„Programm“: Tolle Idee, die keiner will

Zwei Journalisten und eine Grafikerin aus Frankfurt haben die Krise der Printbranche in den vergangenen Wochen am eigenen Leib zu spüren bekommen. Sie konzipierten ein hochklassiges Kultur- und Fernsehmagazin mit vielen tollen Ideen - und bekamen von allen Verlagen nur Absagen für ihr Projekt. Doch geschlagen wollen sich die drei noch nicht geben: Mit einer spannenden Abo-Kampagne im Internet wollen sie "Programm" doch noch zum Leben erwecken.

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„Programm – Magazin für Fernsehen und Kultur“ heißt das Baby der Journalisten Martin Schmitz-Kuhl und Christian Sälzer, sowie der Grafikerin Andrea Ruhland. Das Magazin in edler Aufmachung soll durch das Fernsehprogramm der kommenden 14 Tage führen, zudem aber auch Tipps aus allen anderen Kulturgattungen liefern: Vom Radio über das Kino bis zum Theater und zur Literatur. Während der Mantelteil in herkömmlichen Fernsehzeitschriften oft nur wie ein lieblos zusammengestelltes Produkt von der Stange aussieht, ist es bei „Programm“ vollkommen gleichberechtigt. Mehrseitige, großzügig bebilderte Geschichten sollen viele Gründe bieten, „Programm“ nicht nur als TV-Programm zu nutzen, sondern als Zeitschrtift, in der gern gelesen wird und die nicht nur zur TV-Programm-Planung genutzt wird. Dabei wird auch kein Schnipsel-Journalismus geboten, „Klasse statt Masse“ steht im Vordergrund.

Ergänzend zu den tollen Ideen der Zeitschrift liegt „Programm“ noch ein Supplement für Kinder bei: „Glotzilla“. Die Kinder bekommen damit ihre persönliche Programmzeitschrift, die nur Kindersendungen enthält – dafür werden in „Programm“ nur Erwachsenen-Programme angepriesen. Zudem bietet „Glotzilla“ Comics, Rätsel und anderes Spannendes für die Kleinen. Die anvisierte Zielgruppe der Macher: „Menschen, die überdurchschnittlich informiert, überdurchschnittlich gebildet, überdurchschnittlich kulturell interessiert sind – und die in der Regel wohl auch etwas mehr verdienen als der Durchschnitt“.

So weit so gut. Überzeugt von ihrer Idee produzierten die drei ein Dummy-Heft, das sie gemeinsam mit einem 60-seitigen Konzept an einige Großverlage schickten. Ergebnis: Absagen, Absagen und… Absagen. Der Axel Springer Verlag fand das „Programm“-Konzept zwar „sehr schlüssig und innovativ, die nackte Idee klingt attraktiv. Nach genauerer Prüfung müssen wir Ihnen allerdings leider mitteilen, dass wir derzeit keine Möglichkeit sehen, Ihre Idee zu unterstützen. Wie Sie wissen, konzentrieren wir uns als Großverlag eher auf Titel, die höhere Auflagen und damit eine sichere Position im Vertriebsmarkt wie auch stabile Anzeigenerlöse erreichen können.“ „Ihr Ansatz ist sehr interessant“, schrieb der Jahreszeiten Verlag, aber: „Wir werden uns jedoch mittelfristig auf die Weiterentwicklung und den Ausbau unserer Kernmarken konzentrieren und können Ihnen daher heute leider keine positive Rückmeldung geben.“ Und Andreas Mayer von der Verlagsgruppe Milchstrasse bzw. Burda gibt zu Protokoll: „Die Frage nach dem anspruchsvollen Programmie, das daneben auch noch ein anspruchsvolles Kulturmagazin ist, beschäftigt einige Leute in der Branche schon seit längerem. Natürlich wissen wir alle um den Erfolg von Telerama in Frankreich, aber in Deutschland hat bislang dafür noch niemand einen Markt gesehen, und das schließt uns ein.“ Auch von Bauer, Ringier und Gruner + Jahr hagelte es Absagen.

Ist es die Mutlosigkeit der Großverlage? Oder die allgemeine wirtschaftliche Lage? Natürlich ist „Programm“ kein Produkt für den riesigen Massenmarkt, natürlich klingen die im Konzept angepeilten „mehreren 100.000 Exemplare“ als Verkaufsziel sehr optimistisch. Insofern kann man die Großverlage in gewissem Maße sogar verstehen. Aber dennoch: Es wäre doch gelacht, wenn sich kein Verleger finden würde, der den Mut, den Glauben an Qualität und das nötige Kleingeld hat, um den „Programm“-Traum doch noch Wirklichkeit werden zu lassen. Die drei Macher haben die Hoffnung zumindest noch nicht aufgegeben und wollen ihr Projekt nun mit einer spannenden Aktion vorantreiben: Auf einer dieser Tage freigeschaltenen Website werben sie um Abonnenten. Abonnenten für eine Zeitschrift, die es noch gar nicht gibt. „Wenn Sie die Idee von ‚Programm‘ unterstützen wollen, nehmen Sie an unserer einzigartigen Abo-Kampagne teil: Abonnieren Sie das Magazin, damit es Wirklichkeit werden kann“, heißt es dort. „Dieser Schritt ist eine Absichtserklärung, ein Abonnement tritt damit noch nicht in Kraft. Sobald die erste Ausgabe von ‚Programm‘ erscheint und Preis sowie Erscheinungsweise bekannt sind, werden Sie angeschrieben und gefragt, ob Sie ‚Programm‘ verbindlich abonnieren wollen.“ Allein durch Mundpropaganda kamen so in den ersten fünf Tagen schon über 100 Abos zusammen – ein beachtlicher Anfangserfolg. Und wer weiß: Vielleicht wird aus „Programm“ ja auf diesem Weg doch noch eine Zeitschrift, die es gibt.

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