Kündigungsverzicht bei WAZ realistisch

Wende im Personal-Drama der WAZ: Noch im Dezember glaubte niemand, dass der radikale Sparkurs der Mediengruppe ohne Kündigungen durchzusetzen wäre - immerhin sollen fast 300 Stellen abgebaut werden. Nun scheint Harmonie zwischen Geschäftsführung und Arbeitnehmern zu herrschen. Im Gewerkschaftsblog der WAZ heißt es, die Betriebsräte gingen davon aus, dass der Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen möglich ist.

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Demnach hält der Konzern sein Versprechen, sozialverträglich vorzugehen. Statt Entlassungen soll der Stellenabbau komplett über Teilzeit-Modelle oder über freiwilliges Ausscheiden erreicht werden. Wörtlich heißt es: „Die Betriebsräte gehen deshalb davon aus, dass der geplante Personalabbau ohne den zunächst angekündigten harten Schnitt, also ohne betriebsbedingte Kündigungen, möglich sein kann“. Medienmoral-nrw zitiert aus einem Informationspapier, dass die Betriebsräte der WAZ-Gruppe noch im Dezember verfasst haben.
„Alles bloße Hoffnungen“, ist aus dem Umfeld des WAZ-Betriebsrats zu hören. Ausschlaggebend für die Wende in der Bewertung scheint aber Geld zu sein. Die Abfindungen, die Geschäftsführer Bodo Hombach nun in Aussicht stellt, sollen großzügig ausfallen. „Es gibt soviel, dass mancher Mitarbeiter sich sagen wird: ‚O.K., das Angebot kann ich annehmen!‘.“

Die attraktiven Abfindungen bewegt sich für den Betriebsrat der „Neue Ruhr/Rhein Zeitung“ (NRZ), Markus Peters, durchaus im Rahmen des Erwartungen: „Wir sind von den finanziellen Angeboten nicht überrascht worden; wir haben hart und gut verhandelt.“

Auch zum Stellenabbau, der womöglich nicht so radikal wie befürchtet ausfällt, äußert sich Peters gelassen: „Wenn man sich Realitätssinn bewahrt hat, dann weiß man, dass das nicht alles so realisiert werden kann wie geplant. Der Personalabbau wird vermutlich geringer ausfallen.“

Die WAZ-Gruppe hat sich ein anspruchsvolles Sparziel gesetzt: 30 Millionen Euro pro Jahr. Die Umternehmensberatung Schickler empfahl in diesem Zusammenhang, die Belegschaft um fast 300 Mitarbeiter zu reduzieren – oder gar die gesamte Redaktion der „Westfälischen Rundschau“ aufzugeben.Diese Möglichkeit kam für die Geschäftsführung allerdings nicht in Frage.

Um das Ziel zu erreichen, muss allerdings nicht nur Personal abgebaut werden. Der Trend geht zu Zentralredaktionen, gemeinsamen Mantelteilen, die „WAZ“hat den Newsroom – für Print und Online – eingeführt. Dazu verzichtet sie auf die kostspieligen Dienste der Deutsche Presseagentur dpa. Die Verträge sowohl der vier Zeitungsredaktionen, als auch des Online-Portals DerWesten liefen Ende 2008 aus.

Noch bei der Mitgliederversammlung am 5. Dezember sind Ängste vor Kündigungen keineswegs ausgeräumt worden. Geschäftsführer Bodo Hombach versprach lediglich, „ein Maximum an Sozialverträglichkeit“ anzustreben.

Wann konkrete Ergebnisse zum Personalabbau bei der WAZ-Gruppe zu erwarten sind, steht noch nicht fest. Ende Januar oder Anfang Februar werden die Betriebsräte die Mitarbeiter über die Angebote informieren. Es bestehe großes Interesse an Altersteilzeit-Modellen, erklärt Peters. Ende März werde dann definitiv klar sein, ob man auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten kann.

Eine Prognose mag der Betriebsrat Markus Peters indes nicht abgeben: „Ich tippe auf Bundesliga-Ergebnisse, nicht auf die von Vertragsverhandlungen.“

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