Werbebranche: Trotz Krise Wachstum

Allen Unkenrufe zum Trotz: Die sich eintrübende Konjunkturlage der Weltwirtschaft ist noch nicht in der Werbebranche angekommen. Das geht aus der Analyse der Werbeausgaben des dritten Quartals hervor, die das Medienforschungsunternehmen Nielsen erstellt hat. Demnach legten die weltweiten Werbeausgaben um knapp drei Prozent zu. Besonders das TV- und Radio-Segment wuchs überproportional. Allerdings: Die Studie bezieht sich auf das dritte Quartal.

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Die Zahlen machen Mut: Entgegen allen Horrorszenarien, die im Zuge der weltweiten Finanzmarktkrise einen deutlichen Rückgang der Anzeigen-Schaltungen vorausgesagt haben, zogen die Werbeausgaben in den vier Kernsegmenten Zeitungen, Zeitschriften, TV und Radio zwischen Juli und September letzten Jahres weltweit nochmals um 2,9 Prozent an. Das geht aus der Studie Global AdView Pulse hervor, die das Medien- und Marktforschungsunternehmen Nielsen turnusmäßig erhebt.

Anzeigen-Entwicklung: TV und Radio wachsen, Zeitschriften und Zeitungen verlieren

Besonders auffällig sind zwei Entwicklungen: Zum einen fällt die relative Stärke zweier klassischer Segmente auf, denen im Internetzeitalter eine schwere Zukunft prognostiziert wurde. So  kann der Fernsehmarkt weltweit im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um beeindruckende 8 Prozent zulegen, während das Radio-Segment es immerhin noch auf ein Plus von zwei Prozent bringt.

Deutlich unter Druck befindet sich dagegen das Print-Segment: So brachen die Werbeschaltungen im dritten Quartal um 6 Prozent bei den Zeitschriften bzw. um knapp 4 Prozent bei den Zeitungen ein.  

Wachstumstreiber Asien: Aufstieg zum weltgrößten Werbemarkt

Dieser Trend konnte auch nicht von der weiterhin kräftigen Nachfrage der boomenden Schwellenländer im asiatischen Markt aufgefangen werden, die zum Großteil zweistellige Zuwächse im Werbemarkt auswiesen (China und Indonesien + 17 Prozent, Hongkong + 13,0 Prozent). Auf dem Werbeweltmarkt ist die Region Asien-Pazifik-Raum damit an den USA vorbeigezogen und zur weltweiten Nummer eins aufgestiegen.  

Allerdings erscheint es für den Rest der Welt zum Auftatmen zu früh: Der gegenwärtige Aufwind ist nämlich nicht nur dem Boom Asiens geschuldet – sondern zu einem Gutteil auch noch Sonderfaktoren. So dürften vor allem die Olympischen Spiele einen maßgeblichen Anteil an den anziehenden Einnahmen im TV-Markt gehabt haben – ebenso wie die der US-Präsidentschaftswahlkampf, der  dem nordamerikanischen Werbemarkt so gegen den Markttrend ein Plus von 3,1 Prozent bescherte.

Werbekrise erreicht Europa

Zum Vergleich: In Europa gingen die Werbeausgaben um knapp 6 Prozent zurück – in sechs der größten zehn europäischen Länder, die von Nielsen Global AdView Pulse beobachtet werden, reduzierten sich die Ausgaben. Besonders dramatisch fiel der Aderlass in Spanien und der Türkei aus, wo die Anzeigen-Schaltungen um 22 bzw. gar 37 Prozent einbrachen.  

Ebenso zu berücksichtigen: Die jüngsten  Nielsen-Erhebungen beziehen sich auf das dritte Quartal, in dem die weltweite Finanzmarktkrise erst in den letzten beiden Wochen nach der Pleite von Lehman Brothers vollends ausgebrochen war. Wie es um die zyklische Werbebranche tatsächlich bestellt ist, dürfte erst in einigen Monaten klarer werden, wenn die Daten für das abgelaufene dritte Quartal vorliegen.    

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