Zickenkrieg: Wer hat das Top-Frauenportal?

Was für eine Erfolgsgeschichte: Fast genau sechs Monate nach seinem Start ist Glam.de bereits Marktführer unter den deutschen Frauenportalen – zumindest nach eigenen Angaben. Doch ein genauer Blick auf die Zahlen der Burda-Tochter zeigt: Im Duell der Web-Konkurrenz von Springers Gofeminin.de oder ProSiebenSat.1 Fem.com lässt sich kaum eine Gewinnerin küren. Denn seine beeindruckenden Nutzerzahlen bezieht Glam.de, aus einer hierzulande kaum respektierten Quelle.

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Am 16 Januar verschickte Glam.de eine Pressemitteilung mit der Überschrift: „Glam.de erobert die Frauen – Nummer Eins in Deutschland im comScore-Ranking“. Weiter heißt es: „Glam ist bereits sechs Monate nach dem Start die Nummer Eins bei der Zielgruppe Frauen im deutschsprachigen Internet. Laut comScore erreicht GLAM rund 2,6 Millionen Unique User in dieser Zielgruppe.“ Faktisch alles richtig. Nur die Zahlengrundlage für diese Meldung, lässt nicht mit der einheimischen Konkurrenz vergleichen. „So relevant die ComScore-Daten für die USA sind, so wenig aussagekräftig sind sie für den deutschen Markt“, sagt eine hochrangige Insiderin. „In Deutschland zählen immer noch ausschließlich die Zahlen der IVW oder der AGOF und beide Institutionen weißen Glam noch nicht aus“ – bislang.

Ab dem ersten Quartal 2009 wird auch die Burda-Tochter von der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung gemessen. Nach deren aktueller Reichweitenprüfung ist Springers GoFeminin klarer Marktführer unter den Frauen-Portalen. Im dritten Quartal 2008 erreichte die Plattform 1,86 Millionen Unique User. Die IVW zählt im Dezember 2008 genau 6,47 Millionen Seitenaufrufe (Page Impressions) und 6,11 Millionen Visits. Auch in der IVW ist der Rivale Glam.de noch nicht.

Inhaltlich lassen sich die beiden Angebote allerdings nur bedingt vergleichen. Denn GoFeminin bietet einen Mix aus eigenen redaktionellen Inhalten und einer klassischen Community. Glam dagegen ist mehr ein Sammel-Vermarkter und vertikales Netzwerk als ein typisches Portal. Die Burda-Tochter bündelt unter ihrem Dach die Inhalte von fast 60 Partnern. Darunter Communtiys wie Bequeen, Blogs wie Nerdcore oder LesMads.de und klassische Print-Ableger wie Cosmopolitan.de oder FürSie.de.

Mit diesem konzeptionellen Ansatz konkurriert Glam.de vielmehr mit Fem.com und dem Hamburger Angebot ForHer.de. Die Hanseaten, die ein Investment von Serien-Gründer Jens Kunath sind, erreichten im Dezember 312.000 Unique Visits, 908.000 Visits: und 3.014.000 PageImpressions. Fem.com, das vertikale Frauen-Netzwerk von ProSiebenSat.1, kam im dritten Quartal 2008 laut AGOF auf eine Reichweite von 1,02 Millionen Nutzern. Die IVW zählte für die Münchner 38,1 Millionen PIs und 4,3 Millionen Visitors.

Die Glam-Jubelmeldung könnte für die Deutschland-Tochter des US-Marktführers noch ein kleines unangenehmes Nachspiel haben. Die AGOF sieht es gar nicht gerne, wenn sich ihre Mitglieder auf Zahlenmaterial berufen, das von einem Konkurrenten kommt. Da die Arbeitsgemeinschaft Online Forschung Glam.de ab dem ersten Quartal 2008 mitzählt, dürfte es den Marktforschern wenig gefallen, dass sich Glam.de noch immer mit Zahlen von ComScore schmückt.

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