Grimme: große Filme, schwache Unterhaltung

Die Nominierungen für die Grimme-Preise stehen fest. Ingesamt wurden 695 Vorschläge in drei Kategorien eingereicht, wie das Grimme-Institut am Mittwoch bekannt gab. Aus diesem Pool haben die Juroren 60 Filme ausgewählt - davon 54 Produktionen der Öffentlich-Rechtlichen und sechs des Privatfernsehens. Bereits im Vorfeld hebt die Jury die Qualität der Fernsehfilme und der Dokumentationen hervor. Die Sparte "Unterhaltung" enttäuschte die Juroren allerdings.

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Insgesamt wird der wichtigste deutsche Fernsehpreis an zwölf Produktionen in den Kategorien „Fiktion“, „Information & Kultur“ und „Unterhaltung“ vergeben. Traditionell lüftet das Grimme-Institut bereits nach der Auswahl der Nominierungen ein paar Geheimnisse.

Bei der Sparte „Fiktion“ lobte Grimme-Direktor Uwe Kammann die „stilsichere Regie, herausragende Darsteller-Leistungen und packende Drehbücher“ der Fernsehfilme. Hier wurden explizit die Filme „Hurenkinder“ (ARD/NDR), „Mütter, Väter, Kinder“ und „Mogadischu“ (ARD/SWR/BR) genannt. Unter den Nominierungen sind allein drei Ausgaben des ARD-„Tatort“. Das private Fernsehen ist hingegen bei den Serien „Doctor’s Diary“ (RTL) und „Dr. Molly und Karl“ (Sat.1) stark vertreten.

In der Rubrik „Informtion und Kultur“ macht Grimme-Preis-Referent Ulrich Spies einen Trend aus: Informationssendungen des Jahres 2008 wiesen „komplexe politökonomische Themen und investigative journalistische Recherchen“ auf. Beispiele sind etwa „Gigant Gazprom“ (ARD/WDR/NDR) oder
„Und plötzlich ist das Haus weg“ (ARD/WDR/SWR) aus der Reihe „die story“.

Das Unterhaltungsgenre zeigte sich nach Ansicht der Grimme-Kommission im deutschen Fernsehen 2008 dagegen schwach. „Leider gilt weiter: In der Unterhaltung gibt es nicht viel Neues oder Innovatives“, erklärt Kammann.
Die 24-köpfige Jury wird bis zum 5. Februar in drei Gruppen über die Preisträger entscheiden. Die Ergebnisse sollen am 25. März in Düsseldorf bekanntgeben werden. Die Preisverleihung findet am 3. April in der Heimatstadt des Grimme-Instituts Marl am Stadttheater statt.

Die Nominierungen in der Kategorie „Fiktion“

Nur keine Wellen (ORF/ARTE)
Tatort: Der oide Depp (ARD/BR)
Ein starker Abgang (ZDF/ARTE)
Das Wunder von Berlin (ZDF)
2 heißt: Ich liebe dich (ARD/MDR)
Wholetrain (ZDF)
Mütter, Väter, Kinder (ARD/NDR)
Debüt im Ersten: Das wahre Leben (ARD/SWR/BR/SF)
Tatort: Der tote Chinese (ARD/HR)
Das Gelübde (WDR/ARTE)
Die zweite Frau (ARTE/WDR)
Ihr könnt Euch niemals sicher sein (ARD/WDR)
Mogadischu (ARD/SWR/BR)
Mitte 30 (ARD/BR)
Hurenkinder (ARD/NDR)
Tatort: Auf der Sonnenseite (ARD/NDR)
Doctor’s Diary (RTL)
Mord mit Aussicht (ARD/WDR)
Das jüngste Gericht (RTL)
Teufelsbraten (ARD/WDR/NDR/ARTE)

Die Nominierungen in der Kategorie „Unterhaltung“

Menschen bei Maischberger: Helmut Schmidt (WDR)
Die 3 Bärchen und der blöde Wolf (ARD/KI.KA/WDR)
Extra 3: Johannes Schlüter (NDR)
Der satirische Jahresrückblick 2008 (ZDF)
Die Sendung mit der Maus: Spezial-Türkei (WDR)
Der Popolski-Show (WDR)
Die Ausreißer – Der Weg zurück (RTL)
Unterwegs nach woanders (3sat)
Ein Fisch für 2 (ZDF/3sat/SF/ORF)
Guildo und seine Gäste – Hausbesuch (SWR)
Switch Reloaded (ProSieben)
Die Ludolfs (DMAX)
Dr. Molly und Karl (SAT.1)

Die Nominierungen in der Kategorie „Information & Kultur“

Rubljovka – Straße der Glückseligkeit (rbb/ARTE/WDR)
Die Jungs von Bagdad High (BBC/ZDF/ARTE)
die story: Und plötzlich ist das Haus weg (ARD/WDR/SWR)
Der große Ausverkauf (WDR/ARTE/BR)
Menschliches Versagen (WDR/BR/SWR)
Der große Rausch (ARD/WDR/Eins-Festival)
die story: Gigant Gazprom (ARD/WDR/NDR)
Djangos Erben (ARD/SWR/ARTE)
Der Freund und der Fremde (rbb)
Leben und Sterben in Kabul (ARD/NDR/WDR)
Unbequem und unbestechlich: Chinas Kämpfer für die Wahrheit (ARD/NDR)
Ein Artikel zuviel – Anna Politkowskaja und das System Putin (3sat/ZDF/SF/MDR/rbb)
Alt sein auf Probe (ARD/WDR)
Das Mosquitoproblem und andere Geschichten (ZDF)
Losers and Winners (WDR/ARTE)
Die Weggeworfenen (ZDF)
Mission Gold (ZDF)
Nach Fahrplan in den Tod (SWR/ARTE)
Die wunderbare Welt der Exkremente (ARTE)
Who’s afraid of America (ZDF/ARTE)

Vorschläge für den Sonderpreis des Landes

Ein Jude, der Deutschland liebte (ARD/rbb/WDR)
Here we come – Breakdance in der DDR (ZDF)
Wholetrain (ZDF)
Feuchtwanger lebt (3sat/ZDF)
Werther (ARTE)
Das Feuerschiff (ARD/NDR)
Das Gelübde (WDR/ARTE)

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