im BildBlog hat er von seinem falschen „Wilhelm“ und den medialen Folgen berichtet, Zeit Online interviewt ihn als „Anonymus“. Man mag seinen Trick, mit dem er einem Minister zu den zehn vorhandenen einen zusätzlichen Vornamen unterjubelte, genial finden. Die Liste der Medien, die er hereinlegte, ist auch beeindruckend. Dennoch fällt es schwer, dafür Sympathie oder Respekt aufzubringen.

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Der Wikipedia-Fälscher hat es inzwischen zu einiger Berühmtheit gebracht. Schade nur, dass ihn keiner kennt. Im BildBlog hat er von seinem falschen „Wilhelm“ und den medialen Folgen berichtet, Zeit Online interviewt ihn als „Anonymus“. Man mag seinen Trick, mit dem er einem Minister zu den zehn vorhandenen einen zusätzlichen Vornamen unterjubelte, genial finden. Die Liste der Medien, die er hereinlegte, ist auch beeindruckend. Dennoch fällt es schwer, dafür Sympathie oder Respekt aufzubringen.

Es beginnt damit, dass der Urheber sich nicht outet. Was spräche dagegen, dass er die selbstverursachte Diskussion mit vollem Namen begleitet? Schließlich erfüllt das Manipulieren eines Mitmach-Lexikons keinen Straftatbestand. Absolvent einer Journalistenschule sei er, sagt „Herr Anonymus“ von sich und dass er noch studiere. Gut, es ist sicher das Recht seiner Generation, es den etablierten Journalisten zu zeigen und deren vermeintliche Rechercheschwäche nachzuweisen. Aber tut er sich und seinem Beruf damit wirklich einen Gefallen?

Vor einiger Zeit ist zu Recht eine Debatte darüber geführt worden, warum Journalisten etwa in TV-Drehbüchern immer so schlecht wegkommen. Warum sie als notorisch neugierige, distanz- und skrupellose Subjekte dargestellt werden. Als Antitypen von Moral und Anstand. Dieses Vorurteil sitzt tief, und es trifft einen ganzen Berufsstand, allen investigativen Leistungen zum Trotz. Das, was jetzt als Wikipedia-Schwindel die gesellschaftliche Runde macht, ist ebenso geeignet, Vorurteile gegen den Journalisten an sich zu schüren.

Natürlich wird niemand so naiv sein zu behaupten, dass das kritisierte Sorgfalts- und Rechercheproblem nicht existiert. Und ganz sicher brauchen die Medien eine Debatte über die Nutzung von Quellen und die Notwendigkeit, Informationen gegenzuchecken. Aber man sollte sich auch fragen, ob es Sinn macht, dass es möglicherweise zum Volkssport wird, Redaktionen hinters Licht zu führen. Anonymus und potenzielle Nachahmer sollten darüber nachdenken, Medienmacher darüber, wie sie solchen Versuchen möglichst wenig Angriffsfläche bieten.
Wenn das in der Summe zu einer Qualitätsverbesserung führt, ist etwas gewonnen. Aber auch das Image des Journalismus insgesamt ist ein Gut, das Schutz verdient.

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