Venture Capital fürs Internet vor dem Aus?

Jahrelang waren sie der eigentliche Motor der Internet-Bewegung, machten Start-ups wie Google, Yahoo oder Ebay zu Weltmarken: die Venture Capital-Firmen, in der Szene kurz "VCs" genannt. Damit könnte es bald vorbei sein. Immer weniger US-Webfirmen gehen mit Hilfe der Risiko-Kapitalgeber an die Börse. Inzwischen sammeln VCs mehr Geld ein, als sie investieren. Sequoia & Co. haben zudem eine neue Goldgrube entdeckt: Cleantech, das Geschäft mit der sauberen Energie. Internet ist bei den VCs out.

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„You never know who is swimming naked til the tide goes down“, das ist einer der Lieblingssprüche vom legendären Investor Warren Buffett. Und dieser Satz gilt auch für die vielen Venture Capital Firmen (kurz „VC“ genannt), die jahrelang der eigentliche Motor der Internet-Bewegung waren.  

Mega-Brands wie Google, Yahoo oder Ebay sind mit Risikokapital groß und stark geworden. Die Stars der VC-Szene heißen Kleiner, Perkins, Caufield & Byers, Sequoia und Benchmark. Sie sitzen in der Sand Hill Road in Menlo Park, unweit der Stanford University. Hier sind die Mieten teilweise höher als in Manhattan oder Londons West End.  
Aber der Motor vom Valley kommt langsam ins Stocken. Gingen im Jahre 2000 noch 265 von VC unterstützte US-Companies an die Börse, so waren es im letzten Jahr nur noch 86. In diesem sind es bisher nur noch 6. Und man kann davon ausgehen, dass bei dem momentanen Börsenumfeld die nächsten Wochen kein einziger IPO mehr hinzukommt.  
Die Folge: zum ersten Mal in der Geschichte sammeln VC’s mehr Geld von Investoren ein als sie an sie zurückbezahlen. Das ist kein gutes Zeichen: The VC Model is broken schreibt „VentureBeat“, ein amerikanischer Internetdienst, der sich sehr intensiv mit Venture Capital auseinandersetzt. Und Adeo Ressi, der Gründer der Konkurrenzsite „TheFunded“ hat vor einigen Tagen an der Harvard Business School einen vielbeachteten Vortrag gehalten, zu dem er folgende Slideshow gezeigt hat: „The Canarie is dead“
Drei Gründe werden genannt, warum Venture Capital heute nicht mehr so lukrativ ist wie noch in den Neunziger Jahren: 

  1. Die VC’s waren früher schlichtweg zu erfolgreich. Das hat dazu geführt, daß alle ins VC-Business wollten und zuviel Geld zur Verfügung stand. Folge: das viele Geld hat den Preis für gute Startups hochgeschaukelt und parallel wurden zu viele schlechte Ideen gefördert 
  1. Companies wie Microsoft, Google und Yahoo sind intelligenter geworden und kaufen heute interessante Startups frühzeitig, solange sie noch relativ preiswert sind 
  1. Gier. Simple Gier. Je mehr die Venture Capital-Verantwortlichen investierten, umso mehr verdienten sie auch. In aller Regel bekommen sie 2% des eingesammelten Geldes. Da ist die Verlockung groß, vor allem teure Startups zu fördern und weniger auf Qualität zu achten

Zu diesen Strukturproblemen kommt jetzt aktuell noch die große Finanzkrise und eine vermutlich länger anhaltende Rezession. Und dann will die neue Regierung von Barack Obama noch die „Capital Gains“ höher besteuern. Das sind alles Faktoren, die wie Fernsehsender ABC News berichtet, dazu führen „…that the venture-capital industry, once the pride of American entrepreneurialism, may have reached a tipping point on the way to oblivion.
Für die Internet-Branche, nicht nur in den USA, ist das eine besorgniserregende Entwicklung. Für Startups wird es in Zukunft ganz schwierig, an frisches Geld zu bekommen. Internet ist an der Sand Hill Road out. 
Statt dessen setzten die VC’s lieber auf den Cleantech-Sektor, also auf das Geschäft mit der sauberen Energie. 2007 haben Risikokapitalgeber 2,6 Mrd. Dollar in über 200 Energie-Unternehmen gepumpt. In diesem Jahr werden es an die 3,5 Mrd. Dollar sein. „Gold hat die Farbe grün“, hört man immer wieder an der Sand Hill Road. Aber auch auf diesem Sektor mehren sich die Risiken und warnende Stimmen sprechen – in Anlehnung an Dotcom-Boom – von einer „Wattcom-Blase“. 
„R.I.P. – Good times“ hat Sequoia vor einigen Wochen eine Warnung an alle seine Portfolio-Unternehmen überschrieben. „Rest in Peace “ – das gilt wohl auch für die grandiosen Zeiten, die die Venture Firmen mit dem Internet gehabt haben.

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