MEEDIA-Test: So gut ist das Google-Handy

Das Warten hat ein Ende: Mehr als drei Monate nach dem Debüt in den USA ist das Google-Handy des taiwanesischen Herstellers HTC seit gestern auch in der Bundesrepublik erhältlich. Doch wie gut ist der iPhone-Herausforderer nun tatsächlich? MEEDIA-Redakteur Nils Jacobsen hat den Test aufs Exempel gemacht und findet, der erste Wurf ist durchaus gelungen. Doch es bleibt eben nur – der erste Wurf: Während das Betriebssystem Android leicht bedienbar ist, bietet das zu massive HTC-Modell Raum für Verbesserungen.

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Eines vorweg: Das G1 ist kein iPhone. Auch kein iPhone-Killer, als das es von der nach Wettbewerb so hungrigen Wirtschaftspresse schnell hochgeschrieben wurde. In Superlativen zu schwelgen, dem auch die Kollegen von „Spiegel Online“ nicht widerstehen konnten und das G1 vor zwei Wochen dann auch schon mal „zum besseren iPhone“ hochgejazzt haben, ist ein Reflex, wie er in der schnelllebigen Medienwelt nur allzu häufig vorkommt – allein aus Reiz an der Headline.  

Indes: Das hat mit der Wirklichkeit nicht so viel zu tun. Das G1, so viel wird sofort klar, ist schlicht anders: so anders wie Birnen sich von Äpfeln unterscheiden, Tag von Nacht, warm oder kalt – und das ist noch nicht als Wertung gemeint. „Mein iPhone ist ein Mac, mein Android ein PC“, brachte TechCrunch-Redakteur Erick Schonfeld den Dualismus der beiden Welten einst treffend auf den Punkt.  

Hat man das Objekt der Begierde einmal ausgepackt, wird einem dieser Unterschied sofort in der Beschaffenheit bewusst: Das G1  wiegt angeblich 159 Gramm und wäre damit im Vergleich zum iPhone nur 26 Gramm schwerer, doch gefühlt ist der Unterscheid um einiges größer.

Das liegt vermutlich am gewöhnungsbedürftigen Design, das nicht nur gegen Apples Schmuckstück hoffnungslos zurückfällt, sondern auch nicht mit den neusten Blackberrys – dem Storm und dem Bold – oder dem Palm Pre oder Nokias N95-Serie mithalten kann. Es sieht merkwürdig antiquiert aus und liegt massiv in der Hand – wie ein Modell aus einer anderen Zeit.

Dass damit die Zukunft gemeint sein könnte, verrät zunächst nur die seitliche Klappfunktion des Displays, unter der dann die QWERTZ-Tastatur hervorkommt. Der Schiebemodus wirkt raffiniert wie ein Trick für Taschenspieler: „Klack“, macht G1 – und es wird schnell klar, dass dieses Geräusch nun öfter die Meetings rund um den Erdball begleiten wird – „Klack, Klack“.       

Doch das G1 ist weitaus mehr als ein Spielzeug. Wer sich vom Design nicht hat abschrecken und dem klappenden Display ablenken lassen, wird schließlich mit einem der besten mobilen Betriebssysteme dieser Tage belohnt – Googles Android.

Natürlich: Es fehlt die intuitive Bedienung des iPhones. Wer wie beim iPhone versucht, die Objekte auf dem Display mit zwei Fingern zu vergrößern, wird dies lange versuchen – es klappt beim G1 schlicht nicht.  Doch es funktioniert auch so gut: Ebenfalls per Touchscreen oder, etwas gewöhnungsbedürftig,  per Trackball zum Navigieren der einzelnen Desktop-Elemente.

Und die sind ähnlich zahlreich wie beim iPhone: Die mobilen Standard-Office-Anwendungen Email, Kontakte, Kalender, ein Rechner sind ebenso vorhanden wie Musik- und Bild-Applikationen. Interessant wird das G1, wenn es die Qualitäten des Google Online-Universums ausspielen kann – durch die direkte Anbindung an Google Mail, Google Maps oder Google Talk.

Damit ist aber auch der Nachteil für Google-Skeptiker benannnt: Wer der weltgrößten Internetsuchmaschine nicht traut oder ihre Dienste nicht nutzt, verpasst ein Großteil der Funktionalität des G1. Dazu zählt auch die eigentliche Faszination des Betriebssystems Android: Der „Market“, auf dem – wie beim AppStore des iPhones – künftig Tausende Applikationen von Drittanbietern erhältlich sind, obwohl das deutsche Angebot bislang noch etwas dünn ausfällt.    

Doch Android geht weiter: Im Gegensatz zu Apples Mac OS ist Googles mobiles Betriebssystem als OpenSource-Angebot für Entwickler offen – was Raum für individuelle Anpassungen und vor allem Verbesserungen bietet.

Die sind auch nötig, denn in der ersten Version verliert das G1 gegen das iPhone klar nach Punkten: Lediglich mit der 3-Megapixel-Kamera und der vorhandenen Copy-Paste-Funktion liegt  das von T-Mobile vertriebene Google Handy vor dem iPhone. Im Design als auch in der intuitiven Benutzerführung, die vor allem beim Browsen im mobilen WWW auffällt, liegen zwischen den beiden Internet- Smartphones jedoch Welten.  Vor allem der Pinch-Effekt – also: das Vergrößern von Webseiten mit zwei Fingern – wird schmerzlich vermisst.  

Den taiwanesischen Handyhersteller HTC wird das indes kaum stören, zu gewiss ist der Erfolg des ersten Google Handys aller Zeiten. Der Internet-Riese dürfte mit der Erstversion ebenfalls durchaus zufrieden sein, schließlich ist es nicht mehr als ein Anfang.     

Auch wenn dieses G1 nicht der Ästhetik und Benutzerfreundlichkeit letzter Schluss ist – es ist ein durchaus ein ambitioniertes Smartphone, das seinen Platz im mobilen Massenmarkt sucht und finden wird: in einem Markt, in dem für beide, das iPhone und das G1, sowie auch für den Blackberry und andere Internet-fähige Platz sein wird.

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