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Scholl-Latour: ‚Ich wurde in die Falle gelockt‘

Peter Scholl-Latour, einer der größten und welterfahrensten deutschen Journalisten, hatte keine Lust mehr. "Das ist dilettantisches Geschwätz", polterte der 84-Jährige am Freitagabend in der öffentlich-rechtlichen Talkshow "3 nach 9". Es ging um den den Krieg im Gaza und die Propaganda einer eigentümlichen Israel-Botschafterin auf Zeit. Diese hatte mit plumper Agitation Scholl-Latour in ein Israel-feindliche Ecke gestellt. Peinlich: "Zeit"-Chef Giovanni di Lornenzo sah dem tatenlos zu.

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Für jeden, der die Lebensleistung von Peter Scholl-Latour bewundert, war es bemitleidenswert mitansehen zu müssen, wie der 84-Jährige von einer 28-Jährigen vorgeführt wurde, ohne dass die Moderatoren eingriffen. Melody Sucharewicz hatte den Titel „Beraterin für Internationale Beziehungen“ in einer israelischen Casting-Show gewonnen und nutzte die Sendezeit, ungebremst Scholl-Latour Anti-Israelismus und den deutschen Medien Parteilichkeit für die Palästinenser zu unterstellen.
Gastgeberin Amelie Fried schien intellektuell mit dem Konflikt im Nahen Osten ebenso überfordert wie mit dem im Studio, selbst der Top-Journalist Giovanni di Lorenzo gab eine schlechte Figur ab. Denn obwohl Scholl-Latour auf die Frage nach dem Gaza-Konflikt erklärte: „Die Runde hier ist zu fröhlich und zu locker, als dass ich darüber reden wollte“, hakten die Moderatoren nach. Scholl-Latour antwortete, aber offensichtlich war die Wahrheit zu unbequehm. Nämlich dass  der Staat Israel mit seiner so genannten Offensive einen großen Fehler begehe, indem statt der Hamas, die bekämpft werden soll, eine seit Jahrzehnten „wie in der Sardinenbüchse zusammengepferchte“ Bevölkerung trifft. Ein Fehler, der Israel, so Scholl-Latour, letztlich selbst schweren Schaden zufügen wird.
Dies ist die Position zahlreicher unabhängiger Experten und auch die der Uno, die Israel per Resolution zum Rückzug aus Gaza aufgefordert hat. „Zeit“-Chef di Lorenzo hatt Scholl-Latour als letzten „Welterklärer“ vorgestellt. Der 84-Jährige dürfte seinen Besuch bei Radio Bremen schnell bereut haben. Denn von der Einladung der jungen Deutsch-Israelin, die den Militäreinsatz als legitim bezeichnete und die behauptet, dass die deutschen Medien „schweigen, wenn es Opfer in Israel gibt“, hat Scholl-Latour nichts gewusst.
Vielleicht hätten aber auch die „3nach9“-Moderatoren mal im Vorfeld recherchieren sollen, welche „Expertin“ sie neben Scholl-Latour in die Sendung geladen hatten. Treffer Nummer eins bei Google ist ein Interview der damals 26-Jährigen mit dem Jugendmagazin „Jetzt“. Darin erklärt Melody Sucharewicz ihre Aufgabe als „Botschafterin“ so: „Ein verfälschtes Bild von Israel, wie es von den Medien kreiert wird, kann gefährlich werden. Deshalb gibt es meinen Job. Wir haben in diesem Medienkrieg bisher nicht genug performt.“ Am Freitagabend bei „3nach9“ war das anders.

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