„Mit Tageszeitungen geht es abwärts“

Alfred Neven DuMont, Alt-Verleger des „Kölner Stadt-Anzeigers“, des „Express“ und der „Frankfurter Rundschau“ malt im Interview mit „Cicero“ eine düstere Zukunft für Zeitungen. „Die Zeitung wird von allen Seiten unterlaufen“, sagt er und: „Egal wie schnell – die Reise geht auf jeden Fall abwärts.“ Sogar eine Verstaatlichung von Zeitungen hält der 81-Jährige im Notfall für tragbar. Damit begibt er sich in deutliche Opposition zu seinem Sohn Konstantin, der das Tagesgeschäft führt.

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Wenn die großen alten Männer reden, dann ist das oft ergiebig – soweit sie geistig noch fit sind. Bei Alfred Neven DuMont besteht da gar kein Zweifel. Der Alt-Verleger ist in seinen Analysen glasklar und in seinen Formulierungen messerscharf. So kritisiert er, dass die Qualität der allermeisten Blätter im Lande durchaus verbesserungswürdig ist und konstatiert im „Cicero“-Interview: „Der größte Wille, den man momentan bei Medienmanagern beobachten kann, ist der Sparwille.“

Die fetten Zeiten der Gattung Tageszeitung seien endgültig vorbei, so Neven DuMont. Schuld daran sei auch die Spaltung der Gesellschaft in eine Bildungs-Elite und „alle Übrigen“. Der Verleger fürchtet gar einen Rückfall in wilhelminische Zustände: „Wir entwickeln uns leider soziologisch rückwärts: Wer hat denn im 19. Jahrhundert Zeitung gelesen? Die Elite!“ In der wilhelminischen Zeit sei 60.000 Exemplare eine Rekordauflage gewesen, raunt der Alte düster.

Mit dieser eher pessimistischen Einschätzung vertritt Alfred Neven DuMont eine fundamental andere Position als sein Sohn Konstantin, der im Verlag als Geschäftsführer tätig ist. Im Gespräch mit MEEDIA erklärte der Sohn unlängst, er sehe gar keinen Anlass für Schwarzmalerei. Auch von Staatshilfe für Zeitungen hält der Junior nichts: „Wenn Staatsgelder fließen würden, würde automatisch befürchtet, dass vielleicht Einfluss von politischer Seite genommen werden könnte. Zeitungen sind ja immer noch das glaubwürdigste Medium“, so Konstantin Neven DuMont im MEEDIA-Gespräch. Mit der Gattung Tageszeitung soll es bergab gehen? Konstantin Neven DuMont: „Unsere Gattung ist nach wie vor sehr stark. Wir erreichen einen großen Teil der Bevölkerung.“

Auch die Entwicklung der „Frankfurter Rundschau“ beurteilen Vater und Sohn unterschiedlich. Zur „FR“ sagt der Alte in „Cicero“: „Wenn die Ergebnisse jetzt trotzdem nicht unseren Prognosen entsprechen, liegt das natürlich auch an der wirtschaftlichen Entwicklung.“ Spätestens nach 2010 will Alfred Neven DuMont die Lage bei der „Rundschau“ zum Besseren gewendet haben. Und der Sohn: „Mit der Auflagenentwicklung sind wir zufrieden. Nachholbedarf haben wir in Frankfurt bei den digitalen Angeboten.“ Der Verlag M. DuMont Schauberg ist offenbar ein Haus, in dem die Meinungs-Pluralität zwischen den Generationen gelebt wird.

Ansonsten bietet das „Cicero“-Gespräch noch weitere tolle Zitate des großen alten Verlegers aus Köln. Hier die zwei besten: „Mehr Zeitungen zu haben, macht einen nicht mehr so geil wie früher.“ Und: „Pah, Timbuktu! Vergessen Sie die romantischen Geschichten. Ein verkacktes, verlaustes Nest.“ Manchmal gebe es Träume, die würden nicht besser, wenn man sie sich erfüllt, sagt der alte DuMont zu seinem Lebenstraum, nach Timbuktu zu reisen. Wahre Worte.

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