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300 Sat.1-Mitarbeiter streiken in Berlin

Sat.1 wird in Berlin bestreikt: Rund 300 Mitarbeiter marschieren in einem Protestzug zum Sendergebäude in der Jägerstraße. Die Gewerkschaften DJV und Verdi haben zu dem Streik aufgerufen, der bis Mittwoch 24 Uhr andauern soll. Grund sind stockende Verhandlungen von Gewerkschaften und Betriebsrat mit der Konzernleitung wegen des Umzugs nach München. Auswirkungen auf das Sat.1-Programm wird der Streik zunächst nicht haben. Ob aktuelle Sendungen planmäßig laufen können, ist noch unklar.

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Betroffen sind die beiden aktuellen Sendungen Sat.1 Frühstücksfernsehen“ und das Magazin um 18 Uhr. Laut Sendersprecherin Kristina Faßler ist wegen des Ausstandes unklar, ob beide Sendungen planmäßig produziert und ausgestrahlt werden können. Der Sender sei aber auf jedes Szenario vorbereitet. Die Arbeitnehmervertreter wollen die Konzernleitung mit ihrem Ausstand zu Zugeständnissen zwingen. „Wir streiken, weil die Geschäftsführung die Verhandlungen über Reorganisation und Verschiebung des Senders blockiert hat. Unter anderem auch die Forderung der Betriebsräte auf Basis der alten Verträge“, sagte Rychard Podkaliski, Betriebsrat Sat.1 Produktion, zu MEEDIA.

Bisher zeigt sich die Konzernführung allerdings hart. ProSiebenSat.1 hat den vom Umzug betroffenen Sat.1-Mitarbeitern ein recht großzügiges Angebot gemacht, das allerdings nur bis Ende Januar gilt. Wer sich bis dahin für den Umzug entscheidet, bekommt 10.000 Euro Turbo-Prämie, das bisherige Gehalt plus einen Zuschlag und der Sender zahlt Makler- und Renovierungskosten, die beim Umzug anfallen. Wer sich nicht für das Angebot entscheidet, ist auf den Sozialplan angewiesen, der noch nicht ausgehandelt wurde. 225 Stellen werden insgesamt abgebaut.

Die Gewerkschaften fordern vor allem auch mehr Zeit für die Mitarbeiter, sich zu entscheiden. Kathlen Eggerling von Verdi Berlin zu MEEDIA: „Der Vorstand ist absolut nicht bereit, auf die Vorschläge seiner Mitarbeiter einzugehen. Die Inhalte der alten Sozialpläne wurden nicht übernommen. Die Mitarbeiter sollen wenigstens bis zum 30. Juni Zeit haben, sich für oder gegen einen Umzug zu entscheiden.“ Kaum vorstellbar, dass ProSiebenSat.1 darauf eingeht. Bis Juni will der TV-Konzern den gesamten Umzug bereits über die Bühne gebracht haben.

Sat.1-Sprecherin Faßler betonte gegenüber MEEDIA, dass die Verhandlungen über den Sozialplan am vergangenen Freitag von der Arbeitnehmerseite aus abgebrochen worden seien. „Die Geschäftsführung ist nach wie vor zum Dialog bereit“, so Fassler. Die Gewerkschaften und der Betriebsrat drängen darauf, dass ein Sozial-Tarifvertrag abgeschlossen wird, der für alle Betroffenen gilt. Dies hat die Konzernführung auf bisherigen Betriebsversammlungen abgelehnt. Weitere Forderungen der Arbeitnehmer-Vertreter sind, der Erhalt von mehr Arbeitsplätzen in Berlin und eine Beschäftigungsgarantie über mindestens drei Jahre.

Im Jahr 2008 lag der Sat.1-Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe bei 10,8% – das waren 0,2 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2007. Die oberflächlich betrachtet positive Entwicklung täuscht allerdings etwas darüber hinweg, dass es auf vielen wichtigen Programmplätzen Probleme gibt. Die Neugestaltung des Vorabends mit der Telenovela „Anna und die Liebe“ ist bisher nicht in Fahrt gekommen, besonders die einstigen Quotengaranten „Lenßen & Partner“ und „K 11“ schwächeln enorm. In der Prime Time hagelte es zuletzt bei wichtigen Neuentewicklungen Misserfolge. So floppten die Serien „Plötzlich Papa“ und „Dr. Molly & Karl“ ebenso wie Hugo Egon Balders „Wow! Die Eventshow-Reihe“. Ende Januar steht die nächste Reihe von wichtigen Neustarts an: die eigenproduzierte Krankenhausserie „Klinik am Alex“ und der neue Freitagabend aus neuen „Schillerstraße“-Folgen mit Jürgen Vogel und der Show „Mister Perfect – Der Männertest“. Hier müssen Quotenerfolge her – auch weil mit aktuell erreichten 10,2% ansonsten der schlechteste Januar seit über 15 Jahren droht.

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