Zeitungsabos für 18-Jährige – ein Modell?

Ein Jahr lang jeden Tag eine Qualitätszeitung lesen – und dafür null Euro bezahlen. Dieses ungewöhnliche Experiment gegen den Auflagenverfall könnte schon bald in Frankreich starten. Staatspräsident Nicolas Sarkozy will die Zeitungen an Jugendliche verschenken, damit sie nicht nur das Internet als Informationsquelle benutzen. Die Frei-Abos sollen von den Verlagen bezahlt werden, für den Vertrieb will der Staat mit Subventionen in Höhe von 70 Mio. Euro einstehen. Ein Modell auch für Deutschland?

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Ein Jahr lang jeden Tag eine Qualitätszeitung lesen – und dafür null Euro bezahlen. Diese ungewöhnliche Experiment gegen den Auflagenverfall könnte schon bald in Frankreich starten. Staatspräsident Nicolas Sarkozy will die Zeitungen an Jugendliche verschenken, damit sie nicht nur das Internet als Informationsquelle benutzen. Die Frei-Abos sollen von den Verlagen bezahlt werden, für den Vertrieb will der Staat mit Subventionen in Höhe von 70 Mio. Euro einstehen. Ein Modell auch für Deutschland?

Der Vorschlag von Nicolas Sarkozy erstaunt schon deshalb, weil er zuletzt als Gefahrenherd für die freie Presse eingestuft worden war, nicht zuletzt, weil er dem staatlichen Fernsehen ein Werbeverbot auferlegte. Doch offenbar liegen ihm die Printmedien am Herz. „Die Gewohnheit, Zeitungen zu lesen, nimmt man im jungen Alter an“, sagte er. Ob der Versuch, Jugendliche via Gratis-Abo ans Zeitungslesen heranzuführen, Erfolg haben wird, ist auch für Sarkozy ungewiss. Falls die subventionierten Gratis-Angebote nicht angenommen werden, will er die Aktion „sofort beenden“.

Auch in Deutschland ist der Trend klar: Jugendliche nutzen das Internet als Haupt-Informationsquelle und lesen immer seltener Zeitungen. Selbst das Fernsehen finden die meisten weniger wichtig als das Web. Bislang gibt es aber von den Verlagen keine
Strategien, dieser Entwicklung vehement entgegenzuwirken. Das französische „Business-Modell“ sieht vor, dass die Medienhäuser die Abos kostenlos bereitstellen, der Staat für den Vertrieb aufkommt. So sollen rund 18.000 Minijobs für Austräger geschaffen werden. Zu dem will der Präsident bei den Verlagen Anzeigen schalten und auch in Druckereien investieren.

Nach Ansicht von Sarkozy sind die Zeitungsverlage gehalten, ihre Webangebote zu verbessern und auf jüngere Zielgruppen zuzuschneiden. Die staatlichen Zuschüsse rechtfertigt Sarkozy damit, dass durch die Maßnahme neue Stellen für Zeitungsboten geschaffen werden sowie durch das Argument, dass die Zeitungskrise durch die Finanzkrise verschärft werde. In Frankreich ist die Reaktion der Medien durchweg positiv. Wer allerdings annimmt, dass Sarkozy sich damit quasi im Nebengeschäft auch selbst eine gute Presse verschaffen will, dürfte nicht falsch liegen. Eine interessante, weil kreative Idee bleibt das Frei-Abo auf Staatskosten dennoch.

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