Warum es G+J besser geht als vielen Anderen

Zwei News ließen Mittwoch die Server der Medien-Dienste zusammenbrechen: „G+J kündigt über 100 Mitarbeitern“ und „G+J stellt Park Avenue ein“. „Ein trauriger Tag für den deutschen Journalismus“ kommentiert das „Handelsblatt“, „Ein ganz harter Schnitt“ fand die „FAZ“ „Dark Avenue“ titelt die „Süddeutsche“. Was in nächster Zeit kommen wird, ist klar: Betriebsrat und Medien werden über G+J herfallen. Doch viele Ursachen für die drastischen Maßnahmen sind nicht hausgemacht.

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Zwei Meldungen ließen gestern die Server der Medien-Dienste zusammenbrechen: „G+J kündigt über 100 Mitarbeitern“ und „G+J stellt Park Avenue ein“. „Ein trauriger Tag für den deutschen Journalismus“ kommentierte das „Handelsblatt“, „Ein ganz harter Schnitt“ fand die „FAZ“ „Dark Avenue“ titelte die „Süddeutsche“. Was jetzt die nächsten Tage und Wochen kommen wird, ist klar: Mitarbeiter, Betriebsrat und Medien werden über G+J herfallen.
Man wird den G+J-Verantwortlichen „Missmanagement“ vorwerfen und dem Vorstand das Überleben schwer machen. Etwa so: „Deutsche Verlagsmanager sind …Vegetarier, die ein Steakhaus führen wollen.“

Dabei übersieht man schnell:

– die größten Probleme, mit denen G+J zu kämpfen hat, sind nicht hausgemacht. Der Siegeszug vom Internet und die neue Kostenlos-Kultur sind für Medienkonzerne, die vom Verkauf ihre Produkte leben, geradezu fatal. Und dass dann on top noch eine Finanzkrise mit anschließender Rezession hinzukommt, auch dafür kann man das G+J-Management nicht verantwortlich machen

– G+J steht weitaus besser da als viele andere Konzerne. Europas größter Zeitschriften-Verlag erzielt nach wie vor ordentliche Gewinne. Andere Häuser wie Burda, Bauer oder Jahreszeiten veröffentlicht ihre Bilanzen nicht, und das dürfte einen Grund haben. Eines der Hauptprobleme von G+J, das am Baumwall keiner öffentlich  auszusprechen wagt, heißt Bertelsmann. Der klamme Gütersloher Riese gibt Renditeziele vor, die in Zeiten von Finanz- und Wirtschaftskrise unrealistisch sind

– kein anderer Verlag schafft es so gut wie G+J, Erfolgstitel über die lange Zeit am Leben zu halten. Dem „Stern“ geht es noch immer vergleichsweise gut und auch die anderen beiden große Umsatzbringer „Brigitte“ und „Geo“ verdienen Geld.

– in Sachen Internationalisierung ist G+J vorbildlich. Der Auslandsumsatz von Konzern beträgt inzwischen über 50%, und damit ist man den Konkurrenten Springer, Burda, Bauer und Holtzbrinck deutlich voraus. Auch das ist eine Leistung vom viel gescholtenen Management.

Sicher, die Verantwortlichen vom Baumwall haben in den letzten Jahren auch Fehler gemacht:

der Konzern ist in keiner Weise innovativ. Die Neuerscheinungen der letzten Jahren waren alle ziemlich schwach. Noch immer sind die internen Entscheidungswege zu lang, noch immer reden zu viele Leute bei neuen Ideen mit. Ein externer Kreativ-Wettbewerb wie„Grüne Wiese“ wirkt da fast wie eine Bankrotterklärung.

der Konzern hat zu wenig Internet-Affinität. Was man online beim „Stern“, aber auch bei den Wirtschaftstitel verpasst hat, das ist ein Trauerspiel. Burda, Springer und Holtzbrinck sind da weiter. Aber international befindet sich G+J in guter Gesellschaft. Auch Time Warner, der größte Medienkonzern der Welt, tut sich unendlich schwer mit dem Internet. Der Grund: die Entscheidungsträger sind zu alt und haben kein Gefühl fürs jugendliche World Wide Web.

So ist es natürlich schwer, einen Konzern zukunftsfit zu machen, wenn man auf den beiden Hauptfelder von Morgen – neue Objekte und Internet – schwächelt.

Ein ehemaliger G+J-Vorstand, der es wissen muss, hat mir neulich gesagt, bei G+J lebe man noch immer „wie im Paradies“. Man könne die Kosten des Konzerns mühelos um 25-30% senken, ohne auf der Erlösseite viel zu gefährden. Und das ist die eigentliche Stärke von G+J: man hat noch erhebliche Reserven auf der Kostenseite. Während andere Häuser in die roten Zahlen rutschen, verdient man bei G+J eben etwas weniger.

Bei der ganzen aktuellen Diskussion sollte man deshalb nicht vergessen: G+J ist noch immer ein immens potenter Medienkonzern. Ein Großteil der aktuellen Schwierigkeiten sind Strukturprobleme der Branche. Und seine Mutter kann man sich nicht aussuchen. Was dem Konzern allerdings ganz gut zu Gesicht stände: ein paar frische Ideen und vor allem Internet-Knowhow.

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