Spiegel Online als Facebook-Primus

Facebook ist weltweit das größte soziale Netzwerk im Internet. In Deutschland tut sich das hippe US-Netz noch schwer gegen die einheimischen Platzhirsche der VZ-Familie sowie die aufstrebende Community Wer-kennt-wen.de. Aber Facebook wächst und bietet sich mit seiner offenen Struktur auch Medien als Plattform an. Am konsequentesten wird Facebook hierzulande von Spiegel Online genutzt. Aber auch andere Medienhäuser finden sich dort - mit teilweise skurrilen Seiten.

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Spiegel Online ist ohne Zweifel der Facebook-Primus unter Deutschlands klassischen Medien. Kurz vor Jahresende 2008 hat Chefredakteur Wolfgang Büchner eine Web2.0-Offensive gestartet und es wurden gleich mehrere Facebook-Seiten und Applikationen aus dem Hause „Spiegel“ gestartet. So gibt es eigene Facebook-Seiten für Spiegel Online, eine englische Seite, eine für die Geschichts-Community einestages.de und eine für die Satire-Abteilung SPAM. Die Hauptseite von Spiegel Online bei Facebook hat mittlerweile über 7.000 „Fans“. Man kann sich SpOn-News auf sein eigenes Profil holen und dort auch die Archivsuche der Hamburger integrieren. Als nette Gags gibt es alte Bildschirmfotos, die die Entwicklungsstadien von Spiegel Online nachzeichnen und Schnappschüsse aus der berühmten „Spiegel“-Kantine. Besser geht‘s nicht.

Der Rest von Deutschlands Medien-Elite ist offenbar noch nicht in der Welt der sozialen Netze angekommen. Die „Süddeutsche Zeitung“ hat eine Facebook-Seite mit quasi null Inhalten (außer zwei Fotos, die „SZ“-Leser bei der Zeitungslektüre zeigen) und 75 Fans. Sueddeutsche.de hat eine eigene Facebook-Seite mit immerhin 236 Fans und aktuellen Nachrichten. Außerdem gibt es ein kleines Image-Video, in dem Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs zwischen riesigen Screenshots herumläuft und seine Bilder-Galerien lobt. Die „Frankfurter Allgemeine“ findet man nur, wenn man nach „F.A.Z.“ inklusive der Pünktchen sucht. Ihre Anwendung kommt auf 222 Nutzer.

Woanders wird es noch finsterer. Die Twitter-Könige von Springers „Welt Kompakt“ haben sich als „The little sibling of Die Welt“ bei Facebook angemeldet und kommen auf magere acht Sympathisanten. Kein Wunder, denn auf dem Profil geschieht offenbar rein gar nichts. Bild.de stellt seine RSS-Feeds bei Facebook rein und kommt mit dieser Methode auf ganze 14 Fans. Nachtrag: Die Pressemitteilung von Axel Springer teilt mit, dass die Facebook-Seite von Bild.de erst seit zwei Tagen online sei und noch nicht beworben wurde.

Die „Financial Times Deutschland“ hat eine Facebook-Seite mit drei Fans und französischem (!) Text. „stern“, „Focus“ – Fehlanzeige. Wichtig zu wissen ist natürlich, dass im Prinzip jeder bei Facebook eine Gruppe gründen kann. Einige der hier aufgeführten Medien-Seiten bei Facebook sind also garantiert von Nutzern gestartet worden, vielleicht sogar ohne das Wissen des jeweiligen Medien-Unternehmens. Interessant ist aber, dass so viele Medienhäuser offenbar gar keinen Wert darauf legen, sich in einem wachsenden Netzwerk wie Facebook zu präsentieren. Dass durchaus Interesse von Seiten der Nutzer da ist, zeigen die erfolgreichen Facebook-Seiten von Spiegel Online und der „New York Times“.

Zum Vergleich: Die „New York Times“ kommt bei Facebook auf über 350.000 Fans, bietet zahlreiche Aktionen und allein 159 Videos. Das „Wall Street Journal“ gehört zur News Corp., dem Konzern, der den Facebook-Konkurrenten MySpace betreibt, und kommt mit einem, na ja, soliden Auftritt immerhin noch auf über 10.000 Fans. Der vergleichsweise kleine britische „Guardian“ versammelt bei Facebook noch über 4.500 Fans. Bei den anglo-amerikanischen Ländern gibt es aber auch Schatten. Das US-Magazin „Time“ hat bloß eine lieblose Facebook-Seite mit nur 174 Fans.

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