„News-Angebote haben es schwer“

Peter Neumann, Geschäftsführer von Holtzbrincks Zoomer.de, ist enttäuscht, dass das Angebot zum Monatsende abgeschaltet wird. Online-Werbung wachse nur bei Suchmaschinen, nicht bei journalistischen Angeboten, sagt er im MEEDIA-Interview. Nachrichten-Angebote würden es darum auf lange Sicht schwer haben, sich zu finanzieren. Laut Neumann ist die Anzeigenvermarktung bei Zoomer zwar gut gelaufen, doch die Reichweite habe gefehlt.

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Noch im Dezember 2008 hat Ihr Kollege Rainer Esser gesagt, dass sich Zoomer.de auf gutem Wege befinde. Jetzt wird es Ende Februar eingestellt. Was hat sich seither geändert?

Seitdem haben sich die wirtschaftlichen Aussichten in der gesamten Medienbranche nochmal deutlich verschlechtert. Alle Ausgaben, die nicht zwingend notwendig sind, müssen in so einer Situation hinterfragt und gegebenenfalls zurückgestellt werden. Und in diesem Licht stehen dann eben auch Unternehmungen auf dem Prüfstand, die noch nicht bewiesen haben, dass sie wirklich erfolgreich sein können. Das ist bei Zoomer.de aber leider der Fall. Der Versuch, ein Nachrichtenportal für die junge Zielgruppe zu etablieren, ist gut gestartet. Aber der Punkt, an dem damit wirklich Geld verdient werden kann, rückt in der augenblicklichen Situation in immer weitere Ferne.

Sie und Herr Esser betonten, dass die Anzeigenvermarktung bei Zoomer.de gut gelaufen sei. Das Portal habe gar nicht soviel Anzeigenfläche für die junge Zielgruppe gehabt, wie sie hätten verkaufen können. Wie kann man das verstehen? Wenn die Anzeigenvermarktung „gut“ bzw „immer besser“ lief, warum wird Zoomer.de dann eingestellt?

Unser Vermarkter hätte seit Monaten mehr Werbung auf dem Portal verkaufen können, als Zoomer.de in der Lage war, auszuliefern. Nicht die Vermarktung der Plattform war also das Problem, sondern seine Reichweite. Um diese Reichweite aufzubauen, wären aber enorme Marketingsmaßnahmen notwendig gewesen, Aufwände, die auch über eine exzellente Vermarktung nicht refinanzierbar sind.

Die Wirtschaftskrise kann eventuell eine Anzeigenflaute erklären, obwohl die Anzeigenvermarktung ja laut Aussage von Ihnen nicht das Problem war, aber nicht den Klick-Einbruch, den Zoomer.de im Dezember erleiden musste. Was waren hierfür die Gründe?

Aus Spargründen mussten wir im Dezember sämtliche Marketingmaßnahmen, mit denen wir Zoomer.de im Markt positionieren wollten, einstellen. Uns war klar, dass dann auch die Klicks zurückgehen würden. Nach acht Monaten kann ein Portal, das ohne Marke und Unterstützung von Print-, Radio- oder TV-Müttern unterwegs ist, nicht von sich aus im Markt bestehen. Dazu war die Zeit einfach zu kurz.

Was meinen Sie genau mit Marketingmaßnahmen?

Wir haben Zoomer.de wie jedes neue Produkt, das in den Markt eingeführt werden soll, beworben. Dabei sind wir unterschiedliche Wege gegangen: über Kooperationen bei studiVZ und myspace, über Display-Kampagnen und Suchmaschinen-Marketing.

Ist es Ihren Erkenntnissen zufolge generell problematisch, Inhalte im Web zu Geld zu machen?

Wenn es um eigene journalistische Inhalte geht, ja. Denn gute journalistische Inhalte zu erstellen, ist und bleibt auch in Zukunft teuer. Da können sie nur wenig über neue Technologien einsparen. Der Online-Werbemarkt wächst zwar noch, aber im Display-Bereich kommen die Netto-Umsätze immer mehr unter Druck, während das echte Wachstum im Suchmaschinen- und Performance-Bereich stattfindet. Das ist aber nicht die Stärke von journalistisch getriebenen Angeboten. Deshalb werden es Nachrichtenportale auch auf längere Sicht noch schwer haben, kostendeckend zu arbeiten. Gleichzeitig muss man eben immer wieder auch Neues versuchen, so wie Holtzbrinck es jetzt mit Zoomer.de gemacht hat. Und wenn das Projekt nicht gerade in die größte Medienkrise der letzten Jahre gestartet wäre, hätten wir es hoffentlich auch geschafft.

Watchberlin von Holtzbrinck war auch ein Web-Projekt, das eingestellt, bzw „eingefroren“ werden musste. Ist die Zeit für Experimente im Internet vorbei?

Ganz sicher nicht. Nur weil „Park Avenue“ eingestellt wurde, ist ja auch nicht de Zeit der Zeitschriften vorbei. Vielleicht wird es für eine gewisse Zeit schwieriger, neue Ideen zu platzieren und umzusetzen. Aber grundsätzlich sind alle Medien-Unternehmen darauf angewiesen, neue Ideen im Web auszuprobieren. Und kein Medien-Unternehmen, das ich kenne, ist da aufgeschlossener als Holtzbrinck. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern, da bin ich sehr sicher.

Was haben Sie von Ihren Erfahrungen bei Zoome.de gelernt?

Sehr viel. Zum Beispiel, dass gute Ideen nicht zwangsläufig auch erfolgreich werden. Und dass man auf nichts bauen darf, was man nicht selbst beeinflussen kann. Aber auch, dass man mit einem hochmotivierten Team und entsprechendem Engagement sehr schnell sehr viel bewegen kann.

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