Krise trifft auch Facebook-Investor Thiel

Selbst am Wunderkind der Hedgefonds-Szene geht die schwere Finanzkrise nicht spurlos vorbei. Peter Thiel, gerade mal 41 Jahre alt, konnte Anleger in den letzten zehn Jahren Traumrenditen von 400 Prozent bescheren, bevor der Crash fast das Portfolio halbierte. In Davos spricht Thiel, der einst den Bezahldienst Paypal mitgründete und als erster in Facebook investierte, über das Ausmaß der Finanzmarktkrise. Langfristig sieht Thiel weiter Chancen für Technologieaktien.

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Das Wunderkind ist auf der Erde angekommen, wenn auch immer noch deutlich erhöht, mehr als 1500 Meter über den Meeresspiegel, in Davos – dem globalen Dorf dieser Tage. Offen und skeptisch wie sieht man Peter Thiel, 41, im Gespräch mit CNBC im verschneiten Davos. Thiel ist ein Mann, dem bis vor einem halben Jahr alles, aber auch alles an den Aktienmärkten gelang – er war ein Inbegriff der „Golden Boys“, die Renditen aus dem Märchenbuch erwirtschafteten.

Bei Thiel jedoch wurden sie Realität: Das unglaubliche Plus von 400 Prozent konnte der in Frankfurt geborene Amerikaner den Anteilseignern seines Clarium Hedgefonds mit Global Macro Investing (mal in Rohstoffe, mal gegen Dollar, mal in Technologieaktien) bis Mitte letzten Jahres präsentieren – 400 Prozent in einer Zeit, in der die Finanzwelt gleich zwei epische Crashs erlebte.

Auch Wunderkind stürzt und erlebt sein Waterloo: 40 Prozent Minus in sechs Monaten

Die letzte Phase des Ausverkaufs im Zuge der Finanzmarktkrise erwischte selbst „den Hedgefonds-Hexer aus Frankfurt“ (Spiegel) komplett auf dem falschen Fuß. Binnen des zweiten Halbjahres erging es selbst Thiel, dem es als Hedgefondsmanager erlaubt ist, auch auf fallende Kurse zu setzen und so vom Abschwung zu profitieren, so wie fast jeden Anleger: Der große Crash nach der Lehman-Pleite Mitte September letzten Jahres zerriss Thiels Performance.

Der Clarium Fonds, der noch zu Jahresmitte um unglaubliche 57 Prozent zugelegt hatte, lag im November plötzlich unter Wasser. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert: Um minus 4 Prozent liegt der Fonds auf Jahresbasis hinten. Das ist immer noch weitaus besser als die meisten Indizes, für den eigentlichen Star der Hedgefondsbranche, der schon „als legitimer Erbe der Fondslegende George Soros“ (Spiegel) gehandelt wurde, ist das jedoch so etwas wie eine Entzauberung.  

Wetten auf Google, Yahoo und Microsoft verhageln die Bilanz

„Alles, was der Silicon Valley-Venture Capitalist anfasste, scheint zu Gold zu werden“, beschrieb die „New York Post“ einst die Investment-Geschicke des smarten Amerikaners, der vor seiner Hedgefonds-Karriere den Online-Bezahldienst PayPal mitgründete und Mark Zuckerberg als Investor der ersten Stunde die ersten Millionen zur Verfügung stellte.

Ausgerechnet auf seinem Heimat-Terrain scheint Thiel dieser Midas-Touch jedoch nun verlassen zu haben. Aggressiv wie bei Hedgefonds üblich, investierte Thiel im dritten Quartal 2008 mehr als die Hälfte des milliardenschweren Fondsvermögens in zwei Positionen aus dem Internetsektor – Google und Yahoo. Fast 40 Prozent steckt Thiel zudem in einen ETF aus dem Finanzsektor – der Ausgang der Wette ist bekannt.

Thiel sieht „eine Regierungsblase“ – Technologieaktien bleiben „langfristig attraktiv“

Die Folgen nun nach und nach ebenfalls: Der Clarium Fonds, der in Spitzenzeiten auf das enorme Anlagevolumen von 7 Milliarden Dollar angeschwollen war, hat in sechs Monaten einen enormen Aderlass erfahren. Auf nur noch zwei Milliarden Dollar ist das verwaltete Anlagevolumen zum Jahresende geschrumpft. Das bedeutet nichts anderes als: Neben den realen Wertverlusten in Höhe von etwa drei Milliarden haben Anleger ihr Kapital in Höhe von zwei weiteren Milliarden abgezogen.

Entsprechend nachdenklich wirkt der mit jährlich 500 Millionen Dollar fürstlich entlohnte Hedgefondsstar dann auch am Rande des 39. World Economic Forums beim üblichen Winterinterview mit dem Finanzsender CNBC. „Die Krise ist noch lange nicht vorbei“, erklärte Thiel, der den Staatsinterventionen skeptisch gegenübersteht und sogar von einer „Regierungsblase“ sprach. Viele Anlagemöglichkeiten in diesem herausfordernden Umfeld sieht Thiel nicht –Technologieaktien könnten jedoch eine davon sein. Die Branche sei langfristig weiter attraktiv, glaubt Thiel, was angesichts seiner Investition nicht überrascht. 

Ist es damit schon so weit, dass Thiel, wie das Silicon Valley-Klatschportal Valleywag zwischen den Zeilen suggeriert, mit warmen Worten für neue Investorengelder werben muss? Eher nicht, wenn man Thiels Track Record betrachtet. Doch der jüngste Absturz beweist ebenfalls: Auch Wunderkinder bleiben von der global wütenden Finanzmarktkrise nicht verschont – auch wenn sie um einiges weicher fallen, auf die schneeverhangenen Täler am Rande des Zauberbergs. 

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