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„PNP“: Wie ein Verlag seine Zeitung ruiniert

Krise und hektischer Kurswechsel kommen oft zusammen. Nicht immer mit gutem Ausgang. Das Beispiel der "Passauer Neuen Presse", die am Wochenende ihren Chefredakteur Hans Schregelmann entsorgte, scheint dafür ein Lehrbeispiel zu werden. Nicht nur die Maßnahmen, die der Verlag seit Monaten ergreift stoßen bei Experten auf Unverständnis, sondern auch die Art und Weise, wie diese umgesetzt werden. Nach wie vor im Mittelpunkt einer obskuren Rückwärtsstrategie: Der 64-jährige Medienberater Rudolf Kollböck.

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Auch wenn Kollböck, bis 2002 selbst einige Jahre Chefredakteur bei der „PNP“, offiziell keine Funktion bekleidet, sehen in ihm viele den heimlichen Macher des Blattes. Dafür spricht, dass mit Ernst Fuchs ein neuer Chefredakteur berufen wurde, der die Medienwelt ausschließlich innerhalb der Verlagsgruppe Passau kennengelernt, dafür aber das Vertrauen des Beraters hat. Als sein Stellvertreter arbeitet künftig Werner Windpassinger, der als Redakteur das regionale Bistumsblatt leitet. Beide Redaktionsleiter kennen Kollböck seit den 80er Jahren.
Diese Personalien stehen im Kontrast zum Profil des bisherigen Chefredakteurs: Hans Schregelmann war Studioleiter beim Nachrichtensender N24, als er 2006 nach Passau berufen wurde. Er sollte das Flair der Hauptstadt nach Niederbayern bringen und veranstaltete Gala-Abende mit nationaler und internationaler Politprominenz. Als Blattmacher konnte er nicht reüssieren, vor allem bemängelten Insider mangelnde Durchsetzungskraft.
Als Kollböck Ende 2008 geholt wurde, um die Redaktion, die der Verlag nicht mehr unter Kontrolle zu haben glaubte, auf Vordermann zu bringen, sah Schregelmann dem Wirken des Externen tatenlos zu. Erst wurde die gesamte Lokalredaktion Passau vor die Tür gesetzt, dann folgten weitere Eingriffe in den Hoheitsbereich des Chefredakteurs. Von der Freistellung seiner Lokalredaktion, berichten manche, habe Schregelmann erst sehr spät erfahren.
Am Ende traf es ihn selbst. Wohl auch nicht zu Unrecht. Denn immer wieder wurde der „PNP“, immerhin eine der größten und vermögensten Zeitungen Bayerns, schlechter Journalismus vorgehalten. Zudem brachen die Abonenntenzahlen ein. Seit der Verlag mit Hochdruck an neuen Strukturen bastelt, nimmt die Verunsicherung in der Redaktion zu. Die Unzufriedenheit der Leser sowieso.
Dass die neuen Mitglieder der Chefredaktion sich jetzt befreit um die redaktionellen Belange kümmern können, glauben viele nicht. Denn mit dem heute von Rudolf Kollböck vorgestellten neuen Redaktionskonzept wird auch ein drastisches Sparprogramm umgesetzt. Hinter dem aufwändigen Sanierungskonzept steht Geschäftsführerin Simone Tucci-Diekmann, die damit die Zukunftsfähigkeit des Zeitungshauses sichern will. Doch in entscheidenden Punkten, zum Beispiel bei den digitalen Angeboten, ist bislang noch kein konkreter Plan erkennbar.

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