Exklusiv: Die neue G+J-Wirtschaftsredaktion

Am Baumwall laufen derzeit Planung und Vorbereitungen für das wohl größte deutsche Verlags-Sanierungsprojekt auf Hochtouren. Eine Zentralredaktion mit 230 Mitarbeitern soll bei Gruner + Jahr ab 1. März „FTD“, „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“ mit Inhalten und Layouts bestücken. Der Zeitplan ist ehrgeizig. MEEDIA liegt das Organigramm vor, das erste Einblicke in die Architektur der neuen Mammut-Redaktion ermöglicht. Es zeigt: Für Ober-Chefredakteur Steffen Klusmann bleibt viel zu tun.

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Am Baumwall laufen derzeit Planung und Vorbereitungen für das wohl größte deutsche Verlags-Sanierungsprojekt auf Hochtouren. Eine Zentralredaktion mit 230 Mitarbeitern soll bei Gruner + Jahr ab 1. März „FTD“, „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“ mit Inhalten und Layouts bestücken. Der Zeitplan ist ehrgeizig. MEEDIA liegt das Organigramm vor, das erste Einblicke in die Architektur der neuen Mammut-Redaktion ermöglicht. Es zeigt: Für Ober-Chefredakteur Steffen Klusmann bleibt viel zu tun.
Noch bevor Ende Dezember die Kündigungen an die Mitarbeiter der Wirtschaftspresse in Köln und München verschickt werden, hat die Verlagsspitze Fakten geschaffen. In einem internen Schreiben vom 21. November werden die Grundzüge der neuen Organisation der Wirtschaftsmedien und die Aufschlüsselung der Ressortverteilung dargelegt. Tenor: „Alle Titel sollen ihre DNA behalten.“
Die wichtigsten Eckpunkte:
–    Gekündigte Mitarbeiter, die sich bei der noch zu gründenden Service GmbH bewerben, erhalten Anstellungsverträge bei der „Financial Times Deutschland“ und sind nicht mehr einem speziellen Titel zugeordnet. Dies bedeutet, dass die Chefredakteure von „Capital“ & Co. keine ihnen vertraglich unterstellten Redakteure mehr haben
–    Alle Chefredakteure berichten an „FTD“-Chef Steffen Klusmann, der bei jeder Entscheidung das letzte Wort hat. „In Konfliktfällen“, heißt es in dem Papier der Geschäftsleitung, „schlichtet und entscheidet“ Klusmann. Dieser führt künftig offiziell den Titel „Sprecher des Chefredakteurskollegiums“. Gleichzeitig sollen die untergeordneten Chefredakteure weiterhin Verantwortung für ihre Marke tragen.
–    Online-Redaktionen und das Producing werden zusammengelegt. „Blattmacher“ innerhalb dieser Einheit sollen die jeweiligen Websites der einzelnen Titel betreuen
–    Insgesamt elf Units sollen die jeweiligen Blätter parallel beliefern. Sie unterstehen dem Chefredakteurskollegium, auf das insgesamt 10 Arbeitsplätze entfallen
–    Neben der Zentrale in Hamburg gibt es zwei große Außenbüros in Frankfurt (61,3 Stellen) sowie in Berlin (30,6 Stellen)
–    Die Ressorts im Einzelnen: Autoren und Reporter (9 Stellen), Layout und Infografik (25 Stellen), Chefs vom Dienst (10 Stellen), Online (25,8 Stellen) Geldanlage (Sitz in Frankfurt, 24,5 Stellen), Mittelstand (7 Stellen), Unternehmen (29,3 Stellen), Lifestyle (5,8 Stellen), Politik (Sitz in Berlin, 30,6 Stellen), Finanzen News (Sitz in Frankfurt, 16,8 Stellen), Agenda (16,8 Stellen). Hinzu kommen Volontäre (9 Stellen), Geschäftsführende Redaktion (4 Stellen), Übersetzung (2,5 Stellen) sowie ein dem „FTD“-Chef unterstelltes Nachrichtenbüro (4 Stellen)
Offenbar ist „FTD“-Chefredakteur Klusmann derzeit damit beschäftigt, Gespräche mit den betroffenen externen Redaktionen zu führen. Aufgrund unterschiedlicher Redaktionstechnik und den noch nicht hinreichend erfassten Arbeitsabläufen gestaltet sich diese Aufgabe als schwierig. Laut Aussage eines Gesprächsteilnehmers soll Klusmann darauf hingewiesen haben, dass er für die Erarbeitung des Redaktionsplans nur wenige Tage Zeit gehabt habe.
Diesen Eindruck vermittelt auch das MEEDIA vorliegende Organigramm, das offen lässt, wie die Bezüge zwischen den Hierachie-Ebenen gestaltet werden. Hier wartet noch viel Detailarbeit. Auch die Rolle der entmachteten Chefredakteure von „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“ scheint schwammig und widersprüchlich definiert zu sein. Für den scheidenden „Capital“-Chefredakteur Klaus Schweinsberg gibt es noch keine Nachfolgeregelung. Es wird erwartet, dass vorerst Steffen Klusmann dessen Aufgaben mit übernimmt.
Für Verbitterung unter den von Kündigungen betroffenen Redakteuren sorgt unterdessen die Ankündigung des G+J-Managements, dass nach dem Auslaufen der Frist für die Sonderregelung der hoch dotierten „Turbo“-Abfindungen am 28. November der Verlag nur noch die gesetzlichen Ansprüche auf Zahlungen per Sozialplan erfüllen wolle. Die „Turbo-Prämien“ hatte der Verlag ursprünglich für leistungsschwache langjährige Mitarbeiter vorgesehen. „Damit“, so ein Redakteur, „werden die Problemfälle bei den Abfindungen belohnt und engagierte Leistungsträger in den Wirtschaftsredaktionen bestraft.“ Angeblich ist der Verlag derzeit nur bereit, bei künftigen Entlassungen 0,75 Monatsgehälter pro Beschäftigungsjahr zu zahlen. Der Poker um den Sozialplan fängt gerade erst an.

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