Kauft Facebook jetzt doch StudiVZ?

Sicher: Facebook hat weit über 100 Millionen Mitglieder, ist die am schnellsten wachsende Community der Welt und hat (angeblich) einen Börsenwert von mehr als 10 Milliarden Euro. Aber das Netzwerk des smarten Harvard-Dropouts Mark Zuckerberg hat auch Probleme. Zum Beispiel, das einer der fünf wichtigsten Märkte für Facebook Entwicklungsland ist: Deutschland. Hier dominiert StudiVZ. Für Facebook ein heißer Ubernahme-Kandidat. Ein Artikel von BusinessWeek heizt die Spekulationen jetzt an.

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„Welche Werbewirkung soll denn mit den hohen Klicks erzielt werden? Ist es nicht so, dass das Werbegeschäft auf dem heutigen Niveau…schon recht ordentlich ausgebaut ist? Sind nicht einfach die Erwartungen zu hoch? Woher kommen diese hohen Erwartungen denn? Aus utopischen Kaufpreisen von fast 100 Mio. Euro“, sagte Michael Enzenauer, der Chef von Optimedia über StudiVZ am Freitag im MEEDIA-Interview. 
Bei Holtzbrinck, die 85 Mio. Euro für StudiVZ ausgegegeben haben, wird man diese Sätze nicht gerne gehört haben. Sie dürften aber eine realistische Einschätzung aus Sicht der Werbung wiedergeben. Viel mehr als die momentan 10 Mio. Euro Erlöse pro Jahr wird man mit StudiVZ und den Ableger SchülerVZ und MeinVZ auf absehbare Zeit nicht holen können, trotz der  inzwischen 12 Mio. Nutzer, trotz Zuwachsraten von 400.000 Usern im Monat. 

Wenn dem so wäre, dann wäre das für Holtzbrinck eine bittere Erkenntnis. Denn bei „nur“ 10 Mio. Euro Werbeerlösen sollen sich die jährlichen Verluste der VZ-Gruppe auf angeblich ebenfalls fast 10 Mio. Euro aufaddieren. Und das ist in der heutigen Medienlandschaft eine Summe, die sich selbst ein Großverlag wie Holtzbrinck nicht über einen längeren Zeitraum ansehen wird. 

An diesem Wochenende berichtet nun BusinessWeek über über die aggressiven Expansionspläne von Facebook. Das von Mark Zuckerberg gegründete Social Network würde – ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Startups im Valley – an seinem „Spend-now, Profit-later-Approach“ festhalten. Laut Comscore hat Facebook inzwischen weltweit über 160 Mio. User, während Konkurrent MySpace nur auf 120 Mio kommt. Aber das Facebook-Problem ist bekannt: Es gibt auf  dem Globus einige weiße Flecke, wo man nicht richtig vorankommt. Dazu gehört Deutschland… 
BusinessWeek schreibt, dass sich 85% der weltweiten Werbeerlöse auf fünf Schlüssel-Märkte verteilen würde: neben den USA noch Großbritannien, Japan, Frankreich – und natürlich Deutschland. Und in diesen 5 Märkten sei MySpace 30% größer als jeder Wettbewerber. Laut Goldman Sachs würde MySpace inzwischen bei über 600 Mio. Dollar Werbeerlösen liegen, während Facebook keine 300 Mio Dollar schafft. 
Und dann steht in BusinessWeek: „Facebook may not reach every country, but top executives like Zuckerberg give the impression they would like to…. .Chief Financial Officer Gideon Yu says he is actively looking for deals to expand the company’s reach. Top options could include sites in Brazil, Germany, India or Japan, where Facebook does not have a strong presence“. 

Wenn man das liest und wenn man sich die Werbeprobleme von StudiVZ vor Augen führt, dann wird man das Gefühl nicht los, als wenn kein Weg an einem Zusammenschluss von Facebook und der VZ-Gruppe vorbeiführt. Beide Seiten – StudiVZ wie auch Facebook – brauchen einfach den Deal:
– wenn Facebook wirklich eine Weltmarke werden will, kann es sich nicht leisten, auf Weltmärkten wie Deutschland und Japan nur eine Nebenrolle zu spielen 

– und für Holtzbrinck macht Zeitverlieren, Pokern und Zaudern wenig Sinn, wenn man fast eine Mio. Euro im Monat verliert, ohne die Perspektive, dass sich das die nächsten Jahre ändert. 
Zu einem Zusammenschluß passt, dass man diese Tage im Silicon Valley verstärkt davon spricht, dass Facebook 2010, spätestens 2011 an die Börse gehen wird und damit den IPO-Markt für Internet-Unternehmen wieder öffnet. Das dürfte es für Stefan von Holtzbrinck leichter machen, bei einem Verkauf von StudiVZ auf Cash zu verzichten und sich mit Facebook-Anteile bezahlen zu lassen. Ein Börsengang von Facebook bringt für Holtzbrinck nämlich die große Chance, mit seinem über 100 Mio Investment (85 Mio Kaufpreis + Anfangsverluste) ein Vielfaches zu verdienen. 
Deshalb spricht alles dafür, dass es in den nächsten Monaten zu einem Deal Facebook/StudiVZ kommen wird.

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