SZ hält Zahlen unter Verschluss

Um die neue Geschäftsführung der SZ-Gruppe ist es seit dem letzten Jahr erstaunlich still geworden. Der stets um Verschwiegenheit bemühte Neu-Eigentümer, die Südwestdeutsche Medien Holding, wendet ihre Kommunikationspolitik jetzt auch auf die SZ an. Die Bilanzen werden nicht mehr veröffentlicht und 2009 zum Sparjahr für die "Süddeutsche Zeitung" erklärt. Pauschalisten werden gekündigt, Honorare zusammengestrichen, Mitarbeitern wird beim vorzeitigen Weggang Geld geboten. Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt.

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Die Süddeutsche Zeitung steht in der deutschen Medienlandschaft für Kontinuität, hintergründigen Journalismus und große Reportagen. Kaum ein Jahr nach dem Verkauf des Verlages an die Südwestdeutsche Medienholding, wird Mitarbeitern des Verlags und Redakteuren eine Abfindung geboten, falls sie vorzeitig das Hochhaus im Münchner Osten verlassen. Am Samstag läuft die Frist aus.

Beim Süddeutschen Verlag in München selbst sollen 2009 rund 15 Millionen Euro eingespart werden. Auf Anfrage teilte der Betriebsrat der „Süddeutschen Zeitung“ MEEDIA mit, dass weniger Redakteure als erwartet von dem Angebot Gebrauch gemacht haben. Auf Verlagsseite werde das Abfindungsmodell stärker wahrgenommen, obwohl gerade die SZ-Redaktion das Ziel der Sparmaßnahmen sein sollte. Genaue Zahlen will man vor Ablauf der Frist am Samstag jedoch nicht bekanntgeben.

SZ soll sich gesund sparen

Für neues Wasser auf dem Mühlen des Betriebsrates hatte das Stuttgarter Stadtmagazin „Lift“. In einem Interview äußerte sich Geschäftsführer Reinold Rebmann zu den Sparplänen für die Südwestdeutsche Medien Holding, zu der seit Anfang 2008 auch der Süddeutsche Verlag gehört: „Angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung sind wir dabei, Optimierungspotenziale vor allem im Produktionsablauf zu realisieren. Dies hat keine Auswirkungen auf die Redaktion“. 65 Arbeitsplätze, vor allem im technischen Bereich und in den Anzeigenabteilungen, sind bereits gestrichen. Honorare für die Bezahlung von Autoren werden um rund 20 Prozent gekürzt.

Schon im November, kurz nach dem Umzug der Redaktion, hatte Karl Ulrich, Geschäftsführer des Süddeutschen Verlags (SV), Sparmaßnahmen angekündigt. Die Stimmung in den großen Redaktionen der SWMH („Stuttgarter Zeitung“, „Stuttgarter Nachrichten“ und „Sonntag Aktuell“) war fortan auf dem Tiefpunkt. Kurz vor Jahresende sprachen dann 220 Mitarbeiter der Geschäftsführung das Misstrauen aus.

Verschwiegenheit als Taktik

Die aktuelle Kommunikationspolitik verwundert nicht. Die neuen Eigentümer sind für ihre etwas undurchsichtige bis nicht vorhandene Kommunikation nach innen und außen bekannt. Wirft man einen Blick auf die Besitzstrukturen und die Gesellschafter des Verlages, wird das umso deutlicher. Die Südwestdeutsche Medien Holding ist mit 81,25 Prozent am Süddeutschen Verlag beteiligt. Die Ludwigshafener Medien Union ist wiederum mit 44,4 Prozent an der SWMH beteiligt. Diese wiederum gehört zu 50,75 Prozent Dieter Schaub. Das „manager magazin“ schrieb Anfang 2008 über ihn: „Nein, er ist und bliebt der Allerseltsamste in der ganzen, großen, ewig plappernden Innung: Dieter Schaub, der Schweiger aus Kurpfalz. Dieser Mann hat eine höhere Stufe der Abwesenheit erreicht, als einfach nur nicht da zu sein.“ Public Relations werden in Ludwigshafen nicht geschätzt. Und das, obwohl der Mann, dessen letztes Pressefoto aus dem Jahr 1989 stammt, einen der größten Verlage Deutschlands führt.

Ob die Sparmaßnahmen nun transparent kommuniziert wurden oder nicht: Es wurden mittlerweile in einigen Ressorts der „Süddeutschen Zeitung“ Pauschalisten gekündigt und Honorartöpfe für freie Autoren zusammengestrichen. Die gelebte Verschwiegenheit der neuen Eigentümer schlägt sich jetzt auch im Umgang mit den Bilanzen der SZ nieder: Sie wird schlicht nicht mehr im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht. Die Befreiung von der Aufstellungspflicht ist nach § 264 des Handelsgesetzbuchs erlaubt, wenn alle Gesellschafter des Tochterunternehmens der Befreiung für das jeweilige Geschäftsjahr zugestimmt haben. Das dürfte umgehend passiert sein, da auch sämtliche Publikationen der SWMH von der Offenlegung befreit sind.

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