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Stunde Null: Apple ohne den iGod

Der Tag X ist da: Als Apple-Anhänger heute aufwachten, war nichts mehr, wie es einmal war. Buchstäblich über Nacht ist eine neue Ära angebrochen – die Ära nach Steve Jobs. Ob der charismatische Apple-Gründer nach seiner Auszeit zurückkommen kann, erscheint ungewiss – ebenso wie die Frage, wie Apple wie Lücke ihres visionären Gründers schließen will. So gut der Computerhersteller auch aufgestellt zu sein scheint – ohne Jobs dürfte es für Apple schwer werden, die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben.

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Der Schock ist groß: Steve Jobs wird Apple bis Ende Juni fehlen. In einer so schnelllebigen Branche wie dem IT-Sektor ist das eine halbe Ewigkeit, auch wenn Jobs in die strategischen Entscheidungen miteingebunden sein will, wie er in der Mitteilung an seine Mitarbeiter erklärte.

Ganz gleich, ob der charismatische Apple-Gründer noch einmal auf den Vorstandsvorsitz zurückkehrt – was ihm wohl jeder nur allzu sehr wünschen wird! – oder nicht: Für das fanatisch verehrte Technologieunternehmen aus Cupertino ist damit schlagartig die Stunde Null angebrochen – die Ära, in der sich Apple ohne den Geist seines Gründers bewähren muss. Denn auch wenn Jobs seine Erkrankung auskuriert haben sollte, wäre es denkbar, dass er sich aus dem operativen Geschäft zurückzieht, wie es Microsoft-Gründer Bill Gates vorgemacht hat.

Dauerhafter Führungswechsel? Steve Jobs und Tim Cook (li.)

Noch immer ranken sich wilde Gerüchte um die Form von Jobs’ Erkrankung: Ist der Krebs zurück? Ist er gar weit fortgeschritten? Oder handelt es sich doch „nur“ um Spätfolgen der ersten Operationen im Zuge der Tumorentfernung der an der Bauchspeicheldrüse? All das sind pure Spekulationen – und sie sind vor allem eines: ziemlich pietätlos.

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Möglich ist auch, dass Jobs wieder vollkommen gesundet, während dieses Prozesses aber zur Einsicht gelangt, dass der Zeitpunkt zur Stabübergabe längst gekommen ist – etwa, weil Jobs einsieht, künftig kürzer treten zu müssen und Tim Cook gleichzeitig seine halbjährige Bewährungsprobe nutzt wie ein Co-Trainer, der von Sieg zu Sieg eilt und dann zum Cheftrainer befördert wird. Jobs ist 53, gläubiger Buddhist und in seinem Leben schon durch manch eigenwillige Entscheidung aufgefallen.

Und natürlich hat er sich längst mit der Möglichkeit seiner Demission beschäftigt. „Es gibt da einige Leute, die behaupten: ‚Oh mein Gott, Apple wäre schlecht dran, wenn ich vom Bus überfahren werde’“, diktierte der 53-Jährige in einem seiner wenigen Exklusivinterviews dem Fortune-Magazine vor knapp einem Jahr. „Wissen Sie: Es wäre vermutlich keine Party, aber es gibt wirklich fähige Leute bei Apple“.

Das bezweifelt niemand. Das Management-Team von Apple ist so gut aufgestellt wie wenig andere – vielleicht kein anderer – Technologiekonzerne. Aber so smart Tim Cook, Phil Schiller und der Design-Guru Jonathan Ive auch sein mögen – sie werden Jobs nie ersetzen können.

Die Produktpipeline ist noch voll und kann mit Upgrades der iMacs, iBooks, iPods und iPhones weitere zwei, drei Jahre ausgeschöpft werden, ohne dass große Einbrüche zu befürchten wären. Doch eine Erfolgsgeschichte des Ausmaßes der letzten 12 Jahre, in denen einige der bahnbrechendsten Innovationen der Technologiegeschichte vorgestellt wurden, auch im nächsten Jahrzehnt fortschreiben zu können, wird ohne Jobs sehr, sehr schwierig.

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