Verlage planen Klage gegen Google

Eine Allianz deutschsprachiger Interessenvertreter will gegen Googles Buchdigitalisierung vorgehen. Die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort), der Verband deutscher Schriftsteller (VS), der Börsenverein des Deutschen Buchhandels (BDB) und der Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verband kritisieren die bevorstehende Urheberrechtsverletzung scharf. Google hat rund sieben Millionen Bücher in den größten amerikanischen Bibliotheken eingescannt, darunter zehntausende deutscher Werke.

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Der Internetkonzern plant, die Urheberrechtsfrage mit einem Vergleich zu legalisieren. Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins erklärt: „In der Geschichte des Urheberrechts sind noch nie sieben Millionen Bücher ohne Genehmigung der Rechteinhaber von einem kommerziellen Unternehmen zur eigenen Nutzung vervielfältigt worden. Wir müssen und werden dafür sorgen, dass es dabei in den USA nicht zu einer kalten Enteignung deutscher Rechteinhaber kommt.“

Diese Regelung ist für die Allianz inakzeptabel. Robert Staats, Geschäftsführer der VG Wort: „Wir wollen erreichen, dass kein deutscher Autor und Verlag Rechte verliert.“

Der Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller, Imre Tötök, sagte: „Die ‚amerikanische‘ Lösung‘ kommt einem Ausverkauf von Urheberrechten gleich und gefährdet die soziale und ökonomische Lage der Autoren existentiell.“

VG Wort als Speerspitze des Protest

Laut einer Erklärung des VS lotet die Allianz zur Zeit noch „die Möglichkeiten eines wirkungsvollen Handelns für alle in Deutschland betroffenen Urheber und Verlage“ aus. Dazu sei Anfang Januar ein Rechtsgutachten erstellt worden. Konkrete juristische Schritte wurden noch nicht genannt. Allerdings soll die deutsche VG Wort vorerst die Riege der Kläger anführen. In einem Artikel aus der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „politik und kultur“ des Deutschen Kulturrates heißt es:

„Der Börsenverein schlägt vor, dass die deutschen Urheber und Verlage die VG Wort – mittels einer Erweiterung von deren Wahrnehmungsvertrag, die vor dem 5. Mai 2009 erfolgen muss – gemeinsam mit der Wahrnehmung aller ihrer Rechte aus dem Google Settlement beauftragen. Die VG Wort könnte dann (ggf. zusammen mit anderen europäischen Verwertungsgesellschaften) zunächst einen amerikanischen Anwalt mit der Erhebung von bestimmten, für deutsche Rechteinhaber virulenten Einwänden gegen den Vergleichsvorschlag beauftragen.“ Verfasst wurde dieser Artikel von Christian Sprang, der wiederum der Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ist.

Amerikanisches Modell wird geprüft

Noch im vergangenen Jahr beendeten der amerikanische Autorenverband Authors Guild und die Association of American Publishers den Streit um Urheberrechte. Google zahlte damals 125 Millionen Dollar. Die Einigung sorgte dafür, dass User zukünftig auch in geschützten Büchern suchen dürfen. Im Gegenzug beteiligt Google die Autoren an den Werbeeinahmen aus der Büchersuche.

Bis Februar soll, auch in Absprachen mit österreichischen und schweizerischen Verwertungsgesellschaften, ein Lösungsvorschlag vorliegen, der dann den 400.000 angehörigen Autoren und Verlagen unterbreitet werden soll.

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