Traum-Arbeitgeber Google – von wegen!

Online-Primus Google gilt als der Traum-Arbeitgeber schlechthin. Die Geschichten von Aktien-Optionen, die Mitarbeiter zu Millionären machten, und vom kalifornischen Googleplex samt Fitness-Studio und kostenlosem Luxus-Essen sind legendär. Das US-Blog TechCrunch veröffentlichte nun Berichte von Google-Mitarbeitern, die gekündigt haben. Sie beklagen sich über quälend langsame Einstellungsverfahren, unterdurchschnittliche Bezahlung und ein demotivierendes Management.

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Die Berichte der frustrierten Ex-Google-Mitarbeiter stammen vom Suchmaschinen-Riesen selbst. Laut „TechCrunch“ hat die Personalabteilung von Google im Jahr 2008 eine geschlossene Diskussionsgruppe gestartet und Ex-Mitarbeiter nach den Gründen für ihre Kündigung befragt. Einige dieser Berichte fanden nun ihren Weg an die Öffentlichkeit.

Die meisten Ehemaligen beklagen sich über den quälend langsamen Auswahlprozess bei der Einstellung. Google brauche teilweise bis zu sechs Monate und über ein Dutzend Interviews an verschiedenen Orten, um sich für oder gegen einen Mitarbeiter zu entscheiden. Ein Grund für den langsamen Auswahlprozess soll laut Firmen-Legende sein, dass Gründer Larry Page sich noch persönlich jede Bewerbung anschaut. „Sollte Larry Page tatsächlich noch Lebensläufe lesen, so sollten die Aktionäre dagegen rebellieren. Das ist eine skandalöse Zeitverschwendung und die Tatsache, dass es ,schrullig‘ ist, macht die Sache nicht besser“, beklagt sich ein Ex-Google-Mitarbeiter.

Ein weiterer häufig genannter Kritikpunkt ist die oft unterdurchschnittliche Bezahlung. „Ich nahm eine deutliche Lohn-Minderung in Kauf, um für Google zu arbeiten. Das Umzugspaket war schlecht“, schreibt einer. Auch werden deutliche Unterschiede zwischen der Zentrale, dem berühmten Googleplex im kalifornischen Mountain View, und den Außenstellen in allen möglichen Ländern moniert. „Ich habe sehr schnell herausgefunden, dass Google international nicht dasselbe ist wie Google in den USA. Die Bezahlung war viel zu niedrig, um in Singapur überleben zu können“, schreibt eine Ex-Mitarbeiterin aus der asiatischen Metropole. Viele kritisieren auch, dass es quasi unmöglich sei, sich mit Ideen einzubringen, wenn man nicht vor Ort in der Zentrale sitzt.

Die berühmten Zusatzleistungen des Konzerns scheinen auch nicht mehr ganz das zu sein, was sie mal waren. So seien beispielsweise die Mini-Küchen in jedem Google-Gebäude in der Vergangenheit aus Kostengründen drastisch zurückgefahren worden. Ex-Mitarbeiter regen sich darüber auf, dass das Streichen solcher Annehmlichkeiten Peanuts seien im Vergleich zu den Milliarden-Gewinnen, die Google nach wie vor einfährt.

Ebenfalls kritisiert wird die Arbeitsatmosphäre. Zahlreiche Ehemalige berichten über missliebige Manager, die ihnen die Arbeit vermiest hätten und eine Sekten-Stimmung. „Sobald ich drinnen war, hatte ich das Gefühl, von einem gigantischen Borg verschlungen worden zu sein. Ich fühlte mich, als ob ich nicht länger existiere, überall wuselten nur Leute mit ihren Laptops herum“, schreibt eine Ex-Angestellte. Es habe außerdem unterschwelligen Druck gegeben, nach dem kostenlosen Google-Abendessen noch ein paar Stunden in der Firma „abzuhängen“. Egal ob produktiv oder nicht.

Ärger über schlechte Bezahlung, Frust über das Zusammenstreichen der Kaffeeküche, blöde Kollegen, miesepetrige Vorgesetzte und der Gruppenzwang zum Show-Sitzen nach Feierabend. Scheint so, als sei aus Google eine stinknormale Firma geworden.

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