Die unheimliche Macht von Wikipedia

Das Bildblog hat eine lehrreiche Anekdote online gestellt: Darüber wie ein kleiner, aber mutwillig platzierter Fehler unbemerkt von Medien übernommen wird. Alles begann mit der Nachricht, wer Nachfolger von Michael Glos als Wirtschaftsminister wird: ein CSU-Politiker namens Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Im Wikipedia-Eintrag fügte ein Anonymus einen erfundenen Namen hinzu – etliche Medien fielen auf den Trick herein.

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Das Bildblog hat eine lehrreiche Anekdote online gestellt: Darüber wie ein kleiner, aber mutwillig platzierter Fehler unbemerkt von Medien übernommen wird. Alles begann mit der Nachricht, wer Nachfolger von Michael Glos als Wirtschaftsminister wird: ein CSU-Politiker namens Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Im Wikipedia-Eintrag fügte ein Anonymus einen erfundenen Namen hinzu – etliche Medien fielen auf den Trick herein.

Eine derartige Anhäufung  von Vornamen ist zugegeben unfreiwillig komisch – und eine Steilvorlage für Journalisten. Pech nur, dass ein Anonymus am Sonntag dieser Litanei einen erfundenen Namen hinzugefügt hat: Wilhelm. Als am Montag der neue Minister offiziell bestätigt wurde, wurde in den Redaktionen Wikipedia konsultiert und der Namenszug im Copy&Paste-Verfahren übernommen. Das Bildblog verlinkt Beispiele: Handelsblatt.com, heute.de, RP-online.de sowie Spiegel Online publizierten schon am Montagvormittag den „neuen“ Namen des Politikers. Spiegel Online bettete den Wilhelm sogar in ein wörtliches Zitat des Adeligen ein, was insofern folgenreich war, als dieses skeptischen Wikipedia-Autoren als Nachweis für die Richtigkeit des Namenszuges präsentiert wurde.

Am Dienstag brachten dann zahlreiche Printtitel die falsche Namensliste; „Bild“ titelte damit sogar auf Seite eins („Müssen wir uns diesen Namen merken?“), „taz“, „Rheinische Post“ und „Süddeutsche“ folgten dem Beispiel. Sogar der „Münchner Merkur“ veröffentlichte den „Wilhelm“ zusammen mit dem Foto eines Redaktionsbesuchs des Politikers, dessen Gestik in der Bildunterschrift von den Redakteuren folgt interpretiert wird: „So lang ist die Latte meiner Vornamen.“ Ein besonders skurriles Beispiel präsentiert Bildblog-Gründer Stefan Niggemeier in seinem privaten Medienblog: Das WAZ-Portal DerWesten hat zur Liste der Vornamen tatsächlich eine Bildergalerie online gestellt, bei der die Leser elfmal klicken müssen, um die Vornamen von Guttenberg zu erfahren – inklusive des falschen Wilhelms (Bild Nr. 7).

Der Wikipedia-Eintrag ist inzwischen korrigiert und verlinkt unter den Quellen auch auf den Bildblog-Eintrag. Die spannende Frage, wer der Anonymus ist, der am Sonntagabend den Vornamen einfügte und damit die falschen Übernamen auslöste, bleibt offen. Die Wikipedia-Statistik nennt den exakten Zeitpunkt der Änderung (Sonntag, 21.40 Uhr) und die IP-Adresse: 78.34.237.194.

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