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„Capital“-Redakteure proben den Aufstand

Bei der G+J Wirtschaftspresse in Köln spitzt es sich zu. Wie MEEDIA aus Redaktionskreisen erfuhr, will die Kölner Belegschaft am Montag eine „kreative Frühstückspause“ veranstalten. Anlass sind stockende Verhandlungen. Insider berichten, der Krankenstand bei „Capital“ und „Impulse“ habe einen Höchststand erreicht, die Produktion sei bereits beeinträchtigt. Der Redaktionsbeirat wirft Geschäftsführerin Ingrid Haas vor, die Unabhängigkeit der Blätter zu gefährden.

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In einem Brief des Redaktionsbeirats an Ingrid Haas, der MEEDIA vorliegt, heißt es wörtlich: „Ihre Position und die aktuellen – teils dramatischen – Entwicklungen bei ‚Capital‘ erfüllen uns mit großer Sorge um die publizistische Qualität von ‚Capital‘. Wir sehen die redaktionelle Unabhängigkeit und die Pressefreiheit gefährdet.“

Die Mitbestimmungsrechte des Redaktionsstatuts würden konsequent missachtet. Außerdem gelte offenbar die strikte Trennung zwischen Redaktion und Verlag bei „Capital“ nicht länger. „So muss die Redaktion seit neuestem den Verlagsleiter über die Themenplanungen bei ‚Capital‘ informieren. Aus unserer Sicht steht damit die redaktionelle Unabhängigkeit auf dem Spiel. Was passiert zum Beispiel, wenn Kritisches über große Anzeigenkunden berichtet werden soll? Wir werten diese Maßnahme auch als Alarmsignal für die journalistische Zukunft der neuen Zentralredaktion“, heißt es in dem Schreiben.

Gegenüber MEEDIA weist Ingrid Haas die Vorwürfe von sich. „Die redaktionelle Unabhängigkeit der ‚Capital‘-Redaktion ist wie bislang auch in keiner Weise gefährdet. Richtig ist vielmehr, dass die neue Verlagsleitung gebeten hat, über die langfristige Themenplanung bei
‚Capital‘ informiert zu sein, damit zielgerichtete Marketing- und Vertriebsaktionen geplant werden können. So ist auch in der Vergangenheit verfahren worden. Einen Einfluß auf die Themenplanung hat es zu keinem Zeitpunkt gegeben und wird es auch in Zukunft nicht geben“, sagte sie.

In den Redaktionen von „Capital“ und „Impulse“ ist die Stimmung laut Beschäftigten derweil noch weiter gesunken. Die zunächst verschobenen Kündigungen wurden mittlerweile verschickt. Viele der Gekündigten fühlen sich schlecht behandelt. Grund ist die so genannte Turbo-Prämie, mit der der Verlag neben strukturell nicht mehr benötigten Mitarbeitern auch vermeintliche Minderleister mit einem goldenen Handschlag zum Ausscheiden bewegen wollte. Bei dieser Turbo-Prämie wurden 50.000 Euro als Zugabe garantiert. Die Annahmefrist für diese Regelung lief jedoch nur bis 28. November. „Capital“-Redakteure verweisen darauf, dass dieses Angebot gemacht worden war, bevor öffentlich wurde, dass ohnehin die gesamte Redaktion gekündigt wird. Der Sozialplan sieht nun laut Aussagen von Betroffenen wesentlich schlechtere Leistungen für die gekündigten „High-Performer“ vor. Die Rede ist von 0,9 Monatsgehältern pro Jahr der Betriebszugehörigkeit, was man von Verlagsseite aber eher als Verhandlungsbasis verstanden wissen will.

„Da sitzt in Büro A der so genannte Low-Performer mit üppiger Prämie und in Büro B der High-Performer mit der mageren Abfindung. Man kann sich vorstellen, wie das ankommt“, so ein Insider zu MEEDIA. Der Betriebsrat fordert einen Sozialplan mindestens auf dem Niveau der Low-Perfomer-Abfindungen. Der Verlag hat bislang nicht erkennen lassen, dass er darauf eingehen will. Die Fronten sind verhärtet. Von den knapp 50 gekündigten „Capital“-Redakteuren haben laut Auskunft aus der Redaktion kaum ein Dutzend ein Stellenangebot in der neuen Zentralredaktion angenommen. „FTD“- und „Capital“-Chefredakteur Steffen Klusmann ist auch schon auf Mitarbeiter-Schau in anderen Wirtschaftsredaktionen. Leicht dürfte er es nicht haben.

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