Apples 25. Macworld: Ein kalkulierter Tiefpunkt

Die letzte Keynote der letzten Macworld ist Geschichte. Marketingvorstand Phil Schiller machte dabei durchaus eine gute Figur. Die Enttäuschung war dennoch recht groß: Wohl nie hat Apple so wenig neue bahnbrechende Produkte präsentiert wie gestern - neue Software und ein MacBook Pro. Auf den zweiten Blick erscheint das jedoch gewollt: Der Computerpionier behält seine Trümpfe damit weiter in der Hinterhand – nämlich für das Frühjahr, wenn CEO Steve Jobs wieder in die Öffentlichkeit treten soll.

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Das war’s also. Die letzte Keynote der letzten Macworld ist Geschichte. Es braucht keinen ausgewiesenen Apple-Experten, um sie einzuordnen: Es war die schwächste Keynote des laufenden Jahrzehnts, die schwächste Keynote seit der Rückkehr von Steve Jobs zu Apple – ja:  vermutlich die schwächste Keynote aller Zeiten.

Das lag gar nicht mal am bemühten Interims-Keynote-Speaker Phil Schiller. Der Apple-Marketingchef war zunächst sichtlich nervös, hat sich im Verlauf der Präsentation dann aber doch wacker geschlagen – so wacker, dass das Technologieportal „Alley Insider“ zum Ritterschlag ausholt: „Apples Nummer zwei ist um einiges besser als die CEOs der meisten Technologieunternehmen – wenn nicht jedes Technologieunternehmens.“

Woher also die Enttäuschung? Sie war kalkuliert. Mit den – zugegeben: interessanten – neuen Softwarepaketen, der Vervollständigung der MacBook-Reihe und dem Wegfall des Kopierschutzes bei iTunes hatte Apple so wenig zu präsentieren wie nie. „Mit dieser Keynote hat Apple deutlich gezeigt, dass es unflexible Messetermine zur Veröffentlichung neuer Produkte wenig schätzt“, folgert das Apple-Blog Mac-Essentials.de.

Einzig neues Hardware-Produkt: Das MacBook Pro „17

Entsprechend ist der Rückzug von der Macworld auch zu verstehen. Apple will sich den Zeitpunkt der Produktvorstellungen nicht mehr von der Messe diktieren lassen, sondern seinen eigenen Rhythmus setzen. 3,7 Millionen Besucher in den Apple Stores beweisen, dass der Computerpionier kein einmaliges Event benötigt, um Aufmerksamkeit zu generieren.

Entsprechend logisch erscheint nun auch der Rückzug von Steve Jobs. So schmerzlich man den 53-jährigen Meister der Rhetorik gestern auch vermisste: Man hätte sich Jobs auf der Bühne des Moscone Centers gestern nicht so recht vorstellen mögen – in angeschlagener Verfassung bei der Präsentation von Tabellenkalkulationssoftware, einem Loblied auf das grünste MacBook aller Zeiten, das sich vor allem durch seine Laufzeit von 8 Stunden auszeichnet? Keine neuen Hardware-Coups: Keine neuen iMacs, keine Tablet Macs, kein „Riesen iPod“ – nicht mal ein überholtes MacBook Air, ein neuer Mac mini oder die lang erwartete Generalüberholung von AppleTV. Nichts. Nothing. Nada. Rien.  Das hätte böse Schlagzeilen nach sich gezogen.

Böse Zungen könnten aber auch so mit Fug und Recht behaupten, die Keynote der letzten Macworld wäre eine glatte Frechheit. Experten des Computermarktes dürften indes darauf verweisen, dass das Unternehmen so gut aufgestellt ist wie nie zuvor. Binnen der letzten 15 Monate hat sich Apple einmal komplett rundum erneuert. Im Herbst 2007 wurden neue iMacs vorgestellt, im Juli letzten Jahres das neue iPhone, im September neue iPods, im Oktober schließlich die MacBooks. Mit einem Wort: Die Produktlinie ist komplett.

Begehrte Apple-Produkte: Wann kommt die Generalüberholung?

Warum also sein Pulver im schwierigsten konjunkturellen Umfeld der letzten Jahrzehnte gleich verfeuern, wenn das Jahr in der Technologiebranche lang und schmerzvoll werden dürfte? Angesichts von 1,1 Milliarden Dollar, die Apple im vergangenen Jahr in Forschung und Entwicklung gesteckt hat, erscheint die Annahme naiv, dass das Technologieschwergewicht aus Cupertino in den kommenden Monaten nicht mit großen Neuerungen aufwarten könnte.  

Apples Roll-out könnte folgendermaßen aussehen: Neue Mac minis, wenn sie denn noch mal kommen sollen, in der ersten Hälfte des laufenden Jahres – ebenso wie AppleTV, das nach einer Generalüberholung und einem europaweiten Start des Content-Angebots im Movie Store schreit. Pünktlich zum zweiten Geburtstag des iPhones dürfte Anfang Juli dann die viel erwartete Neuversion 4G bzw. die iPhone-Familie folgen. Zum vierten Quartal dürfte Apple dann noch mal aus allen Zylindern feuern: Ein Relaunch der iPod-, MacBook, und vor allem iMac-Serie wäre in 2009 noch zu erwarten.     

So herum betrachtet war die Keynote damit durchaus ein Erfolg. Sie war nämlich der kalkulierte Tiefpunkt, aber der wurde an den Kapitalmärkten erstaunlich gut verkraftet. Im Gegensatz zum Vorjahr, als die Aktie nach Vorstellung des weitaus spannenderen MacBook Airs um mehr als 10 Prozent einbrach, fiel Reaktion der Wall Street auf die Keynote mit einem Minus von zwei Prozent wie die Keynote selber aus – sie war ein Nonevent.

Und weil es davon bei Apple nur wenige gibt, blicken Apple-Aficionados bereits jetzt sehnlichst Richtung Frühjahr, wenn alles besser werden sollte – die Temperaturen,  Steve Jobs Gewicht und neue Apple-Produkte. Entsprechend vielsagend setzte Tony Bennett gestern bereits den Ton: „The best is yet to come“. 

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