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Juristischer Ärger für „Zeitungszeugen“

Das neue Sammelwerk "Zeitungszeugen", das seit dem 8. Januar am Kiosk erhältlich ist, bekommt Ärger. Der bayerische Staat, der die Rechte an allen Nazi-Publikationen hält, will dem "Zeitungszeugen"-Verlag verbieten, Zeitungen wie den "Völkischen Beobachter" nachzudrucken. Die noch erhältliche erste Ausgabe von "Zeitungszeugen" soll sogar eingezogen werden.

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„Zeitungszeugen“ war am 8. Januar erstmals erschienen, die zweite Ausgabe ist für den 22. Januar geplant. Konzept des Sammelwerks ist es, die Zeit zwischen 1933 und 1945 durch beigelegte Originalnachdrucke von damals erschienenen Tageszeitungen zu dokumentieren. Angesehene Historiker und Experten begleiten mit Artikeln in einem Manteilteil die Nachdrucke, damit sie nicht ohne Einordnung für sich stehen. Die Startauflage der „Zeitungszeugen“ betrug 300.000.

Das bayerische Finanzministerium teilte „Spiegel Online“ nun mit, dass es „untersagt, dass im Rahmen der Zeitung ‚Zeitungszeugen‘ nationalsozialistische Zeitungen veröffentlicht werden“. Der bayerische Staat besitzt seit Kriegsende die Lizenzrechte an Nazi-Publikationen, inklusive der Zeitungen und Bücher wie „Mein Kampf“. Die Untersagung, Blätter wie „Der Angriff“ oder den „Völkischen Beobachter“ nachzudrucken, geschehe aus Respekt vor den Opfern des Holocaust, sowie als Vorbeugung vor dem Verbreiten nationalsozialistischen Gedankengutes.

Die noch nicht verkauften Exemplare der „Zeitungszeugen“-Erstausgabe sollen nun von den Kiosken eingezogen werden und der britische Verlag Albertas Ltd. soll eine Unterlassungserklärung abgeben. „Zeitungszeugen“-Chefredakteurin Sandra Paweronschitz sagte zu „Spiegel Online“, dass sie „mit diesem Fall gerechnet“ habe. Man teile jedoch nicht die Meinung des bayerischen Finanzministeriums und habe bei Gericht eine Stellungnahme des Verlags eingereicht. Zudem sei völlig unklar, ob der bayerische Staat die alleinigen Rechte überhaupt jemals besessen habe – und ob diese Rechte nach 70 Jahren überhaupt noch gültig sind.

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